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Telfs | Wirtschaft | 12. April 2021 | Gebi G. Schnöll

KSV 1870 erwartet für heuer keine Pleitewelle

KSV 1870 erwartet für heuer keine Pleitewelle<br />
In der Bauwirtschaft ist die Auftragslage gut, viele Menschen haben in dieser Branche einen sicheren Job. RS-Fotos: Schnöll
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Insolvenzverfahren Regionalleiter Klaus Schaller Kreditschutzverbandes von 1870“ (KSV)
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Regionalleiter Klaus Schaller: „Bei den Insolvenzverfahren wird erst ab 2022 ein deutlicher Anstieg erwartet!“

Tausende Unternehmer sind in Österreich durch die Corona-Pandemie in ihrer Existenz gefährdet, doch in den Büros des „Kreditschutzverbandes von 1870“ (KSV) in Innsbruck herrscht so etwas wie „tote Hose“. „Das wird in den nächsten Monaten nicht so bleiben“, prophezeit Klaus Schaller, der die KSV 1870-Region West leitet. Sowohl bei den Unternehmens- als auch bei den Privatinsolvenzen erwartet er ab der zweiten Jahreshälfte einen deutlichen Anstieg.
Von Gebi G. Schnöll

Seit mehr als einem Jahr lähmt Corona weltweit die Wirtschaft. Auch die Tiroler Unternehmen sind von der Pandemie schwer getroffen.  Finanziell stehen viele Unternehmen nur mehr auf sehr wackeligen Beinen, wann der Kollaps kommt, ist nur mehr eine Frage der Zeit. Noch herrscht in den Büros des KSV 1870 in Innsbruck ungewohnte Ruhe. „Es gibt derzeit, was die Unternehmens- und Privatinsolvenzen betrifft, nur wenig zu tun“, sagt KSV 1870-Regionalleiter Klaus Schaller. Die Ruhe vor dem Sturm? „Das gerade nicht, aber im Unternehmensbereich werden die Insolvenzverfahren merklich ansteigen, wenn die Bundes- und Landesförderungen sowie voraussichtlich mit Ende Juni die Stundungen von Sozialversicherungsabgaben und Steuern auslaufen. Unternehmen, die bereits vor der Pandemie schwach aufgestellt waren, schieben diesen Ballast vor sich her. Wenn laufende Beiträge kaum abgedeckt, Raten fast nicht bedient und für die Stundungen keine Rücklagen gebildet werden, führt das zu einer prekären Situation. Es hängt für die Unternehmer natürlich auch sehr viel davon ab, wie es mit der Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht und wie das Geschäft nach Ende der Pandemie anläuft“, erklärt Schaller.

Setzen auf Zeit. Der Insolvenzexperte betont auch, dass etliche finanziell schwach aufgestellte Betriebe wegen der Auswirkungen der Pandemie eigentlich schon so gut wie pleite sind und auf Zeit setzen. „Zusammen mit dem Zurückhalten der Insolvenzeröffnungsanträge durch öffentlich-rechtliche Gläubiger führt dieses Zuwarten der Unternehmen zu einem gänzlichen Ausbleiben der Marktbereinigung. Die österreichische Insolvenzordnung stellt – im europäischen Vergleich – ein sehr gut funktionierendes Sanierungswerkzeug dar. Ist ein gerichtliches Verfahren entsprechend professionell vorbereitet, können Betriebe binnen weniger Wochen eine Konsolidierung ihrer Finanzen unter Aufsicht des Insolvenzgerichtes erreichen“, weiß Klaus Schaller, und er erklärt weiters: „ Der Kreditschutzverband von 1870 empfiehlt Unternehmen, die - bereits heute absehbar - in Zukunft Schwierigkeiten bei der Rückführung der aufgelaufenen Verbindlichkeiten haben werden, aktiv eine Sanierung anzugehen. Ein weiteres Zuwarten der in der Verantwortung stehenden Personen vermindert die Erfolgsaussichten für eine beabsichtigte Sanierung des bedrohten Unternehmens!“

Sanierungsfreundliches Insolvenzrecht. „In der zweiten Jahreshälfte 2021 werden die Insolvenz- und Sanierungsanträge ansteigen, die große Lawine wird es allerdings nicht geben“. glaubt Klaus Schaller: „Eine deutliche Steigerung bei den Insolvenz- und Sanierungsverfahren wird 2022 erwartet. Und die Auswirkungen der Pandemie auf die Insolvenzstatistik werden noch einige Jahre spürbar sein. Es hängt viel vom Verhalten der Gläubiger ab. Zum Beispiel auch davon, ob die Gesundheitskassen und das Finanzamt sich in den Betrieben die Finanzsituation anschauen oder gleich auf den Knopf drücken. Die Unterstützungen und Stundungen sind richtig und wichtig, letzten Endes wird man aber nicht alle Betriebe retten können“, prophezeit der KSV 1870-Regionalleiter, und er rät Unternehmern, die sich in finanzieller Schräglage befinden, das Gespräch mit den Gläubigern zu suchen, um eventuell eine vernünftige Regelung zu treffen. „Mit konsolidierten Zahlen besteht oft die Möglichkeit neu durchzustarten. Das österreichische Insolvenzrecht ist sehr sanierungsfreundlich, bei einem Drittel aller Konkurs- und Sanierungsverfahren kann eine Entschuldung erzielt werden. Es dauert zehn bis zwölf Wochen, bis man mit einem konsolidierten Schuldenstand das Konkursgericht verlässt und danach wieder planen und auf die Entwicklung des Betriebes aufbauen kann!“

Geldreserven gehen zur Neige. In die Pleitewelle werden ungewollt auch manche vom Tourismus abhängige Betriebe eintauchen müssen. „Die Tourismusbranche hat in den vergangenen Jahren wirklich sehr gut gewirtschaftet und Eigenkapital erwirtschaftet. Irgendwann gehen die Reserven aber zur Neige. Die Hotelbetriebe in den Top-Destinationen werden vermutlich mit einem blauen Auge aus der Krise kommen, Gastronomiebetriebe in kleineren Orten werden an den Auswirkungen der Lockdowns gleich schwer zu kauen haben wie Zulieferbetriebe, Handel, Dienstleister, Eventveranstalter und Taxiunternehmen“, glaubt Schaller. Viel hänge in den nächsten Monaten davon ab, ob die innereuropäischen Grenzen bald wieder offen sind. „Ohne den reisenden Gast gibt es keine florierende Saison, wir sind von der Entwicklung in der EU abhängig. Weniger Gefahr sehe ich derzeit für die Bauwirtschaft, in dieser Sparte ist die Situation ziemlich stabil!“

Privatinsolvenzen. Was die Privatinsolvenzen betrifft, gab es heuer im ersten Quartal lediglich 69 eröffnete Verfahren mit einer Passiva von rund sieben Millionen Euro. In der zweiten Jahreshälfte werden es vermutlich weit mehr Privatinsolvenzverfahren sein, weil mit Ende Juni die Novelle des Insolvenzrechts in Kraft treten wird. Die Dauer im Abschöpfungsverfahren wird ab dort nämlich von derzeit fünf auf drei Jahre verkürzt. „Erst wenn die Schuldner in den Genuss der verbilligten Entschuldung kommen, werden sie den Gang zum Bezirksgericht antreten!“ 
 
KSV 1870 erwartet für heuer keine Pleitewelle<br />
KSV 1870 Regionalleiter Klaus Schaller erwartet keine Insolvenzlawine.
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