„tirol-tour 2017“ des Tiroler Landesjugendorchesters

Dirigent Lui Chan und „seine” Musikerinnen und Musiker, an denen er viel Freude hat. RS-Foto: Chauvin

Standing Ovations im Lina-Tyll-Saal

Obwohl es das Landesjugendorchester (LJO) schon seit 2004 gibt und ein großer Teil der begabten jungen Musikerinnen und Musiker, die im Orchester aufgenommen werden, aus der Landesmusikschule Reutte kommt, gastierten sie am vergangenen Samstag zum erstem Mal in der LMS Außerfern.

Dr. Sonja Melzer, Leiterin der LMS Schwaz und Organisatorin der Konzerte, führte durch den Abend, da der Leiter der LMS Reutte wegen Krankheit nicht anwesend sein konnte.
Kurz zum LJO selbst: ausgewählte StreicherInnen zwischen 13 und 26 Jahren, sie kommen aus den Tiroler Musikschulen, dem Landeskonservatorium und dem Mozarteum, werden eingeladen, beim Projekt des Landes Tirol – Tiroler Musikschulwerk – mitzuwirken. Sie werden von professionellen österreichischen Orchestermusikern in intensiven Probenphasen für die jeweiligen Konzerte vorbereitet. Dabei wird immer mit wechselnden Gastdirigenten gearbeitet. In diesem Jahr stand das LJO unter der Stabführung von Lui Chan, der 1. Konzertmeister des Bruckner Orchesters Linz ist.
Mit einem ausgesprochen anspruchsvollen Programm stellte sich das LJO vor und der Abend begann mit „Aus Holbergs Zeit“ op. 40 von Edvard Grieg (1843-1907). Ein Meisterwerk für Streichorchester wird diese fünfsätzige Suite in G-Dur genannt. Ein herrlich lebhaft gespieltes Präludium, die langsame Sarabande, die bekannte, ins Ohr gehende Gavotte, Air, fein und gefühlvoll mit Crescendo zum Ende und der 5. Satz Rigaudon, in dem die Konzertmeisterin der Violine 1, Sophie Trobos, und die Stimmführerinnen der Violen, Magdalena Trobos und der Violoncelli, Isabella Haas, schöne Soloparts herausspielten. Lui Chan ließ den drei Solistinnen besonderen Applaus zukommen, indem er sie dem Publikum zeigte.
Das zweite große Werk vor der Pause war das Konzert für Trompete, Es-Dur, Hob VII3 Nr.1 von Joseph Haydn (1732-1809). Sicherlich eines der berühmtesten Trompetenkonzerte aller Zeiten. Hierfür konnte das LJO den 33-jährigen Trompeter Helmut Fuchs gewinnen, der seit der Spielzeit 2015/16 als Solo-Trompeter bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden engagiert ist. Allegro, Andante cantabile und das schnelle Finale stellen große Anforderungen an den Trompeter und natürlich auch das Orchester. Sichtlich begeistert war der charmante Solist vom LJO. „Es macht Riesenspaß, mit Euch zu musizieren“, meinte Fuchs, bevor er noch eine kleine Zugabe, Sergei Rachmaninoffs Vocalise Op.34 No.14 mit den Streichern spielte. Er wünschte ihnen, dass sie sich ihre wunderbare Energie bis ins hohe Alter bewahren mögen. Der zweite Teil des Abends stand ganz im Zeichen der Salonmusik mit Stücken von Johann Strauss Sohn (1825-1899), Leroy Anderson (1908-1975) und Franz Lehár (1870-1948). Hierbei dirigierte Chan nicht mehr mit dem Taktstock, sondern mit seiner Geige. Egal, ob beim feurigen „Jugendfeuer-Galopp”, beim schwer zu spielenden „Frühlingsstimmenwalzer”, beim „Blue Tango” oder der Polka „Wildfeuer” – es gab immer etwas zum Schmunzeln, denn der Dirigent als „Salongeiger“ hatte viele lustige Einfälle. Natürlich durfte das exakte, schöne Spiel aller dabei nicht zu kurz kommen. Auch „Plink, Plank, Plunk“ von Leroy Anderson war ein Stück, bei dem geschmunzelt werden durfte, denn die Geräusche, die beim Zupfen der Saiten und beim Streichen über den Instrumentenkorpus entstehen, wurden mit viel Freude und Enthusiasmus erzeugt.
Beim letzten Werk des Abends „Lied und Csárdás“ von Lehár war Lui Chan der Solist. Den überwältigenden Beifall des Kennerpublikums teilte Chan gerne mit seinen jungen Musikerkolleginnen und -kollegen, die diesen auch voll und ganz verdient hatten.

Von Claudia Chauvin

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