Traditionelle Bergfeuer

Die Bergfeuer in der Tiroler Zugspitzarena sind weit über die Grenzen bekannt und UNESCO-Weltkulturerbe. RS-Fotos: Weber

Die RUNDSCHAU war mit den „Michaeli Stollen Feurern“ Biberwier unterwegs

Die Bergfeuer in der Zugspitzarena hätten schon in der letzten Woche den Talkessel erleuchten sollen. Aber: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“ Die Bergfeuer bezeichnen die Sommersonnenwende – den längsten Tag und die kürzeste Nacht.

Von Michaela Weber

Gegen 22 Uhr beginnen die umliegenden Berge in der Zugspitzarena zu leuchten. Bilder aus Mythologie, Religion und zu aktuellen Themen werden lange im Voraus geplant und das Gelände vermessen.
Die mit Sägespänen und Rapsöl gefüllten Säckchen werden hundertfach ausgelegt. Die Bergfeurer wagen sich in steiles Gelände und brennen auf bis zu 2.000 Metern Höhe in Ehrwald, Lermoos und Biberwier die ausgelegten Muster ab.

Weltkulturerbe.

Seit 2010 zählen die Sonnwendfeuer in der Tiroler Zugspitz-Arena zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe.

Geschichte.
Das ist der Moment! Nach viel schweißtreibender Arbeit werden Säckchen angezündet und die Feuerbilder nehmen Gestalt an.

Der Ursprung der Bergfeuer führt auf einen alten Brauch zurück: seit dem 14. Jahrhundert werden in dieser Nacht Feuer angezündet, um böse Dämonen und Geister zu vertreiben.
Die Bergfeurer der Zugspitz-Arena verbinden auch noch einen anderen geschichtlichen Hintergrund mit den Bergfeuern. Die Tradition entstand im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Bauernkämpfe gegen Napoleon I. Die Tiroler suchten damals göttlichen Beistand im Freiheitskampf. Sie gelobten beim „Heiligsten Herzen Jesu“, jährlich ein Fest zu feiern, sollten sie siegen. Dies wurde zwar keine Realität, doch so wurden die Sonnwendfeuer ins Leben gerufen.
Die „Michaeli Stollen Feurer“ haben mit der Planung schon vor Monaten begonnen. Die zehnköpfige Gruppe wurde vor sieben Jahren gegründet. Ihren Namen haben sie dem Feuerplatz angelehnt. Das Steinfeld liegt vor dem geschichtsträchtigen Stollen in Biberwier. Heuer hat sich der Verein dazu entschieden, erstmals kein kirchliches Motiv zu entzünden. Die Symbole und Zeichen müssen verzerrt nachgebildet werden. Das Gelände ist ständig in Veränderung. „Nach jedem Gewitter sieht der Platz anders aus, da muss man manchmal nachbessern“, erklärt Benjamin Plattner. Für das Motiv befüllten die Bergfuirer heuer 820 Säckchen. Ausgelegt nahmen die befüllten Säckchen einen Platz von 211 Metern in der Länge und 67 Metern in der Breite ein.

Wetterbericht.

Mit Spannung fieberten die Bergfeurer dem ausschlaggebenden Telefonat (am 22. Juni) mit einem Meteorologen entgegen. „Natürlich ist man ein bisschen enttäuscht, wenn die Feuer verschoben werden müssen. Letztendlich geht es aber um die Sicherheit. Vor Jahren hat uns ein Gewitter überrascht und der Blitz ist 150 Meter neben uns eingeschlagen. Das ist alles andere als lustig“, so Plattner.

Nach genauer Planung und schweißtreibender Arbeit erstrahlte der Kristall in der Tiroler Zuspitzarena.

Vierzehn Tage vor „Sunnwend“ wurden die Säckchen befüllt und von den Männer zum Feuerplatz getragen. Einige Kilometer traten sich die Burschen hierbei in die Beine. Am Nachmittag wurden die Zündbeutel dann an Ort und Stelle gebracht. Erst als alles gepasst hat, wurde gegrillt und auf die Bergfeuer angestoßen. In der herannahenden Dunkelheit machten sich die Michaeli Stollen Feurer bereit zum Anzünden. Der Grillplatz wurde aufgeräumt und die Rucksäcke geschultert. Die Gruppe machte sich auf den Weg zum Feuerplatz. Um 21.59 Uhr entzündeten die Bergfeurer ihre bengalischen Feuerfackeln. Eine eigenartige, fast andächtige Stille breitete sich aus, bis zum Entzünden des obersten Säckchens – um Punkt zehn Uhr. Der Bergkristall nahm langsam Gestalt an.
Zum Feiern kamen die Bergfeurer ins Tal. Natürlich suchte die Gruppe erst den Platz, von dem aus eingerichtet worden war, zur genauen Begutachtung auf. Etwa eineinhalb Stunden konnte man die Flammensymbole sehen. Der Enthusiasmus über das gute Wetter und das gelungene Feuerbild war den Biberwierern anzusehen.

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