Tiroler SPÖ-Chef in schräger Optik

Hat Unterlassungsklage eingebracht: EU-Abgeordnete Barbara Thaler (ÖVP) (2.v.l.) RS-Foto: Matt

Dornauers auf Twitter veröffentlichte E-Mail lässt die Wogen hoch gehen

Der Sellrainer Bürgermeister und Landesparteivorsitzender der neuen SPÖ Tirol, Georg Dornauer, ist unter Beschuss geraten. Vergangenen Donnerstag veröffentlichte er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein „Skandal-E-Mail“, in welchem es inhaltlich um 47.345 Euro EU-Wahlkampfspenden für die damalige Tiroler ÖVP-Spitzenkandidatin Barbara Thaler geht.

Von Gebi G. Schnöll

In der vorliegenden E-Mail sind Spenden und damit verbundene Forderungen von Unternehmen und dem Tiroler Jägerverband an die damalige EU-Spitzenkandidatin Barbara Thaler aufgelistet. Adressanten sollen Landeshauptmann Günther Platter und ÖVP-Landesgeschäftsführer Martin Malaun gewesen sein. Vonseiten der Daten-Verarbeitung-Tirol (DVT), dem IT-Dienstleister des Landes Tirol, wurde allerdings nach professioneller Durchsicht der vorhandenen Daten (sogenannte „Logfiles“) sofort ausgeschlossen, dass diese E-Mail bei der E-Mail-Adresse von Landeshauptmann Günther Platter (buero.landeshauptmann@tirol.gv.at) eingegangen ist. Doch der SPÖ-Landesparteivorsitzende Georg Dornauer glaubt nicht an eine gefälschte E-Mail, die ihm per Post zugespielt wurde. „Es deutet einiges darauf hin, dass der Inhalt echt ist“, erklärt er. Eine enttäuschte ÖVP-Mitarbeiterin sei laut Dornauer die Absenderin des Schreibens.

Ist SPÖ-Chef Georg Dornauer ins „Fettnäpfchen getreten“? RS-Foto: Schnöll
Thaler: „E-Mail ist Eine plumpe fälschung!“

Die in der E-Mail angeführten Unternehmer bestreiten Spenden an Thaler und damit verbunden Forderungen, Landesjägermeister Anton Larcher spricht von einem „substanzlosen Unsinn“, rechtliche Schritte würden geprüft. Die EU-Abgeordnete Barbara Thaler erklärt in einer Aussendung: „Ich habe meinen Anwalt beauftragt Unterlassungsklage gegen Dornauer einzubringen. Seit 25. Juli verbreitet er über seinen Twitter-Account ein ihm angeblich anonym zugespieltes E-Mail. Bei diesem E-Mail handelt es sich um eine plumpe Fälschung. Dornauer verbreitet unwahre Behauptungen über meine Person. Ich werde mich gegen jene wehren, die mich versuchen zu diffamieren!“ In der ÖVP-Zentrale prüft man derzeit ebenfalls mögliche Klagen gegen SPÖ-Chef Georg Dornauer. WK-Präsident Christoph Walser bezeichnet in einer Aussendung Dornauers Vorgehensweise als verantwortungslos und unfair. Er fordert, dass sich der SPÖ Landesparteivorsitzende bei den betroffenen Unternehmen entschuldigt. „Es ist unglaublich verantwortungslos und unfair – man könnte auch sagen, einfach dumm – so etwas zu machen, ohne vorher die Fakten zu checken. Eigentlich ist es unverzeihlich, dass namhafte Tiroler Unternehmen unverschuldet durch die unbesonnene Vorgehensweise eines Politikers in der Öffentlichkeit ins schiefe Licht gerückt werden. Dennoch ist es das Mindeste, was ich im Namen der Tiroler Wirtschaft von Georg Dornauer erwarte, dass er sich persönlich bei allen zu Unrecht genannten entschuldigt. In Anbetracht dessen, dass sich Dornauer beinahe täglich für unbedachte Postings oder Tweets verantworten muss, könnte man meinen, dass er sich im Umgang mit den sozialen Medien an US-Präsident Trump orientiert. Sollte dem so sein, rate ich ihm, sich hier ein anderes Vorbild zu suchen.“ Bei der ÖVP fordert man Dornauers Rücktritt.

Dornauer: „Nur Eine Fragestellung“

Montagvormittag meldete sich Dornauer nochmals per Presseaussendung. Betreffend „möglicher Klagen“ gegen seine Person könne er erst Stellung nehmen, wenn diese vorliegen – aber: „Tatsache ist, dass ich niemandem, insbesondere nicht Barbara Thaler, rechtswidriges Verhalten vorgeworfen, sondern lediglich den Fakt veröffentlicht habe, dass mir das bekannte Schreiben anonym zugespielt wurde. In der Folge wurde von mir eine Fragestellung via Twitter formuliert.“ Eine Weiterleitung seinerseits an die Korruptionsstaatsanwaltschaft sei nicht mehr notwendig, da die Tiroler Neos bereits Anzeige bei der Polizei erstattet hätten. „Offensichtlich nehmen auch andere politische Parteien das Schreiben so ernst, dass es den Behörden übermittelt und Aufklärung gefordert  wird“, so der Tiroler SPÖ-Chef: „Ich habe Aufklärung gefordert und diese Aufklärung ist nun im Laufen.“