Tourismusbarometer in Obermieming präsentiert

Birgit Breyner („Deloitte Tirol“) und Andreas Kapferer („Deloitte Tirol“) präsentierten die aktuellen Ergebnisse vom Tourismusbarometer 2019. Weiterführende Informationen zum demografischen Wandel und den damit einhergehenden personellen Herausforderungen lieferten Katrin Hintermeier (Demografieberatung Wien) und Gerlinde Baumiller (Demografieberatung Tirol). RS-Foto: Hackl

Durchwachsene Wintersaison ließ die grundsätzlich positive Stimmung unter Tirols Touristikern etwas abflauen

Tirols Touristiker trafen sich im Hotel Schwarz in Obermieming: Im Rahmen des „Tiroler Praxisforums“ wurden in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen „Deloitte“ und der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) zum vierten Mal die Studienergebnisse des Tourismusbarometers vorgestellt. Darin enthalten sind Ergebnisse zur wirtschaftlichen Lage des Tourismus, dem regionalen Umfeld beziehungsweise regulatorischen Bedingungen, Geschäftsentwicklungen, Investitionen und dem Mitarbeiterstand. Experten der Demografieberatung lieferten zusätzlich ihren Fachinput rund um das Thema „Demografischer Wandel im Kontext der Arbeitswelt“ – wie beispielsweise Herausforderungen einer älter werdenden Belegschaft, Wissenstransfer, Nachfolgeplanung, Arbeitsgestaltung, Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen und vieles mehr.

Von Beatrice Hackl

Die Stimmung unter den Touristikern ist nicht euphorisch aber grundsätzlich positiv. So wird die wirtschaftliche Lage von fast drei Viertel der Befragten als sehr gut oder zumindest als gut beurteilt. Tirol erreicht einen Wert von 2,75, wodurch die Branche ihre Lage schlechter bewertet als im Vorjahr (2,34). Der Tourismus kämpft mit einem Wertschöpfungsproblem, denn hier lässt sich eine Stagnation beobachten. „Die aktuelle Kostensituation ist nach wie vor die größte Belastung für Betriebe. Zwar steigen die Umsätze, jedoch trifft selbiges auch auf die Kosten zu. Bürokratischer Aufwand und die Steuerlast drücken die Erträge ebenso wie die Personalkosten. Mit 24 Prozent sind die Ausgaben für Mitarbeiter eindeutig am stärksten gestiegen“, berichtet Andreas Kapferer, Partner bei „Deloitte Tirol“. „Die Ertragskraft im Tourismus ist nicht berauschend. Interessanterweise wird aber bei den Geschäftsentwicklungen der eigene Betrieb besser gesehen als das Umfeld“, wundert sich Kapferer. In 60 Prozent der Betriebe sind die Investitionen für 2019 planmäßig erfolgt, wobei 26 Prozent ihre ursprünglich geplanten Investitionen reduzierten. Hier müssten Kapferer zufolge dringend neue, externe Impulse gesetzt werden.

Eher Schwache Saison

„Die Wintersaison war in Tirol sehr durchwachsen: Mit wenig Schnee startete man in die Saison und hatte dann mit einem Übermaß zu kämpfen, was außergewöhnlich viele Stehtage nach sich zog“, verdeutlicht Kapferer. Dem Tourismusbarometer zufolge sind dennoch 67 Prozent der Tiroler Tourismusunternehmen mit der vergangenen Wintersaison zufrieden. Für 30 Prozent ist der Winter allerdings schlechter gelaufen als erwartet. Nach dieser schwierigen Saison blickt die Branche allerdings positiv in die Sommersaison. 68 Prozent der Betriebe erwarten sich sogar ein Umsatzwachstum.

Bekannte Probleme

Problematisch sehen die Touristiker die zu geringe Wertschöpfung. Deren Steigerung ist jedoch eine große Herausforderung. Steuerentlastungen sind laut Branche auch dringend notwendig. Vom chronischen Fachkräftemangel ganz zu schweigen. Der Arbeitsmarkt bleibt weiter angespannt. Derzeit sind drei Viertel der Betriebe händeringend auf der Suche nach Fachkräften – davon sind nicht nur Nächtigungsbetriebe betroffen. „Die fehlende politische Stabilität sorgt für neue Risiken und es besteht die Gefahr, dass dringend benötigte Impulse verzögert werden“, fürchtet Kapferer.

Zwölfstundentag – kaum ein Vorteil

Der demografische Wandel lässt sich auf geringere Geburtenraten, veränderte Altersstruktur, die Anhebung des Pensionsantrittsalters sowie restriktivere Regelungen beim Zugang zur vorzeitigen Pension zurückführen. Durch die Bevölkerungsentwicklung in Richtung Überalterung werde der steigende Bedarf an Köchen, Servicepersonal und Co. weiter verstärkt. Aktuell sind noch drei Viertel der Mitarbeiter unter 45 und der Wettbewerb um junge Fachkräfte steigt zunehmend. Die Älteren verlassen oftmals nicht nur den Betrieb, sondern nicht selten auch die Branche an sich. Auch der im Vorjahr eingeführte Zwölfstundentag habe kaum Erleichterung gebracht. „61 Prozent sehen dadurch keinen unmittelbaren Vorteil“, verdeutlicht Kapferer die Problematik. Das Ziel für die Zukunft wäre laut Katrin Hintermeier von der Demografieberatung ein Generationenmanagement, das altersgerechte Arbeitswelten erschafft. Dadurch ließen sich die Stärken der unterschiedlichen Generationen richtig nutzen. Hintermeier ist überzeugt, dass altersgemischte Teams über eine große Innovationskraft verfügen. Lebensphasenorientierte Mitarbeitergespräche (73 Prozent) und flexible Arbeitszeitmodelle (54 Prozent) sind jene Maßnahmen, die von Tourismusunternehmen bereits am häufigsten umgesetzt werden. Handlungsbedarf sieht die Expertin allerdings in der Schulung von Führungskräften: „Schlechte Führung ist nachweislich der Hauptgrund, warum Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen. Folglich macht es Sinn, in ein Coaching der Führungskräfte zu investieren.“

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.