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Telfs | Kultur | 14. Juni 2022 | Lia Buchner

Zehn Porträts vom Meister der Suppendosen

Zehn Porträts vom Meister der Suppendosen
Der Galerist und Sammler Rafael Jablonka eröffnet zwischen Sigmund Freud und Albert Einstein (v.l.) die Andy Warhol Ausstellung in Seefeld. RS-Foto: Buchner
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Andy Warhols Serie von Porträts jüdischer Persönlichkeiten bei „KIS Seefeld“

Die alte Feuerwehrhalle wurde durch KIS schon mehrmals mit herausragender zeitgenössischer Kunst aus der Sammlung des Wahl-Seefelders Rafael Jablonka bespielt. Jetzt sind elf großformatige Arbeiten von Altmeister Andy Warhol zu sehen.
Von Lia Buchner

Ronald Feldmann, ein New Yorker Kunsthändler, präsentierte im Jahr 1979 dem damals bereits für seine Siebdrucke von Campell’s Soup, Brillo Box und vor allem für seine Porträts von Celebrities wie Marilyn Monroe berühmten Künstler Andy Warhol eine neue Idee: einen Zyklus  von Porträts jüdischer Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich standen mehr als 100 Namen auf der Liste, die sich in einem langwierigen Auswahlprozess auf zehn prominente Vertreter von Kunst, Literatur und Wissenschaft reduzierte. 

TYPISCHE TECHNIK. Als Grundlage verwendetet Warhol Fotos und Archivbilder, da keine der ausgewählten Geistesgrößen mehr lebte. Die daraus entstandenen Zeichnungen vergrößerte er per Siebdruck, übertrug sie auf Acetatfolie  und arrangierte mit den Fotos und koloriertem Papier die für seinen Stil so typischen Collagen. Gerade diese Collagetechnik ermöglichte ihm eine sehr freie Komposition der Bilder, schön zu beobachten an den beiden Porträts von Albert Einstein. Zusätzlich zu den über einen Meter hohen Originalen wurde die Porträtserie als vermarktbare Künstlermappe produziert. 

ZWEIFEL UND ERFOLG. Die Reaktion seiner Zeitgenossen war unterschiedlich begeistert, gelegentlich klangen Zweifel an, ob der poppige, stark stilisierte Stil, der für Porträts von Gesellschaftslöwen und Persönlichkeiten aus dem Showbusiness sicher angemessen sei, zu vergleichsweise strengen Denkern wie Martin Buber, Sigmund Freud oder Franz Kafka passe. Allerdings gab der Erfolg dem Team Warhol/Feldmann recht und es entstanden im Laufe der 80er Jahre etliche weitere Mappen mit historischen Persönlichkeiten wie Goethe, Lenin oder Alexander der Große.

MENSCHEN SIND EMIGRANTEN. Rafael Jablonka, die treibende Kraft hinter der Initiative „Kunst in Seefeld“ (KIS), betonte in seiner Eröffnungsrede der Ausstellung, dass alle abgebildeten Persönlichkeiten Emigranten oder Kinder von Emigranten waren – wie Andy Warhol auch. Er zog einen Vergleich zur Menschheitsgeschichte: „Als der Homo sapiens Afrika verließ, war er nirgends willkommen, er war überall ein Emigrant. Und doch setzte er sich durch.“ Warhol entstammte einer bitterarmen bäuerlichen Emigrantenfamilie aus der Slowakei, der seine einzigartigen künstlerischen Gaben in den USA entwickeln konnte. „Er war ein Visionär, dessen Bilder sich über die ganze Welt verbreiteten – wie der Homo sapiens.“

EMPFEHLUNG. Wer noch keine Gelegenheit hatte, eine Originalarbeit von Andy Warhol zu sehen, dem sei die Ausstellung in Seefeld dringend empfohlen. Bei freiem Eintritt ist die Schau „Ten Portraits of Jews of the Twentieth Century“ in der alten Feuerwehrhalle bis 12. März 2023 zu sehen. Freitag bis Sonntag, 16 bis 18 Uhr, ab 16. Dezember jeweils von 15 bis 17 Uhr.
Zehn Porträts vom Meister der Suppendosen
„Alle waren Emigranten oder Kinder von Emigranten.“ Hier: der tschechisch-österreichische Schriftsteller Franz Kafka. RS-Foto: Buchner
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