Artikel teilen
Artikel teilen >

„Monatlich acht Euro Ersparnis sind zu wenig!“

Die RUNDSCHAU bat den bei der SPÖ in Ungnade gefallenen Vollblutpolitiker Georg Dornauer zum Gespräch

Der ehemalige Bürgermeister und Spitzenpolitiker der Tiroler SPÖ, Georg Dornauer, sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Der Pirschgang mit dem Pleitier René Benko und seine Forderung, die TIWAG solle die Übergewinne an die Tiroler Haushalte verteilen, führten dazu, dass Dornauer aus der SPÖ-Landespartei ausgeschlossen wurde. Ein Schiedsgericht muss nun entscheiden, ob der Parteiausschluss gerechtfertigt war oder nicht; am 21. Feber soll das Ergebnis feststehen. RUNDSCHAU-Redakteur Gebi G. Schnöll bat kürzlich Georg Dornauer, der nunmehr als „wilder Abgeordneter“ im Tiroler Landtag sitzt, zu einem Gespräch.
3. Feber 2026 | von Gebi G. Schnöll
„Monatlich acht Euro Ersparnis sind zu wenig!“<br />
Georg Dornauer ist Landespolitiker mit Leib und Seele. Bei seiner „Mutterpartei“ SPÖ ist er wegen diverser Ausrutscher in Ungnade gefallen. An einen Abschied aus der Landespolitik denkt er aber dennoch nicht. Foto: Schnöll
RS: Hinter Ihnen liegen turbulente Jahre. Wie resümieren Sie rückblickend den Lebensabschnitt zwischen dem Aufstieg zum Tiroler SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter 2022 und der doch etwas selbst inszenierten politischen Ist-Situation?
Dornauer: Dass das eine spannende und intensive Zeit war – mit unglaublich vielen positiven politischen Erlebnissen, mit Tausenden Kontakten zu den Tirolerinnen und Tirolern, aber natürlich auch mit sämtlichen Höhen und Tiefen, die man sich in der politischen Arbeit für Tirol nur vorstellen kann, das ist klar. Es war jedenfalls eine außergewöhnliche Zeit, die nicht jedem Politiker zuteilwird.

RS: Es wird spannend! Das Parteischiedsgericht wird am 21. Februar entscheiden, ob Ihrer Nichtigkeitsbeschwerde wegen des Parteiausschlusses aus der SPÖ stattgegeben wird oder ob der Ausschluss rechtens ist. Sollte das Schiedsgericht gegen Sie entscheiden, werden Sie dann den Berufungsweg wählen?
Dornauer: Eine Parteimitgliedschaft ist grundsätzlich ein hoher Wert. Sie steht für mich über taktischen Interessen und den persönlichen Interessen jener, die meinen Ausschluss forciert haben. Ich werde dem Verfahren des Parteischiedsgerichts nicht vorgreifen und mir alle weiteren Schritte jedenfalls offenlassen.

RS: Angenommen, der Ausschluss aus der SPÖ wird rechtskräftig, wie schaut dann Ihre politische Zukunft aus? 2027 finden die nächsten Landtagswahlen statt. Könnte es sein, dass ein Georg Dornauer unter der Flagge einer anderen Partei in den Wahlkampf zieht oder gar, so wie schon lange spekuliert wird, mit einer von ihm neu gegründeten Partei?
Dornauer: Wie schon gesagt, warte ich auf die Entscheidung des Parteischiedsgerichts. Ich persönlich fühle mich jedenfalls im besten politischen Alter und würde mich freuen, auch in Zukunft meine Erfahrungen und politische Energie für die Tiroler Bevölkerung einsetzen zu können – in welcher Art und Weise auch immer.

RS: Weil die Gemeinden zunehmend von hohen Ausgaben belastet werden, wird bei Ihnen und den Neos der Ruf nach Gemeindekooperationen und Gemeindefusionen lauter. Können Sie sich vorstellen, dass in absehbarer Zeit zum Beispiel auch im Sellraintal, wo Sie ja wohnen, aus den drei Talgemeinden St. Sigmund, Gries und Sellrain eine oder zwei Gemeinden geformt werden?
Dornauer: Die drei Sellraintaler Gemeinden werden immer drei Gemeinden bleiben – mit ihren drei Kirchtürmen, den drei Ortstafeln und auch den Musikkapellen und Schützenkompanien. Die kulturelle Basis bleibt gesichert und auch das Gemeinschaftsgefühl – dafür werde ich kämpfen. Aber darüber eine kluge, moderne und effiziente Verwaltungsebene zu legen, die für die Bürger auch leistbar ist, das ist aus meiner Sicht eine Aufgabe für eine intelligente Politik der nächsten Jahre.

RS: Ein großes Thema sind derzeit auch die hohen Kosten bei Energie, Lebensmitteln und beim Wohnen. Wird aus Ihrer Sicht dagegen bundes- und landespolitisch gesehen genug unternommen oder hätten Sie noch andere Vorstellungen, wie Herr und Frau Österreicher entlastet werden könnten?
Dornauer: Wir sehen leider, dass die anhaltende Teuerungswelle in Österreich einfach nicht nachlässt. Die monatlichen acht Euro Ersparnis, die die Bundesregierung nun durch die Mehrwertsteuersenkung angekündigt hat, sind im Vergleich zur tatsächlichen Teuerung im Einkaufskorb gelinde gesagt eine Frechheit – der Wocheneinkauf kostet im Vergleich  zu vor fünf Jahren inzwischen fast das Doppelte. Inflations- und teuerungsdämmend sind in jedem Fall leistbare und vernünftige Energiepreise. Und genau zu diesem Thema habe ich im vergangenen Sommer eine bundesweite Diskussion angestoßen – die übrigens zu meinem Parteiausschluss geführt hat. Wie richtig allerdings mein Vorstoß war und ist, zeigt die Tatsache, dass es inzwischen aufgrund der von mir angestoßenen Diskussion nun zu spürbaren Preissenkungen der Landesenergieversorger gekommen ist – und zwar in ganz Österreich.

RS: Zurück nach Tirol. Sie wurden bei den Bürgermeisterwahlen 2016 und 2022 zum Dorfchef von Sellrain gewählt und haben für das Gemeindewohl hervorragende Arbeit geleistet. Im Herbst 2022 wurden Sie in die Tiroler Landesregierung berufen und zum SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter bestellt. Das Bürgermeisteramt mussten Sie deshalb niederlegen. Der SPÖ-Bürgermeisterthron ging in Sellrain damit wieder an das ÖVP-Lager über. Könnten Sie sich ein Comeback als Bürgermeister von Sellrain vorstellen?
Dornauer: Alles ist eine Entwicklung – auch mein politisches Leben. Die Erfahrungen aus meinen fast sieben Jahren als Bürgermeister in Sellrain sind nach wie vor die Basis meines politischen Handelns. Auch ich habe mich entwickelt und ich werde auch weiterhin in meinen neuen Aufgaben und politischen Funktionen alles für meine Heimatgemeinde beitragen.

RS: Über die sogenannte Jagdaffäre mit René Benko wurde viel berichtet. Viele Menschen können nicht nachvollziehen, warum aus einem Foto, auf dem Sie gemeinsam mit Benko und einem erlegten Hirsch zu sehen sind, ein Drama gemacht wurde, das Sie ins politische Abseits manövrierte. Jetzt wird in der Affäre schon wieder ermittelt. Grundsätzlich geht es darum, ob Sie damals trotz eines bestehenden Waffenverbots das Wildtier geschossen haben. Hat Tirol keine anderen Probleme?
Dornauer: Die Ermittlungen haben mit meiner Person nichts zu tun – ich bin weder Beschuldigter noch Zeuge und habe auch keine Akteneinsicht. Es wird offenkundig gegen René Benko ermittelt. Daher kann und will ich das Ganze nicht kommentieren.

RS: Sie haben in den vergangenen Monaten nicht nur beruflich, sondern auch privat neue Wege eingeschlagen. Privat ist seit rund einem Jahr die Medienmacherin Eva Schütz an Ihrer Seite. Könnte es sein, dass in Sellrain schon bald die Hochzeitsglocken läuten?
Dornauer: Ich fühle mich in meiner Beziehung sehr wohl – privat soll aber auch weiterhin privat bleiben.

RS: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre politische und private Zukunft!

Feedback geben

Feedback abschicken >
Nach oben
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.