Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
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Oh Happy Day

Der Götzner Chor „Noises“ ist Gospelspezialist

In Götzens hat sich ein kleiner feiner Chor ganz dem Gospelgesang verschrieben. Chorleiter Viktor Scheiber erklärte der RUNDSCHAU, worauf es bei den angloamerikanischen Rhythmen ankommt und warum Bewegung so wichtig ist.
14. Feber 2022 | von Lia Buchner
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Der Götzner Gospelchor „Noises“ in seinem Proberaum: Gospel lebt von der Lebendigkeit. Foto: Viktor Scheiber
Von Lia Buchner

„Gospel = auswendig singen + bewegen.“ Auf diese einfache Formel bringt es Viktor Scheiber, der seit mehr als zehn Jahren in der Pfarre Götzens als Organist und Kirchenmusiker tätig ist und fast genauso lange seinen Gospelchor „Noises“ leitet. Diesen Namen hatte einst seine Tochter erfunden, die sich mit zehn einen Kinderchor wünschte und auch gleich wusste, wie er heißen soll: „Little Noises“, kleine Geräusche.

Danke für diesen guten Morgen. Inzwischen sind die „Noises“ groß geworden und haben sich auf das „Neue Geistliche Lied“ spezialisiert. Unter diesem etwas sperrigen Sammelbegriff wird im Wesentlichen alles zusammengefasst, was an Kirchenliedern rund nach 1950 entstanden ist, von „Ins Wasser fällt ein Stein“, über Gospels bis zu Taizé-Liedern. „Die Lieder aus den Jugendmessen der 70er Jahre singen wir allerdings eher selten, die kennt hier in Götzens fast niemand. Wir beschäftigen uns vorwiegend mit Gospels.“

Battle of Jericho. Der Begriff leitet sich von „Good spell“ ab und erzählt damit auch schon, was er meint: rhythmisch vertonte Bibelworte, die sich als Genre Anfang des 20. Jahrhunderts aus den traditionellen afroamerikanischen Spirituals entwickelt haben. Und jetzt kommt die Bewegung ins Spiel. „Die Stimme ist ein Teil des Körpers und ohne ihn nicht denkbar. Ich weiß, dass sich Chöre in unseren Breiten mit Bewegung beim Singen schwertun, aber der Körper ist integraler Bestandteil des Gospelgesangs,“ schmunzelt Viktor Scheiber, „diese Musik lebt ganz wesentlich von der Lebendigkeit“. Und natürlich vom „Backbeat“, der genretypischen Betonung auf dem zweiten und vierten Schlag. „Auch das ist für unsere Musiktradition ungewohnt. Wir betonen üblicherweise auf dem ersten und dritten Schlag. Beim Volksgesang ist das manchmal schon eine Herausforderung.“ Dann kommt er noch einmal auf die Wichtigkeit des auswendig Singens zurück – auch das ist oft eine Herausforderung – doch „nur wenn ich ein Lied auswendig singen kann, bin ich wirklich mit ganzem Herzen drin“. Nicht umsonst formulieren die Englischsprachigen „to know by heart“ für etwas auswendig können.

Hineingrooven. Doch Herausforderungen liebt Viktor Scheiber. Der Vollblutmusiker, der vor seiner Kirchenmusiker-Karriere lange als Keyboarder mit unterschiedlichen Hardrock-Formationen unterwegs war, organisiert für die Kirchenmusikkommission seit Jahren Workshops zum Hineingrooven in den Gospelgesang. Das österreich-weite „Camp für Neue Geistliche Musik“ findet heuer in Brixen statt, vom 11. bis 16. Juli, und möchte die Vielfalt der „Neuen Geistlichen Musik“ näherbringen (www.ngl-camp.at). „Voraussetzungen gibt es keine, außer – Lust am Singen und Neugier“, erzählt Scheiber. „Wunderbare Referenten stellen Liedliteratur aus aller Welt vor, die sie im Gesamtchor oder in Workshops erarbeiten.“ Auch in Götzens organisiert Scheiber ein Singwochenende, das heuer im Herbst bereits zum siebenten Mal stattfindet (www.NGL-Workshop.at). Die „Noises“ hatten pandemiebedingt bis jetzt Probenpause, in der ersten Märzwoche geht es aber wieder los. Der Chor zählt im Moment rund 15 Mitglieder, in einer beachtlichen Altersverteilung von 15 bis über 70 Jahren. Da die „Noises“ trotz ihres geistlichen Liedgutes kein Kirchenchor sind, begleiten sie die eher persönlichen kirchlichen Feste wie Hochzeiten oder Firmungen. „Und einmal im Quartal gestalten wir die Samstagabend Messe in der Pfarrkirche Götzens“, berichtet Viktor Scheiber abschließend.
 
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Viktor Scheiber erzählt im RUNDSCHAU-Gespräch, worauf es beim Gospel wirklich ankommt. RS-Foto: Buchner

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