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Telfs | Kultur | 6. Juni 2022 | Lia Buchner

Spitze Feder Schnabel Tänze

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Die künstlerischen Anknüpfungen zeigen wie reich an Themen und Facetten Paul Floras Werk ist. Fotos: Hansjörg Pichler
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100. Geburtstag von Paul Flora: „Villa Schindler“ zeigt ausgewählte Arbeiten und zeitgenössische Interpretationen

Die Idee der Kuratorin Karin Pernegger klingt verheißungsvoll: Zum 100. Geburtstag von Paul Flora bat sie zeitgenössische – und mehrheitlich junge – Künstlerinnen und Künstler aus allen Landesteilen Tirols um eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Werk Floras. Der Aspekt war frei wählbar, die Mittel ebenfalls. Entstanden ist dabei etwas wirklich Spannendes.
Von Lia Buchner

Jeweils drei Südtiroler und drei Nordtiroler Künstlerinnen und Künstler beziehen mit sehr unterschiedlichen Haltungen Stellung zum Werk Paul Floras, teils konzipierten sie neue Arbeiten, teils passte Vorhandenes in die gedankliche Annährung. Jeder der gewählten Aspekte betont, wie reich an Facetten, Gesten und Themen das Werk Floras ist. Ob es seine mit pointierter Feder hingeworfenen Zeitkommentare sind, seine Liebe zur Karikatur, zur Schrift oder die weniger bekannten melancholischen Landschaftszeichnungen. Und natürlich der immer wiederkehrende Rabe.

Der Humorvolle. Gleich zwei Künstler greifen das Karikaturhafte in Floras Werk auf. Laurina Paperina (Trentino) ergänzt die für Flora typischen venezianischen Masken und Raben mit einem Alltagsrepertoire an Comic Figuren. Mit dem Zitat der Masken gelingt ihr zusätzlich ein Kommentar auf die letzten beiden Pandemiejahre. Anders als bei Flora ist ihr Werk schreiend bunt und vielformatig, was durch die Hängung schön zur Geltung kommt. Der Innsbrucker Künstler Patrick Bonato verwebt in drei großformatigen Zeichnungen humorvoll die Biografie Floras mit der eigenen. Die Zeichnungen tragen Titel wie „P. im Grottenbad zur Hungerburg“. Patrick oder Paul? Beide liebten als Kinder Vögel, beider Väter stammen aus Südtirol, beide lebten auf der Hungerburg. Das fiktive Treffen Floras mit Freunden und dem Künstler Bonato im Grottenbad zur Hungerburg ist da nur konsequent.

Geschichte erzählen. Und noch ein biographischer Bezug zeigt sich. In Ihrem Familienarchiv fand die Künstlerin Katharina Cibulka, geborene Fiegl, die Tagebuchnotizen ihres Großvaters, der mit Floras Vater in der Zwischenkriegszeit freundschaftlich verkehrt hatte, als beide Nachbarn in Pradl waren. Zur besonderen Entdeckung wurde, dass ihr Großvater zusätzlich Floras Latein Lehrer war und dieser ihn auch zeichnete, wie die ausgestellten Skizzen zeigen. In einer berührenden Zusammenstellung zeichnet Cibulka die verwobenen Lebenslinien von drei Generationen nach.

Der Geschichtenerzähler. In Dialog zu Floras Darstellung des Don Quichote stehen die vier Keramikbüsten des Brixener Künstlers Josef Rainer, die auf das Werk der Literaten Albert Sanches Pinola, Leo Tolstoi, Jonathan Swift (Gulivers Reisen) und Jule Verne anspielen. Vom literarischen Text ist es dann nicht weit zur Schrift, zur Parole, die Petra Polli als Ausgangspunkt für ihre graffittihaften Arbeiten dient.

Der Zeichner. Dem wohl markantesten Aspekt im Werk Floras spürt Benjamin Zanon in seinem Zeichnungszyklus nach. In feinster Federführung und an Platinen erinnernden Linien und Strukturen verdeutlichet er den rituellen Charakter und Prozess des Zeichnens. Wer genauer hinsieht, findet überall Floras zahllose Charaktere wieder, die Zanon nach seiner anfänglich vor allem technischen Inspiration gefesselt haben.

Sepp Schwarz-Kabinett. Wie versprochen wurde auch das „Sepp Schwarz-Kabinett“ neu bestückt. Die Tuschezeichnung ist ja ohnehin ein gemeinsames Ausdrucksmittel beider Künstler. Die Kuratorinnen haben auch tatsächlich einige Karikaturen und Vogeldarstellungen aus der Feder von Sepp Schwarz ausfindig gemacht. Annemarie Schindler hat übrigens bei einem Besuch im Frühjahr noch die Sepp Schwarz Ausstellung und das neue Kabinett gesehen und sei sehr berührt gewesen, wie Christine Gamper, Leiterin der Telfer Kulturabteilung, erzählt.

Bruneck. Die Paul Flora Ausstellung ist in Kooperation mit dem Stadtmuseum Bruneck entstanden, aus dessen Beständen sämtliche gezeigte Flora Arbeiten stammen. Nach der Schau in Telfs, die bis zum 6. August in der „Villa Schindler“ zu sehen ist, übersiedelt die Ausstellung im Herbst nach Bruneck.
 
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Die berührende Zusammenstellung verwobener Lebenslinien dreier (Kriegs-) Generationen von Katharina Cibulka.
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Karin Pernegger und Christine Gamper (v.l.) vor dem neuen Logo der VIlla Schindler. RS-Foto: Buchner
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