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Telfs | Kultur | 21. November 2022 | Lia Buchner

Ein „gebildeter Maler“

Ein „gebildeter Maler“
Ein Himmel voller Engel, Putten und Wolkenstrukturen: Kuppelfresko der Heiligblut Kapelle von Josef Schöpf. RS-Foto: Buchner
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Stift Stams: Eine musikalische Stunde im Gedenken an den 200. Todestag des Telfer Malers Josef Schöpf

Mit dem Stift Stams war Josef Schöpf zeit seines Lebens innig verbunden. Hier ging er zur Schule, hier wurde er als jugendliches Talent erkannt und gefördert, dem Stift vermachte er seinen ausgesprochen umfangreichen malerischen Nachlass. Und hier stattete er die Heiligblut Kapelle mit prachtvollen Fresken und Deckengemälden aus. In genau jener Kapelle also gedachte man nun des 200. Todestages Schöpfs mit einem Konzert. Ein klug zusammengestelltes Programm mit Werken von Zeitgenossen und vermutlich auch Bekannten des Malers wie Stefan Paluselli – einem weiteren bedeutenden „Sohn“ des Stiftes Stams – Michael Haydn, dem Bruder des großen Josef Haydn, und anonym überlieferten Orgelwerken aus dem Archiv des Stiftes feierte das reiche kulturelle Erbe Tirols.
Von Lia Buchner

Josef Schöpf konnte nach dem Schulbesuch in Stams als Zehnjähriger auf Vermittlung des Stiftes eine Lehre bei Philipp Haller in Innsbruck beginnen. Dieser handwerkliche Einstieg war im Barock der gängige Weg in eine Künstlerlaufbahn. Nach einigen Jahren auf Wanderschaft kehrte er nach Stams als Gehilfe von Josef Anton Puelacher zurück und bekam als 23-Jähriger seinen ersten eigenen Auftrag für eine Freskengestaltung im Stift. Doch Schöpf ist ehrgeizig, er möchte ein „gebildeter Maler“ werden, und das Glück war ihm hold: Mit Martin Knoller fand er einen der namhaftesten deutschen Freskomeister des 18. Jahrhunderts, in dessen Schule er sieben Jahre blieb und auf dessen Rat er als 30-Jähriger nach Rom ging.

Der Romaufenthalt. In Rom, diesem Sammelpunkt der deutschen Künstlerschaft, entsteht gerade der Klassizismus, Rafael Mengs und Johann Joachim Winckelmann hatten die antiken Vorbilder wieder entdeckt und eine ganze Generation von Künstlern in ihren Bann gezogen. Schöpf kam 1875 (zehn Jahre vor Goethe) mit einem kaiserlichen Stipendium nach Rom und blieb acht Jahre am Tiber. Er besuchte die kapitolinische Akademie, studierte die großen Kunstsammlungen, kopierte Raffael und Michelangelo, auch für Architektur und Bildhauerei interessierte er sich. Kurz: alles, was das gelobte Land der Kunst zu bieten hatte, saugte Schöpf in sich auf.

Erfolge. Als Josef Schöpf schließlich nach Tirol zurückkehrte, war er ein gefragter Mann, der die klassizistischen Ideale mit der spätbarocken Tradition zu verbinden verstand. Die nächsten 20 Jahre werden Schöpfs fruchtbarste Zeit, in der er auch für Stams wieder tätig wird: mit der Neuausmalung der erweiterten Heiligblut Kapelle.

Musikalische Zeitgenossen. In genau diese Kapelle, unter diesen Schöpf’schen Himmel voller Engel, Putten und Wolkenstrukturen, lud die „Kulturinitiative Hörtenberg“ gemeinsam mit dem „Freundeskreis des Stiftes Stams“ zu einem Gedenkkonzert für den vor 200 Jahren verstorbenen Maler. Elias Praxmarer, der Stiftsorganist, hatte ein Programm aus Werken von namhaften und namenlosen Zeitgenossen Schöpfs aus dem umfangreichen Archiv des Stiftes zusammengestellt. An prominenter Stelle war Stefan Paluselli, einer der bedeutendsten Komponisten Tirols und Mönch im Stift Stams, zu hören. Vor allem seine vierstimmigen Chorsätze für die Heiligblut Feierlichkeiten des Stiftes bauten einen schönen Bogen zum Ort des Konzertes und zu Josef Schöpf.

Heiligblut. Das Stift Stams beherbergt seit 1299 eine Heiligblut Reliquie: etwas Erde von Golgatha durchtränkt mit einem Blutstropfen Christi. Diese damals hochverehrte Reliquie wurde bis zur Klosteraufhebung 1939 in einer jährlichen Feier gewürdigt, zu welchem Anlass Paluselli regelmäßig die Festmusik schuf. Fast 200 Jahre später nahm Elias Praxmarer diese Tradition wieder auf und komponierte den vierstimmigen Hymnus „O heil‘ges Blut“, der im Konzert den Arbeiten Palusellis spannungsreich gegenübergestellt wurde.
 
Ein „gebildeter Maler“
Das wunderbare Ensemble: Elias Praxmarer (Orgel), Matthias Gastl (Bass), Andreas Egger (Tenor), Eva Schöler (Alt), Helene Grabitzky (Sopran) (v.l.). RS-Foto: Buchner
Ein „gebildeter Maler“
Josef Schöpf (1745 - 1822). Foto: Archiv der Marktgemeinde Telfs
Ein „gebildeter Maler“
Verblüffend dreidimensional: Evangelist in der Heiligblut Kapelle. RS-Foto: Buchner
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