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Bergpanorama und Windkraftwerke

Wie der steigende Energiebedarf den Druck auf die Tiroler Bergwelt massiv erhöht

Tirol steht am Scheideweg seiner Energiepolitik. Der Strombedarf durch die Elektrifizierung von Wärme, Industrie und Verkehr steigt massiv an. Gleichzeitig klafft besonders im Winter eine gefährliche Versorgungslücke. Darauf macht eine von der IG Windkraft in Auftrag gegebene Studie aufmerksam.
23. März 2026 | von Georg Newesely
Bergpanorama und Windkraftwerke<br />
„Wir taumeln von einer Energiekrise in die nächste“, sagt IG-Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer und fordert einen Ausbau der Windkraft. Foto: Georg Newesely
Von der breiten Öffentlichkeit bleibt dies unbemerkt. Tirol steuert auf eine massive Stromlücke zu. Prognosen gehen davon aus, dass sich der jährliche Strombedarf in Tirol bis zum Jahr 2050 auf etwa 14,5 Terawattstunden mehr als verdoppelt. Das entspricht dem Verbrauch von rund vier Millionen Haushalten nach heutigen Maßstäben. Die Ursache für den Energiepoker ist offenkundig: Die Energiewende verlangt den Abschied von Öl und Gas. Dies treibt den Strombedarf für Wärmepumpen, E-Autos und die grüne Industrie in die Höhe. Darauf machte Florian Maringer, Geschäftsführer der IG Windkraft, bei einer Pressekonferenz jüngst aufmerksam: „Wir taumeln von einer Energiekrise in die nächste. Wir müssen endlich von fremden Öl- und Gasmächten unabhängig werden und dem Ausbau der heimischen Energieträger noch viel mehr Priorität geben.“

DIE „WINTERFALLE“ DER TIROLER ENERGIEVERSORGUNG. Das Kernproblem der alpinen Energieautonomie ist der Winter. Während die Wasserkraft von der Schneeschmelze profitiert und Photovoltaik-Anlagen im Sommer Höchstleistungen erbringen, liefern diese Quellen aber in den kalten Monaten deutlich weniger Energie. Bereits heute kann Tirol seinen Bedarf im Winter nicht allein decken. „In einzelnen Wintermonaten des Jahres 2024 mussten bis zu 50 GWh Strom netto importiert werden. Im Verteilnetz entsprach der notwendige Bezug aus dem Übertragungsnetz in Spitzenmonaten des Jahres 2023 sogar bis zu 350 GWh beziehungsweise rund 57 Prozent der monatlichen Stromabgabe“, konstatiert der Energieexperte Jürgen Neubarth in seiner von der IG Windkraft in Auftrag gegebenen Studie. Allerdings ließe sich die Winterstromlücke auf etwa 740 GWh begrenzen, wenn das technisch realisierbare Windpotenzial von rund 2,9 TWh pro Jahr genutzt würde.

ZWISCHEN KLIMASCHUTZ UND NATURSCHUTZ. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Ausbau der Windkraft in den sensiblen alpinen Naturräumen ist höchst umstritten. Kritiker weisen darauf hin, dass Windräder massive Eingriffe in das Landschaftsbild darstellen. Für ein Land, das stark vom Tourismus und seiner mancherorts noch unberührten Natur lebt, ist dies ein wunder Punkt. Neben der Optik stehen ökologische Bedenken im Zentrum. Der Bau von Fundamenten, Zufahrtswegen und Leitungstrassen in hochalpinen Lagen stellt eine massive Belastung für Flora und Fauna dar. Vogelschlag und die Gefährdung von Fledermäusen sind reale Probleme. Zumindest hier versprechen moderne Technologien Abhilfe, etwa durch Abschaltmechanismen, die per Sensorik hohe Vogelaktivität erkennen. Insgesamt besteht die Herausforderung für die Planer aber darin, Standorte zu finden, die technisch und wirtschaftlich sinnvoll und gleichzeitig ökologisch verträglich sind.

WIRTSCHAFTLICHE CHANCEN UND DAS RISIKO DES SCHEITERNS. Bereits wirtschaftlich betrachtet ist die Windkraft ein zweischneidiges Schwert. Einerseits generieren Anlagen Einnahmen für die Gemeinden und stärken durch die Unabhängigkeit von teuren Energieimporten aus Krisenregionen die heimische Wertschöpfung. Andererseits sind die Investitionskosten von Windrädern gerade in alpinen Lagen hoch. Die Amortisation hängt dann stark von politischen Rahmenbedingungen, der Netzintegration und den Einspeisetarifen ab. Technische Machbarkeit und wirtschaftliches Potenzial allein reichen aber nicht aus. Das zeigen als mahnendes Beispiel die gescheiterten Leitner-Windräder in der Malser Haide in Südtirol. Dort wurden die beiden 2002 errichteten Windkraftanlagen nach nur zehn Jahren Betrieb im Jahre 2012 wieder abgetragen. Der Grund: Gegen die Verlängerung der Genehmigungen gab es insbesondere wegen der Beeinträchtigung der Aussicht auf die Abtei Marienberg und den Ortler massiven Protest. Dieses Desaster verdeutlicht, dass Windkraftprojekte ohne Akzeptanz seitens der Bevölkerung zum Scheitern verurteilt sind, egal wie wirtschaftlich lukrativ und wichtig sie für die Energiebilanz sein mögen.

DIALOG STATT DIKTAT. Die Energiewende in Tirol wird sich tatsächlich im Winter entscheiden. Windstrom könnte einen Beitrag zu einer unabhängigeren Versorgung leisten und Tirol widerstandsfähiger gegen externe Energiekrisen machen. Doch dieser Weg lässt sich nicht gegen den Willen der Menschen beschreiten. Frühzeitige Information, Mitsprache und der Respekt vor dem alpinen Lebensraum sind Grundvoraussetzungen. Nur wenn es gelingt, den Ausbau ökologisch verträglich und sozial gerecht zu gestalten, wird der Wind in Tirol zum Verbündeten für eine nachhaltige Zukunft werden können.
Bergpanorama und Windkraftwerke<br />
„In einzelnen Wintermonaten des Jahres 2024 mussten bis zu 50 GWh Strom netto importiert werden“, so Energieexperte Jürgen Neubarth. Foto: Georg Newesely

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