„Träume verkauft man nicht“

Der erste Teil des Donnerstagabends stand im Zeichen des Gedenkens an die -beiden verunglückten Kletterer David Lama und Hansjörg Auer. RS-Foto: Zangerl

25 Jahre Filmfest St. Anton

Das Filmfest St. Anton feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Waren es 1995 noch Zelluloidfilme, auf Rollen abgespult, sind es nun längst digitale Files. Damals ahnte noch niemand, wie sehr sich das Filmfest im Verlauf der digitalen Revolution verändern und vor allem etablieren würde. Eng mit dem Filmfest verbunden und bereits persönlich zu Gast waren in der Vergangenheit auch der Ötztaler Hansjörg Auer und der Innsbrucker David Lama, die auf tragische Weise im April dieses Jahres in Kanada durch ein Lawinenunglück ums Leben gekommen sind. Zum Gedenken wurde am Donnerstag ein jeweils sehr früher Film der beiden Ausnahmesportler gezeigt – enge Bezugspersonen waren Bühnengäste.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

Heinrich Wagner, der frühere St. Antoner Tourismusdirektor, gilt als Gründer des Filmfestes, das sich im Laufe von einem Vierteljahrhundert weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht und sich längst zum spätsommerlichen Szenentreff der Berg-, Kletter-, Extrem- oder Wintersportszene etabliert hat. Besonders am Filmfest, das den Untertitel „Berge, Menschen, Abenteuer“ trägt, ist Jahr für Jahr die Vielzahl an Premieren, die gezeigt werden – auch sind nahezu bei jedem Film Bühnengäste live zu Gast. „In diesem Jahr sind über die Hälfte der gezeigten Filme wieder Premieren“, erklärt Filmfestleiter Manfred Pascher gegenüber der RUNDSCHAU. Gestartet hat das Filmfest am 28. August mit einem Blick zurück zum Anfang. Zudem wurde ein Film über die Meranerin „Angelika Rainer – Königin in Fels und Eis“ gezeigt, auch über den Snowboarder Elias Elhardt oder die Freerideweltmeisterin Nadine Wallner (allerdings handelnd von Kletterabenteuern). „Der Weg ist das Ziel“ mit dem Südtiroler Daniel Jung, einem der besten Trailrunner der Welt, war ebenso am Eröffnungsabend zu sehen.

 

„Man muss für jeden Tag dankbar sein.“ Die erste Hälfte des Donnerstags wurde dem Gedenken an die früheren Bühnengäste David Lama und Hansjörg Auer gewidmet, die am 16. April dieses Jahres bei einem tragischen Berg-unglück im Banff Nationalpark in Kanada ums Leben gekommen sind. David Lama galt als Wunderkind des Kletterns – in sehr emotionaler Weise kommt das im Film „Generation L – David Lama“ herüber, ein Film über eine außergewöhnliche Klettergruppe von Reinhold Scherer mit David im Mittelpunkt, der damals im Übergang zum Jugendalter war und schon dort genau wusste, was er will. Der Ötztaler Hansjörg Auer hatte sich in der Vergangenheit entschieden, die Premieren seiner Filme beim St. Antoner Filmfest zu zeigen. Umso emotionaler nun der Film „Träume verkauft man nicht – Hansjörg Auer“, ein mit Herzblut gemachtes Filmporträt über den verstorbenen Ausnahmesportler. Und so sagt er im Film: „Man muss für jeden Tag dankbar sein, wenn man gesund in der Früh aus den Federn steigt.“ Nach beiden Filmen sprachen enge Bezugspersonen der verunglückten Ausnahmesportler in sehr berührender Weise auf der Bühne – ein Freund und der frühere Trainer von David Lama (Reinhold Scherer) sowie der Bruder von Hansjörg Auer.

 

Abseilen vom Zeppelin. Der Kurzfilm „Full Moon“ wurde ebenso am Donnerstag gezeigt, wie auch „Trough Darkness“, ein Film über Snowboarder, die in der Polarnacht unterwegs waren, oder ein Film über den Schweizer Spitzensportler Ueli Kestenholz. Am Freitag stand noch eine Produktion über den deutschen Ausnahmealpinisten Michi Wohlleben auf dem Programm, auch über einen Ausnahme-Kajakfahrer aus Deutschland (Adrian Mattern) oder ein Film über die beiden Skiabenteurer Matthias „Hauni“ Haunholder und Bernd Krainbucher. „Zeppelin-Skiing“ war ein Film, in dem zwei Sportler sich von einem Zeppelin mit Skiern auf einen Berggipfel abseilen ließen. Auch zu sehen war am Freitag ein Film des Klettertalents Jacopo Larcher sowie ein Freeride-Film. Spannend wurde es am Abschlusstag: Der Strenger Stefan Häusl erklärte nach sieben intensiven Jahren im Wettkampfzirkus der Freeride-World Tour am Ende des Winters 2018 seinen Rücktritt (die RUNDSCHAU hat berichtet). Gemeinsam mit Lorraine Huber wird ein am Arlberg gedrehter Film von Hanno Mackowitz beim Filmfest gezeigt. Drei weitere spektakuläre Produktionen wurden am Samstagabend noch vorgeführt – „Allein“, „Mbuzi Dume – Strong Goat“ und „Contraddiction“. Das Filmfest wurde von einer Ausstellung der Australierin Jessie Pitt im Foyer des Arlberg-well.com bereichert. Ihre Kunst ist eine Anregung, Rücksicht auf die natürlich entwickelten und vom Menschen nicht beeinflussten Lebensräume zu nehmen. Mit dieser Ausstellung sollte ein Bewusstsein für das Schützende und zu Bewahrende geschaffen werden.

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