„Thank you, Stefan“

Stefan Häusl mit Gattin Geli und Tochter Jana. RS-Foto: Zangerl

Freerider Stefan Häusl gibt Karriereende bekannt

 

Der Strenger Stefan Häusl hat bei der Freeride World Tour am 9. März in Fieberbrunn – wie bereits im Vorfeld angekündigt – seine Karriere beendet. Mit der RUNDSCHAU spricht der 41-Jährige über sein Leben als „Sport-Pensionist“, zukünftige (Film-)Projekte und den Stellenwert des Freeride-Sports im Hause Häusl.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

Nach neun erfolgreichen Jahren auf der Tournee beendete der Strenger Stefan Häusl seine Freeride-Karriere. Für ihn schloss sich in Fiebebrunn ein Kreis, hatte der gebürtige Saalfeldner doch 2011 ebendort erstmals einen FWT-Contest gewonnen. „Der Abschied war sehr würdevoll“, beschreibt seine Frau, Geli Häusl, ebenfalls Freeriderin, die Eindrücke. Sie stand ihrem Mann ebenso wie die neunjährige Tochter Jana bei diesem Abschied zur Seite: „Man kann das nicht in Worte fassen – auch die Kommentatoren waren sehr emotional, anschließend haben mich Nachrichten aus der ganzen Welt erreicht. Auf der Leinwand ist die Aufschrift ‚Thank you Stefan for nine years FWT’ gestanden“, schildert Stefan Häusl sein Wettkampfkarriereende, betont jedoch: „Es ist nur ein Rücktritt aus dem Wettkampfsport, künftig möchte ich mich mehr der Familie und den Filmprojekten widmen.“ Und in beiden Lebensbereichen spielt das Freeriden eine wesentliche Rolle: „Aktuell bin ich in eine Doku-Serie involviert, die das Leben von Nadine Wallner aus Klösterle darstellt – ich begleite sie dabei bei schwierigen Touren. Im Film spielt auch unsere Tochter Jana mit, sie spielt sozusagen die kleine Nadine Wallner “, erzählt Stefan Häusl – die Servus-TV-Produktion soll im Herbst fertiggestellt sein, auf eine Festivalversion dürfen sich jedoch die Besucher des Filmfestes in St. Anton freuen.

 

„SO WOLLTE ICH NICHT AUFHÖREN.“ Ein Kreuzbandriss bei einem Freeride-Bewerb im Februar 2017 in Andorra ließ Stefan Häusl erstmals ein Karriereende in Betracht ziehen: „Ich habe damals beschlossen, dass ich meine Wettkampfkarriere nicht so, also mit einer Verletzung beenden kann – anschließend habe ich während des Sommers hart trainiert mit dem Ziel, wieder auf dem Ski zu stehen wie vorher“, schildert Häusl, Tochter Jana fügt schmunzelnd hinzu: „Eigentlich besser als vorher.“ Stefan Häusl lachend: „Ja, das stimmt, ein neuer Backflip ist dazu gekommen.“ Tochter Jana ist also eine absolute Insiderin und kennt sich aus im Freeride-Sport: „Ich habe mich entschlossen, dass es der richtige Zeitpunkt ist, aufzuhören – auch möchte ich meine Tochter Jana beim Ski fahren begleiten, bei der Freeride World Tour ist man zwei Monate nahezu nonstop unterwegs“, sagt Häusl. Jana, die bei Bezirkscuprennen u. a. vier Siege und einen zweiten Platz einfahren konnte, ist sich in puncto Zukunftspläne noch nicht ganz schlüssig: „Entweder ich möchte Freeriderin oder alpine Rennläuferin werden.“ Eines steht jedenfalls für die Neunjährige fest: „Es muss etwas mit dem Skisport zu tun haben.“

 

NACHWUCHSFÖRDERUNG ALS HERZENSANGELEGENHEIT. Große Zukunftspläne hegt Stefan Häusl jedenfalls, Langeweile wird auch künftig nicht aufkommen: „In Zukunft möchte ich noch weitere Filme machen – auch vorwiegend regional produzierte Filme des Arlbergs“, so Häusl. Eine weitere Herzensangelegenheit ist ihm die Nachwuchsförderung: „Der Skiclub Arlberg hat kürzlich eine eigene Freeride-Sparte ins Leben gerufen – ein vergleichbares Freeride-Trainingsangebot gibt es in Österreich nicht“, erzählt Häusl. Die Kinder und Jugendlichen werden dabei von August bis April zwei Mal wöchentlich trainiert und erhalten eine Contestbetreuung, neben Stefan Häusl fungieren Gattin Geli und Freund Björn Heregger als Trainer. „Es ist einfach ein cooles Projekt, hier möchte ich jedenfalls weitermachen – diese Nachwuchsarbeit gibt einem viel zurück“, freut sich Stefan Häusl und hebt besonders die „Dynamik und den Ehrgeiz“ der Nachwuchssportler hervor. „Es ist auch enorm, wie sich die Gruppe weiterentwickelt hat“, fügt Geli Häusl hinzu. Ca. die Hälfte der neunköpfigen Gruppe sind sogenannte „Contestfahrer.“

 

NEUN JAHRE FIXSTARTPLATZ. Stefan Häusl hatte neun Jahre einen Fixstartplatz bei der Freeride World Tour – und das ist nicht allzu einfach. Notwendig dafür ist eine Platzierung in den Top 12 der Freeride-Weltrangliste. Den gebürtigen Saalfeldner hat es erstmals vor über 20 Jahren an den Arlberg verschlagen, das Freeriden hat und hatte hier schon immer einen besonderen Stellenwert. Ein Freeride-Event am Arlberg „würde uns freuen, es wäre an der Zeit.“ Geli Hiesel, die mit Tochter Jana alle Bewerbe via Internet live anschaut, gesteht: „Jana und ich haben uns die Bewerbe immer angeschaut – oft um drei Uhr morgens.“ Umso schöner, dass die drei den letzten Bewerb gemeinsam erlebt haben: „Jeder hat Gänsehaut bekommen – ich wollte auch bei meinem letzten Rennen Vollgas geben, das habe ich immer gemacht“, schmunzelt Stefan Häusl abschließend.

Geli, Jana und Stefan Häusl beim Abschiedsbewerb in Fieberbrunn. Foto: Daniela Maier

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