Ob in Trachtenvereinen, Musikkapellen, Schützenvereinen, bei besonderen Anlässen oder einfach nur, um die Tradtion zu bewahren – die Tiroler Tracht in ihren unterschiedlichen regionalen Ausführungen ist ein Zeichen für Brauchtum und Heimat, verbunden mit einem Zusammengehörigkeitsgefühl sowie der Freude an der Gemeinschaft. Viele, die das Handwerk beherrschen, gibt es allerdings nicht mehr. Eine von ihnen ist die Wildermieminger Trachtenschneiderin Monika Wohlmuth. Wohlmuth ist gelernte Schneiderin und spezialisierte sich in ihrer Nähkunst auf die Tracht, als sie damals mit ihrem ersten Kind schwanger war. „Die Tracht hat mich schon immer fasziniert, und jetzt übe ich das Handwerk schon seit vierzig Jahren aus“, erzählt die Trachtenschneiderin. In Kursen und Workshops gibt sie seit Jahren ihr Wissen an andere weiter. „Vor zehn Jahren war das Interesse nicht besonders groß, jetzt entsteht wieder ein Boom, und die Jungen legen wieder viel mehr Tracht und Dirndl an“, schildert sie das Zurückkommen der Tiroler Traditionsbewusstheit bei der jüngeren Generation.
TIROLER TRACHT IST NICHT GLEICH TIROLER TRACHT. Eine Besonderheit bei der Tracht ist, dass jede Region ihre eigene hat. So sind etwa die Trachten aus dem Unterland viel aufwändiger gestaltet als beispielsweise die schlichten Trachten aus dem Oberland. „Unsere Trachten sind einfacher, aber auch hier gibt es Unterschiede, wir haben rote Trachtenbänder, die Ötztaler haben grüne“, weiß die erfahrene Trachtenschneiderin. Was viele nicht wissen sei, dass wir neben der Sonntagstracht auch eine Freizeittracht haben, so Wohlmuth. Die Unterländer Frauen tragen meist ein Kassettl, das aus feinster schwarzer Schurwolle gefertigt wird. Mit prachtvollen Stickereien in Samt und Seide in Blumenornamenten und Perlen bestickt und mit Possamentrieborten verziert, ist das Kassettl sehr aufwendig in der Umsetzung. Schön findet die Wildermiemingerin auch, dass Trachten von Generation zu Generation weitervererbt werden oder anhand von alten Fotografien nachgestaltet werden wollen: „Vergangenes Jahr war eine junge Frau in einem Kurs, die die Tracht ihrer Oma nachnähen wollte“, schildert sie.
TRACHT IST VIEL HANDARBEIT. „Ein Dirndl kann man modern entwerfen und schneidern, die Tracht nicht, sie bleibt so, wie sie ist“, sagt Wohlmuth. Einfach zu nähen ist eine Tracht nicht. Man müsse viel mit der Hand arbeiten. Manchmal wird bei den Kursen auch geflucht, die einen fluchen, wenn sie Schrägbänder machen, die einen fluchen bei etwas Anderem, schildert die Schneiderin, aber das gehöre zu: „Am Ende sind alle glücklich über das fertige Werk und erzählen mir, dass sie eine Gaudi haben, weil sie durchhielten und die Tracht seitdem ganz stolz tragen.“ Neben dem Zuschneiden der Stoffe, ob Baumwolle oder Seide, Nähen oder Sticken geht es dabei in den Augen von Monika Wohlmuth aber um weit mehr, als eine Tracht zu machen. „Ich will, dass das Handwerk weitergeht, dass die Weiberleit miteinander handwerklich tätig sind und es gleichzeitig gemütlich und lustig miteinander haben“, schildert sie. Das „Hoangarten“ genauso wie das Traditionshandwerk selbst sollen nicht verloren gehen. Denn dafür steht die Tracht, für Tradition, Heimat und Gemeinschaft.