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Telfs | Kultur | 22. März 2021 | Lia Buchner

Frisch aufgeschüttelt

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So sieht es in der Werkstatt aus: Die frischen Druckbögen werden Stück für Stück handillustriert. Fotos: dreiundzwanzigminuseins
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Verlag „Edition BAES“ Zirl Zeitgenössische Lyrik
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Lyrikband „nackte gedichte“ beim Zirler Verlag „Edition BAES“ erschienen

Es klingt ein wenig nach Anachronismus in Zeiten der Online-Lesungen und Internet-Kunst: Zeitgenössische Lyrik in einem handgefertigten Buch, von drei Tiroler Künstlerinnen geschrieben, gestaltet und hergestellt. Die Widersprüchlichkeit ist beabsichtigt.
Von Lia Buchner

Das Werk  „nackte Gedichte“ ist der zweite Lyrikband der jungen Tiroler Autorin Rebecca Heinrich. Sie ist Literaturwissenschaftlerin, Lyrikerin und eine fixe Größe in der österreichischen Poetry Slam Szene. Sie leitet Textwerkstätten zu literarischem Schreiben, sie ist Gründungsmitglied etlicher Lyrik Kreise und war maßgeblich am Krisen-Projekt „Arbeit statt Almosen“ beteiligt. Rebecca Heinrich ist nicht zu bremsen, schon gar nicht von Corona.

Inspirationskraft. Gemeinsam mit den beiden bildenden Künstlerinnen Julia Kössler und Martina Frötscher ist sie das „Künstler*innenkollektiv dreiundzwanzigminuseins“. 2017 kamen die drei zusammen, und schnell war der Name gefunden: Kössler und Frötscher waren damals 23 Jahre alt, Heinrich – richtig: minus eins – ein Jahr jünger. In einer ersten Kollektiv-Ausstellung in Innsbruck zeigten sich spannend die Gemeinsamkeiten und Überschneidungen der sonst isolierten Ausdrucksweisen Text und Bild, die gegenseitige Inspirationskraft der Techniken machte den drei Künstlerinnen Lust auf weitere Projekte.

Handmade. Nun also haben sie gemeinsam diesen besonderen Lyrikband realisiert. In zwei Versionen ist das Buch erschienen. Einmal als illustrierte Taschenbuchausgabe und einmal als handgedruckte Sonderedition mit einer Auflage von 16 Einzelstücken. Alles hat das Kollektiv selber gemacht: Typographie und Satz, das Layout, Text und Graphik. Die Illustrationen entstanden als handgedruckte Linoldrucke, Papier, Umschlag und Buchbindung sind von höchster Qualität. In jedem einzelnen Detail dieses Buches steckt „dreiundzwanzigminuseins“. 
Haptische Schönheit.  Erschienen ist der Lyrikband beim Zirler Verlag „Edition BAES“ rund um den Literaten Elias Schneitter. Der Kleinverlag setzt in seinem Programm gezielt auf hochwertige Qualitätserzeugnisse, inhaltlich wie haptisch. „Wir möchten die Schönheit von Büchern und die Materialität von Lyrik zeigen.“ Folgerichtig haben sich Verlag und Künstlerinnen um die Auszeichnung „Das schönste Buch Österreichs 2021“ beworben, die der Hauptverband des österreichischen Buchhandels vergibt. Die Preisträger werden Ende März feststehen. Die Poesie von Rebecca Heinrich kreist um „Liebe und Verlust, um Abendsonne und Tagträumen“, kommentiert Elias Schneitter. Das klingt konventioneller, als es ist. Neugierig spielt Heinrich mit Wörtern, schüttelt ihre Bedeutungen auf und plötzlich klingt alles frisch, berührend und meilenweit entfernt von Liebeslyrik-Klischees. Beispiel? 
im sommer IV *

ich habe mich in dich verlacht.
ich habe mich in dich verblickt.
ich habe mich in dich verhört.
ich habe mich in dich verspürt.
ich habe mich in dich verküsst.
aber was am meisten auffällt,
ich habe mich in dich verschrieben.


(*Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin, alle Rechte vorbehalten). Es ist eine Freude, den Textgirlanden der Dichterin zu folgen. Man darf auf mehr aus der Werkstatt von „dreiundzwanzigminuseins“ gespannt sein.
Frisch aufgeschüttelt<br />
Inhaltlich wie haptisch außergewöhnlich: Lyrikband des Künstler*innenkollektivs „dreiundzwanzigminuseins“. Coverbild: dreiundzwanzigminuseins
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