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Telfs | Wirtschaft | 11. Juli 2022 | Gebi G. Schnöll

Sechs Bürgermeister ziehen an einem Strang

Sechs Bürgermeister ziehen an einem Strang
Schauen dem Ausverkauf von Grund und Boden nicht länger zu: V.l. Bgm. Markus Haid (Birgitz), Bgm. Marco Untermarzoner und Vize-Bgm. Veronika Seidl-König (beide Natters), Bgm. Josef Singer (Götzens), Bgm. Thomas Suitner (Axams), Bgm. Hansjörg Peer (Mutters), Bgm. Anton Bucher (Grinzens) und Vize-Bgm. Walter Mair (Axams). RS-Foto: Schnöll
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In den Gemeinden Natters, Mutters, Götzens, Birgitz, Axams und Grinzens brechen für Wohnbauträger harte Zeiten an

Die Mittelgebirgsgemeinden Natters, Mutters, Götzens, Birgitz, Axams und Grinzens leiden unter der Geschäftstüchtigkeit gewerblicher Bauträger. Leistbares Wohnen ist durch horrende Preise längst nicht mehr möglich. Für einen Quadratmeter Wohnfläche werden bereits 10.000 Euro verlangt. Was für die einen ein gutes Geschäft ist, wirkt sich auf die Gemeindekassen negativ aus. Mit den Wohnbauten und dem Zuzug muss nämlich auch die Infrastruktur mitwachsen. Das kostet eine Stange Geld. Die Bürgermeister der sechs Gemeinden haben sich jetzt auf eine gemeinsame Raumordnungsrichtlinie geeinigt. Erster Schritt ist eine Bausperre.
Von Gebi G. Schnöll

Die Gemeinden im Speckgürtel von Innsbruck kämpfen nahezu alle mit denselben Problemen: Nämlich mit dem Verlust des Dorfcharakters, der Versiegelung von Freiflächen, kaum mehr ertragbarem Verkaufsaufkommen sowie mit einem nicht mehr finanzierbaren Wohnraum und einer Infrastruktur, die in den Gemeindeschatullen tiefe Löcher auftut. „Durch die hohe Lebensqualität, die am Mittelgebirge gegeben ist, sind Grundstücke und Häuser nicht nur für wirklich Wohnraumsuchende interessant, sondern vielmehr ein Produkt für Investoren. Dies führt zu einem exorbitanten Anstieg der Preise von bis zu 10.000 Euro pro Quadratmeter Wohnnutzfläche. Die Gründung einer Familie in einem Eigenheim, in Tirol eigentlich nach wie vor höchstes Ziel und größter Wert, wird dadurch unmöglich. Das ist in Wahrheit ein sozialpolitisches Desaster, das unsere Gesellschaft noch mehr als bisher aus der Balance bringen wird“, beschreibt der Götzner Bürgermeister und Planungsverbandsobmann Josef Singer die Situation.

72 Hektar Baulandreserve. Neuwidmungen von Bauland erfolgen im Mittelgebirge bereits jetzt schon nicht mehr. Das Problem sind Einfamilienhäuser, die immer öfter Ziel von Bauträgern werden, sowie insgesamt 72 Hektar bereits gewidmetes unverbautes Bauland, das es in den Planungsverbandsgemeinden gibt und jederzeit verbaut werden kann. Wenn diese Grundstücke am freien Markt landen, steigt die Einwohnerzahl im Mittelgebirge laut Prognosen noch einmal um über 10.000 an. „Wir dürfen diesen Ausverkauf nicht länger mitansehen. Die Zukunft unserer Dörfer hängt nicht mehr davon ab, was noch alles verbaut wird, sondern davon, was für die nächsten Generationen noch erhalten bleibt“, erläutert der Axamer Bürgermeister Thomas Suitner. „Ohne strengere Regelungen droht uns ein Infrastruktur-Kollaps, daher haben wir uns auf gemeinsame Raumordnungsrichtlinien geeinigt, die in allen sechs Gemeinden zur Anwendung kommen“, ergänzt der Axamer Vizebürgermeister Walter Mair.

Bebauungsplanpflicht.  Eine Bauplatzhöchstgröße von 500 Quadratmetern und eine maximale Nutzfläche von 150 Quadratmetern pro Grundstück sollen künftig größere Bauvorhaben vermeiden: „Alle Vorhaben, die darüber hinausgehen, brauchen einen Bebauungsplan und somit die Zustimmung der Gemeinde. Die Gemeinden werden jedes Projekt auf die Folgewirkung ihrer Infrastruktur abstimmen“, erklärt Anton Bucher, Bürgermeister der Gemeinde Grinzens. Damit erhöhen sich die Möglichkeiten, regulierend einzugreifen – nicht nur bei unbebauten Grundstücken sondern auch bei Neu-, Zu- und Umbauten bereits bebauter Flächen. „Durch die Anwendung der Vertragsraumordnung können wir bei Bauvorhaben einen Mindestanteil von leistbaren Wohnungen für die ortsansässige Bevölkerung, ein Vergaberecht durch die Gemeinde oder eine verpflichtende Hauptwohnsitzanmeldung ausverhandeln und somit sicherstellen, dass sich künftige Bauvorhaben stärker am Bedarf der heimischen Bevölkerung orientieren“, glaubt der Mutterer Bürgermeister Hansjörg Peer.

Bausperre. Zur Absicherung der zukünftigen Planungsmaßnahmen wird in den Gemeinden eine Bausperre erlassen. Das heißt, dass eine Bewilligung für Bauvorhaben, die mit den künftigen Planungszielen im örtlichen Raumordnungskonzept im Widerspruch steht, ab jetzt nicht mehr erteilt wird und die überarbeiteten Regelungen mit sofortiger Wirkung in Kraft treten. „Die Gemeinden des westlichen Mittelgebirges wollen in einem engen Schulterschluss die Entwicklung in ein ‚Hoch-Innsbruck‘ verhindern und dem spekulativen Wohnbau im Rahmen der Gemeindeautonomie gemeinsam entgegentreten“, umschreibt der Birgitzer Bürgermeister Markus Haid den Sinn des gemeinsamen Schulterschlusses. „Mit den neuen Regelungen möchten wir eine geordnete und finanzierbare Infrastrukturentwicklung auf allen Ebenen – von der Kinderbetreuung bis hin zur Altenpflege – sicherstellen und nicht weiter hinterher hecheln. Steuereinnahmen und Kaufkraft bleiben durch die von unseren Bürgern genutzten Arbeitsplätze und Dienstleistungen in der Landeshauptstadt. Wir sind nur mehr Wohn- und Schlafgemeinden, so kann es jedenfalls nicht weitergehen“, schließt der Natterer Dorfchef Marco Untermarzoner ab. 
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