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Telfs | Politik | 11. Juli 2022 | Gebi G. Schnöll

Harsche Kritik an Hotelprojekt in Telfs-Mösern

Harsche Kritik an Hotelprojekt in Telfs-Mösern
Das „4 Trees“-Resort in der Visualisierung: Das Projekt wird von der „Liste Fritz“ arg kritisiert. Visualisierung: Giarizzo Architekten
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„Liste Fritz“-Klubobmann Markus Sint fährt schweres Geschütz auf – Bürgermeister Christian Härting schießt zurück

Wie in der vorhergegangenen RUNDSCHAU-Ausgabe bereits ausführlich berichtet, hat der Telfer Gemeinderat in der jüngsten Gemeinderatssitzung die raumordnerischen Grundlagen für ein Appartement-Hotelprojekt in Telfs-Mösern namens „4 Trees“ einstimmig beschlossen. Die „Liste Fritz“ kritisiert inzwischen das Projekt und spricht von einem „Turmbau zu Mösern“, mit dem der Ausverkauf der Heimat ungebremst voranschreite. Der Telfer Bürgermeister ortet „ein Säbelrasseln kurz vor der vorgezogenen Landtagswahl“.
Von Gebi G. Schnöll

Die Eigentümerin des ehemaligen „Menthofes“, die „Lion Hill Invest GmbH, die zu 75 Prozent der deutschen Holzer-Gruppe und zu 25 Prozent dem Möserer Touristiker Peter Tauber gehört, will auf dem 3.245 Quadratmeter großen Areal ein Hotel mit 15 Appartements und maximal 60 Betten, Clubhaus mit Lobbylounge, einem öffentlichen Restaurant und Abendbar, Pool, Spa und Wellnesseinrichtungen sowie einer zweigeschossigen Tiefgarage mit mindestens 50 Stellplätzen und einer oberirdischen Busbucht errichten und auch selbst betreiben. Das Konzept bezeichnet das Vorhaben als „Natural and Organic“ sowie „Eco Friendly“. Der Telfer Gemeinderat hat vorletzten Freitag die raumordnerischen Grundlagen für das Appartement-Hotelprojekt namens „4 Trees“ einstimmig beschlossen. In der Nähe des Hotels soll auch die Friedensglocke einen neuen Standort erhalten.

„Turmbau zu Mösern!“ Der Beschluss ist Markus Sint, dem Klubobmann der „Liste Fritz“, ein Dorn im Auge. In einer Aussendung hält er fest: „So funktioniert der Ausverkauf unserer Heimat in der Praxis. Das Megaprojekt in Telfs-Mösern ist ein Paradebeispiel für den Umgang mit Grund und Boden in Tirol. Ein Investor tritt auf, kauft 3.200 Quadratmeter Grund und Boden und verspricht ein Luxusresort zu errichten. Der Investor hat sich vorsorglich für noch einmal 3.200 Quadratmeter das Vorkaufsrecht gesichert. Die Gemeinde macht einen Deal für ihren Glockenstandort und nickt dafür das völlig überdimensionierte Luxusprojekt einstimmig ab. Dieses ‚4 Trees Resort‘ genannte Hotelprojekt schaut nicht nach vier Bäumen, sondern nach vier überdimensionierten Türmen aus. Bis zu 17 Meter hoch ragen die Türme dann in Mösern in den Himmel. Künftig wird Mösern nicht für die Friedensglocke bekannt sein, sondern für den ‚Turmbau zu Mösern‘. Es kann nicht die Zukunft des Tiroler Tourismus sein, solch ein Monstrum in die beschauliche Bergwelt zu klotzen!“  An Landeshauptmann Platter stellt Sint die Frage, wo sein neuer Weg für den Tiroler Tourismus ist? „Tirol hat längst genug Betten, aber alle suchen händeringend nach Personal. So ein Luxusresort kannibalisiert die anderen Vermieter und Touristiker in Seefeld und Umgebung, denn es wird Personal und Gäste von anderen Häusern absaugen. Geholfen ist dem einheimischen Tourismus damit nicht! Wir brauchen endlich Initiativen in Richtung eines nachhaltigen und zukunftsfähigen Tiroler Tourismus. Wir müssen endlich klare Kanten zeigen und Megaprojekte ablehnen, wenn sie über das Ziel hinausschießen und die regional gewachsenen Tourismusgrenzen offensichtlich sprengen!“, erklärt Markus Sint, der im Landtag auch Tourismussprecher der „Liste Fritz“ ist.
 
Keine Garantien. Sint holt noch weiter aus und bezeichnet die Zustimmung zum Projekt als grob fahrlässig. „Die Gesellschaft im Mehrheitseigentum deutscher Investoren hat im Kaufvertrag noch von einem Chaletdorf geredet, jetzt wird es ein Luxusresort. Mit bis zu 60 Betten in 150 und 225 Quadratmeter großen Suiten und Penthäusern, dazu eine Direktorenwohnung und acht Personalwohnungen. Mehr Wohnraum als die allermeisten Tiroler zur Verfügung haben! Vorerst haben die Investoren 3.200 Quadratmeter Fläche um zwei Millionen Euro gekauft, die nächste Erweiterungsfläche ist schon vertraglich reserviert, um 50.000 Euro!“ Laut Sint können weder Bürgermeister Christian Härting noch Vizebürgermeisterin und Vielleicht-Landesrätin Cornelia  Hagele  garantieren, dass die Investoren die Luxusappartements nicht verkaufen und dass keine illegalen Freizeitwohnsitze entstehen. „Es gibt zwar einen Raumordnungsvertrag zwischen Gemeinde und Investoren, aber wie immer wird den keiner kontrollieren. Der ist das Papier, auf dem er steht, nicht wert. Die Zeche für den fehlenden Weitblick im Umgang mit dem Verkauf von Grund und Boden in Tirol werden die Bürger zahlen müssen. Wohnen in Tirol bleibt sündteuer, der Ausverkauf der Heimat schreitet voran, das ist die bittere Realität in Tirol“, stellt der Liste Fritz-Klubobmann Markus Sint abschließend fest.

Lächerlich. „Der Vorstoß von Sint ist nur ein Säbelrasseln hinsichtlich der bevorstehenden Landtagswahl. Der Weitblick und die politische Haltung der ‚Liste Fritz‘ bezüglich tourismuswirtschaftlicher Weiterentwicklung zeigt erschreckende Engstirnigkeit. Deutsche Investoren dürften keinerlei Projekte mehr in unserem Land verwirklichen? So wären in der Vergangenheit touristische Leuchtturmprojekte wie das ‚Interalpen Hotel‘ in Telfs/Buchen und die beiden Industriestandorte Telfs und Lienz der deutschen Unternehmerfamilie Liebherr mit mehr als 2.500 Arbeitsplätzen nicht möglich gewesen. Um nur ein Beispiel zu nennen“, stellt sich der Telfer Bürgermeister Christian Härting hinter das Projekt, und er führt weiters an, dass es sich bei dem 3.245 Quadratmeter großen Areal um eine seit Jahrzehnten auf Tourismus beschränkt (Tb) gewidmete und genutzte Fläche handle. Die Bezeichnung „Megaprojekt“ bezeichnet Härting schlicht als lächerlich: „Der Projektbetreiber hat nach bereits zweimaliger Vorlage die Bettenanzahl gegenüber dem Erstentwurf um zwei Drittel (!) reduziert: Von 150 auf aktuell maximal 60 Betten in 15 Appartements. Die Marktgemeinde Telfs stand einer zusätzlichen Widmung immer ablehnend gegenüber. Ein raumordnerisches und ein touristisches Gutachten bescheinigen dem Projekt Marktkonformität innerhalb der vorwiegend touristischen Ausrichtung von Mösern. Laut Gutachten könne das Projekt dem aktuellen Verlust von touristischen Betten im Raum Seefeld positiv entgegenwirken!“ Der Bürgermeister betont zudem, dass fast jede Wohnanlage und jedes Hotelgebäude in Möseren höher ist als die vier Gebäudekörper des geplanten Appartement-Hotels. „In einem abgeschlossenen Raumordnungsvertrag zwischen der Marktgemeinde Telfs und der ‚Lion Hill Invest GmbH‘ ist grundbücherlich sichergestellt, dass die Appartement-Einheiten nicht parifiziert werden. Damit sind Freizeitwohnsitze und ein Abverkauf von vornherein ausgeschlossen“, lässt Härting dem Liste Fritz-Klubobmann ausrichten.
 
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