Trauer um Hans Weinhart

Ein erfülltes Künstlerleben ist zu Ende gegangen – der große Bildhauer Johann Weinhart (hier bei seinem letzten großen Pressegespräch mit der RUNDSCHAU) ist gestorben. RS-Fotos: Gerrmann

Sein Leben war der Kunst und den Menschen gewidmet

Ein großartiger Künstler und wundervoller Mensch hat seinen Lebenskreis vollendet: Johann („Hans“) Weinhart ist am Tag nach seinem 94. Geburtstag gestorben. Viele sind nun sehr traurig. Denn mit dem Biberwierer Professor ist ein Mensch gegangen, der einen zutiefst berührte – und zwar nicht nur durch seine Kunst, sondern auch durch seine Worte. Und seine Liebe zu den Menschen.

Von Jürgen Gerrmann

Der große Bildhauer Johann Weinhart mit seinem Lebensmotiv – dem Christus, der die Welt vor dem Absturz bewahrt.

Sein Leben war geprägt von der Sehnsucht nach Gott. Aber bei ihm blieb es nicht beim Suchen. Wenn man das Glück hatte, sich intensiv mit ihm zu unterhalten, dann spürte man auch: Er hat seinen Schöpfer nicht nur gesucht, sich nicht nur nach ihm gesehnt, sondern ihn auch gefunden. Er war mit ihm fast sein ganzes Leben lang unterwegs.

Konkret: Seit dem Moment, als er mit 17 Jahren mitten hinein in die Schrecken des Krieges hineingeworfen wurde, in Gefangenschaft geriet, sich in einer eiskalten Fabrikhalle in der Ukraine nur mit einem kurzen Hemdle dem Tode nahe wähnte und er nur noch weinen, beten und innerlich schreien konnte: „Herrgott, hilf mir! Lass mich nicht fallen!“

Und in diesem Grauen wurde praktisch das Motiv seines Lebens geboren: Der Christus, der Retter, der nicht in fernen Sphären thront, sondern sich zu ihm und allen Menschen herunterbeugt, ihm und ihnen „nahe kommt“, „nahe sein“ will, ihm und ihnen die Hand entgegenreckt. 

Diese Botschaft (nein: diesen Glauben, dieses Wissen, dieses Überzeugtsein) hat er immer wieder variiert – von der eher kleinen Skulptur im Bildstock am Barbarasteig zur Sunnalm bis hin zu der großen Plastik an seinem Wohnhaus (und ähnlich im Sitzungszimmer der Reuttener Bezirkshauptmannschaft), wo Christus die Welt mit seiner Rechten, mit letzter Kraft, vor dem Absturz bewahrt.

Hans Weinhart zählte zu den (leider) wenigen, die aus dem Krieg gelernt haben, und die Konsequenzen daraus gezogen haben. Seine in seinem Schreien zu Gott wurzelnde Botschaft war nicht von der lauten, sondern der leisen Art und spiegelte sich in seinem absoluten Ja zum Liebesgebot Christi wider. „Der größte Motor ist die Liebe“, sagte er vor einem guten Jahr in seinem wohl letzten großen Gespräch mit einer Zeitung, das die RUNDSCHAU mit ihm führen konnte.

Und das hat er nicht nur gesagt. Sondern gelebt. Mit jedem seiner Skulpturen. Und mit jeder Faser seines Herzens. Auch wenn er jetzt gehen musste: Er hat Bleibendes geschaffen. Dank der leisen Kraft der Liebe, von der all seine Werke noch lange erzählen werden. Weil sie deren Kern ist.

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