Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Telfs | Politik | 7. September 2020 | Beatrice Hackl und Gebi G. Schnöll

Paukenschläge bei Telfer Gemeinderatssitzung

Paukenschläge bei Telfer Gemeinderatssitzung<br />
VP-Gemeinderat Vinzenz Derflinger kehrte der Gemeindepolitik den Rücken. RS-Foto: Hackl
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VP-GR Derflinger warf das Handtuch - Rücktrittsforderungen an VP-Mandatarin Mader nach „Telfer Blut“-Antrag

Schluss, aus, vorbei: VP-Gemeinderat Vinzenz Derflinger sorgte vergangenen Donnerstag bei seinen Gemeinderatskollegen für Verwunderung: „Ich trete mit sofortiger Wirkung zurück. Ich kann und will das nicht mehr mitansehen. Für Leute, die gewisse Dinge mittragen, schäme ich mich“, ließ der Gemeindepolitiker wissen und verließ umgehend das Gebäude. Für einen Eklat sorgte auch VP-Gemeindevorständin Angelika Mader. Sie stellte unter dem Titel „Telfer Blut - Für Telfs heißt aus Telfs“ den Antrag, Gemeindewerke (GWT)-Geschäftsführer Dirk Jäger abzulösen. VP-Ortsparteiobmann Johann Ortner und VP-Landesgeschäftsführer Martin Malaun haben gleich danach Mader aufgerufen, die Telfer ÖVP-Ortsgruppe sofort zu verlassen.
Von Beatrice Hackl und Gebi G. Schnöll

Zuerst zu Vinzenz Derflinger: Er hat sich zehn Jahre lang in der Gemeindepolitik engagiert. Seit 2016 für die ÖVP und davor alleine, damals sei es noch lustiger gewesen. Jetzt hat er sein politisches Amt an den Nagel gehängt und will künftig lieber seine Pension genießen.Noch während der Sitzung kün-
digt Bürgermeister Christian Härting eine gebührende Verabschiedung für Derflinger an. Der Rücktritt habe ihn überrascht: „Derflinger ist aus privaten Gründen zurückgetreten und wirkte auf mich vielleicht auch etwas amtsmüde. Aber ich orte hier auch einen unterschwelligen Zusammenhang mit der Causa Mader.“ Wie die RUNDSCHAU berichtete, steht der Verdacht im Raum, dass Derflingers Fraktionskollegin Angelika Mader in ihrem Privathaus einen GemeindeWerke-Mitarbeiter „schwarz“ beschäftigt habe. Derflinger betont: „Der Umgang mit der Kollegin Mader stört mich nicht. Sie ist in der Lage sich selbst zur Wehr zu setzen. Mir geht es vielmehr um den Umgang mit den Mitarbeitern der Gemeindewerke. Das ist nicht in Ordnung und bereitet mir Magenschmerzen. Das sind meine Ex-Kollegen und Freunde, denn ich war lange Personalvertretungsobmann der Marktgemeinde und habe viel mit den Gemeindewerken zusammengearbeitet. Als ich mich heute mit meiner Frau besprochen habe, war für mich klar, dass ich mein Amt niederlege. Ich habe mir das alles anderes vorgestellt. Aber Politik ist nicht immer so ehrlich wie man meint. Ich hege keinen Groll, vielmehr ist es schade, da ich mit allen ein gutes Verhältnis habe. Vor allem mit Angelika Mader und Güven Tekcan habe ich keine Probleme, innerparteilich gibt es keine Unstimmigkeiten. Bei der Wahl haben wir selbst versagt, wir haben es nicht geschafft, drei Leute auf Schiene zu bringen. Was mich allerdings etwas stört ist, dass Bürgermeister Christian Härting alle in der Hand hat – innerhalb der eigenen Liste kommt nie Gegenwind auf, was aber nicht schaden würde.“ Vinzenz Derflinger nennt als einen Grund für seinen Rücktritt, dass er nicht mehr mit ansehen wolle, wie man mit seinen ‚ehemaligen Freunden und Kollegen‘ umgehe und spricht damit offenbar auf die GemeindeWerke Telfs an.

GWT-GF Jäger kontert. GWT-GF Dirk Jäger wehrt  Derflingers Vorwürfe ab: „Aus meiner Sicht als verantwortlicher Geschäftsführer ist das völlig anders. Denn als mir bekannt wurde, dass von einzelnen Mitarbeitern unserer Firma ohne offizielle Abrechnung wiederholt in falsch verstandener ‚Nachbarschaftshilfe‘ Installationsarbeiten durchgeführt worden sein sollen, musste ich entsprechend reagieren. Laut unserem Anwalt Peter Wallnöfer handelt es sich um großangelegten Arbeitszeitbetrug und Falschbeurkundung. Es ist derzeit ein schwebendes Verfahren – aber sollte von unabhängiger Seite festgestellt werden, dass diese Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, muss es personelle Konsequenzen geben. Auch wenn es sich um langgediente Mitarbeiter handelt und man mir dafür die Schuld in die Schuhe schiebt – die Zeiten haben sich geändert, und ich kann im Interesse der Inhabers Marktgemeinde und der Telfer Bevölkerung nicht anders handeln!“

„Telfer Blut“. Schwer unter Beschuss ist seit der Gemeinderatssitzung  VP-Fraktionschefin GV Angelika Mader. Sie brachte während der Sitzung unter dem Titel „Telfer Blut - Telfs heißt aus Telfs“ den Antrag ein, GWT-GF Dirk Jäger abzulösen und den Posten mit einem Telfer neu zu besetzen. Viele orten in der Formulierung die Nazi-Diktion „Blut und Boden“. Mader spricht von einem unbewussten Ausrutscher und entschuldigt sich dafür. An der von ihr geforderten Ablöse Jägers hält sie jedoch fest. ÖVP-Landesgeschäftsführer Martin Malaun und ÖVP-Ortsparteiobmann Johann Ortner fordern Mader nach dem „Telfer Blut“-Antrag unmissverständlich dazu auf, die Gemeinderatsfraktion zu verlassen. Maders Diktion sei inakzeptabel und klar zu verurteilen, heißt es in einer Aussendung. Mader habe endgültig eine Grenze überschritten. „Wer sich einer solchen Sprache bedient, dem fehlt entweder jede historische Sensibilität, oder aber er möchte bewusst provozieren. Beides ist inakzeptabel“, so Ortner.

 
Paukenschläge bei Telfer Gemeinderatssitzung<br />
VP-Gemeindevorständin Angelika Mader soll gehen. RS-Foto: Schnöll
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