Tempo 80 und Flüsterasphalt als erster Schritt

Die optische Fahrbahnverengung (orange markiert) am Zirlerberg wird bis Juli 2019 getestet. Erst dann soll der Straßenbelag durch sogenannten Flüsterasphalt getauscht werden. Tempo 80 kommt aber sicher noch heuer. Foto: Wolfgang Rives

LH-Stv. Ingrid Felipe stellt Temporeduktion in Aussicht –  IG Zirl fordert Taten statt Worte

Der Verkehrslärm ist und bleibt ein Dauerbrenner in der Marktgemeinde. Unter reger Beteiligung der Zirler Bevölkerung erläuterten Politik, Lärmexperten und Mediziner im Rahmen einer Podiumsdiskussion ihre Sicht der Dinge. Seitens des Landes wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung von derzeit 100 auf 80 km/h im Bereich der Nordumfahrung konkretisiert. Zudem wird nach Beendigung einer einjährigen Testphase über die Fixierung der optischen Fahrbahnverengung nachgedacht. Als weitere Maßnahme zur Lärmreduktion soll die Aufbringung eines lärmschluckenden Straßenbelages (Flüsterasphalt) Besserung für die geplagten Anrainer bringen.

Für mäßig Begeisterung im Publikum sorgten anfangs die klaren Ausführungen des Lärmexperten Christoph Lechner. Der beim Land Tirol für Lärmmessungen zuständige Experte zeigte auf, dass an Hand des herangezogenen L-DEN-Werts (Tag/Abend/Nacht-Lärmindex) nur 20 Gebäude entlang der Zirler Nordumfahrung einem Lärmpegel von über 60 Dezibel ausgesetzt sind. Das entspricht im Tirol-Vergleich nur etwa einem Promille aller Betroffenen Haushalte. Der Sozialmediziner Peter Lercher entgegnete mit ausführlichen Erklärungen und betrachtet das Zirler Problem im Gesamten: „Grundsätzlich nehmen Menschen Lärm unterschiedlich stark wahr. Es kommt darauf an, wie man die Belastung erlebt. In Zirl ist klar zu belegen, dass Lärm von allen Seiten einströmt. Wir haben ja nicht nur die Nordumfahrung als Lärmquelle, sondern auch die Autobahn und die Schiene im Süden sowie viel Verkehr durch den Ort hindurch. Darüber hinaus wird die Ausbreitung des Lärms zu den Hängen hin unterschätzt“, so der Lärmforscher.

ERSTER SCHRITT IST GETAN, WEITERE MÜSSEN DRINGEND FOLGEN. „Noch vor einem Jahr hieß es seitens des Landes Tirol, dass der 100er an der Nordumfahrung vertretbar sei. Jetzt wurde umgedacht. Hartnäckiges Nachfragen und viele Besuche im Landhaus haben nun zu einem ersten Erfolg geführt“, freut sich Zirls Bürgermeister Thomas Öfner über die Zusage seitens der LH-Stv. Ingrid Felipe zur fix zugesagten Geschwindigkeitsreduktion im Bereich der Nordumfahrung. Hier soll noch in diesem Jahr ab dem Bereich unterhalb des Weinhofs (bei km 0,8) bis Straßenkilometer 2,4 Tempo 80 statt bisher 100 gelten. „Auch eine Frontradaranlage wird installiert, um eine lückenlose Kontrolle zu gewährleisten“, so Felipe.

Ob der Sinnhaftigkeit einer Anlage dieser Art äußerte sich ein Anrainer im Rahmen der Diskussion. So kann bei den bereits installierten Frontradargeräten auf der A12 im Bereich Kematen bzw. Innsbruck West beobachtet werden, dass ein großer Teil der Verkehrsteilnehmer kurz vor dem Radarkasten abbremst, um nach dem Passieren des Blitzers sofort wieder aufs Gas zu steigen. Hier wäre die Anbringung einer Section Control (hierbei wird über eine definierte Wegstrecke die Durchschnittsgeschwindigkeit des Kraftfahrzeugs errechnet) sicherlich sinnvoller. Warum nicht gleich ein 60er eingeführt wird, wollte eine weitere Diskussionsteilnehmerin von Felipe wissen. Dadurch könnte man sich eine kostspielige Sanierung der Lärmschutzwände sparen. „Hier muss man tatsächlich auf die Gesamtinteressen blicken“, so Felipe. „Ich bin eine Grüne. Ich bin generell dafür Geschwindigkeit zu reduzieren, aber wie viele gehen da dann noch mit? Hier muss man das Große und Ganze abwägen. Der Anrainer würde den Verkehr naturgemäß gerne verlangsamen, der Verkehrsteilnehmer hingegen möchte schnell vorankommen.“, beschreibt die Landeshauptmannstellvertreterin das Spannungsfeld in dem sich die Politik befindet.

IG ZIRL UND TRANSITFORUM FORDERN TATEN STATT WORTE. Insgesamt viel zu langsam und zu wenig weit gehen die Maßnahmen für die Interessensgemeinschaft Zirl (IG Zirl) und Fritz Gurgiser (Obmann Transitforum Austria – Tirol). Iris Zangerl-Walser (Zirls Vizebürgermeisterin und Sprecherin der IG Zirl) erneuerte die Forderung nach einer unverzüglichen Sanierung des Lärmschutzes an der A12 und eine ebenso unverzügliche Sanierung des hoch lärmbelasteten Asphaltbelages auf der B177 nach dem Verursacherprinzip und fordert die Finanzierung der Maßnahmen durch die ASFINAG bzw. das Land Tirol. Ebenso fordert Zangerl-Walser die unverzügliche Beendigung der Lärmversuchsstrecke, da der Ist-Lärm-Zustand weit über den ohnedies zu hohen Lärmschwellenwerten liege und keine weiteren Verzögerungen aushält. Das Transitforum und die IG Zirl behalten sich vor, im Rahmen einer Bürgerversammlung auf der B177 auf die seit vier Jahren bekannten Lärm- und damit erstrangigen Gesundheitsprobleme hinzuweisen, sofern binnen acht Wochen keine schriftlichen Zusagen gemacht werden. „Geredet, geschrieben, versprochen und angekündigt wurde genug. Jetzt sind Taten zu setzen, denn der Lärm macht keine Pausen, seine Tonalität ist täglich an sieben Tagen in der Woche zu hören und zu spüren. Jetzt geht es darum, für die betroffenen 8.000 Zirler die Lebens- und Gesundheitsqualität an A12, B171 und B177 dauerhaft und nachhaltig zu gewährleisten“, so Zangerl-Walser und Fritz Gurgiser unisono.

Von Wolfgang Rives

Georg Mahnke (Mitte) moderierte die Podiumsdiskussion in Zirl. Unter anderem standen LHStvin. Ingrid Felipe (li.) und Bgm. Thomas Öfner (re.) Rede und Antwort. Foto: Wolfgang Rives

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