„Umfahrung Leithen“ in der Planungsphase

DI Dr. Christian Molzer von der Landesabteilung Verkehr mit einem Mitarbeiter und den Vertretern der Fa. Planoptimo beim Ortsteilgespräch.  Foto: Rangger

Nach konstruktivem Ortsteilgespräch stimmte der Reither Gemeinderat einstimmig für die kurze Südvariante

Seit mehr als einem Jahr prüft das Land Tirol Umfahrungsvarianten rund um den Reither Ortsteil Leithen, durch den täglich bis zu 24.000 Autos rollen. Vier Varianten (eine entlang der Karwendelbahn, eine kurze im Süden von Leithen und zwei Langvarianten ab der Linserkurve) wurden nach unterschiedlichsten Kriterien auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Das klar beste Ergebnis erreichte die kurze Südvariante, die nach Vorstellung bei einem Ortsteilgespräch vergangenen Mittwoch vom Reither Gemeinderat einstimmig für die Planungsphase empfohlen wurde. Bürgermeister Dominik Hiltpolt hofft auf eine Umsetzung im Laufe von ca. zehn Jahren.

Auf Grund des hohen Verkehrsaufkommens hat es die Umfahrung Leithen sogar ins schwarz-grüne Tiroler Regierungsübereinkommen geschafft. Nahezu alle Bewohner des Ortsteils unterzeichneten die Online-Petition „Umfahrung muss her, Leithen erstickt im Verkehr!“.Die Reither „Planoptimo“ von Helmut Köll führte im Auftrag der Landersregierung eine Variantenstudie durch, deren Ziel es war, verschiedene Trassen zu finden, wo eine Umfahrung des Ortsteils umsetzbar wäre. „Vier ausgewählte Korridore wurden geprüft, welche Auswirkungen sie auf Verkehr, Mensch, Raum und Umwelt hätten“, so DI Martin Kapeller-Pavlu von „Planoptimo“ beim Ortsteilgespräch. „Drei Varianten stellten sich dabei als schwer umsetzbar heraus. Bei der kleinen Variante entlang der Karwendelbahn müsste man durch das Naturschutzgebiet. Die kürzere Variante von der Linserkurve zum Meilerhof ist zu steil und geologisch schwer zu realisieren, die lange Variante zur Einfahrt Auland ist die teuerste, durchquert Schutzwald und Quellgebiete der Gemeinden Zirl und Pettnau und wäre bis in den Bezirk Imst hinein optisch sichtbar.“

GESCHLOSSENHEIT. DI Christian Molzer, Vorstand der Landesabteilung Verkehr, ergänzte: „Diese Variante widerspricht auch den derzeitigen politischen Interessen des Landes, da man die Leistungsfähigkeit der Zirlerbergstraße auf keinen Fall erhöhen möchte. Gegen eine lange Variante spricht auch die Finanzierbarkeit, denn nur die kurzen Varianten wären aus den laufenden Straßenbudgets heraus zu finanzieren und daher im optimalen Fall in fünf Jahren umsetzbar!“ DI Markus Pichler (Planoptimo) stellte schließlich jene Variante genauer vor, die man am ehesten umsetzen könnte: „Diese  führt von der Wiese beim Busumkehrplatz am Ende des Zirlerberges durch den Bogenschießplatz, um einen kleinen Hügel südlich von Leithen zur sogenannten Koatlacke und wird dann kurz vor dem Meilerhof wieder in die bestehende Zirlerbergstraße eingebunden. Vorteile dieser Variante sind, dass nur wenig Kulturgrund in Anspruch genommen werden muss. Sie ist zwischen 210 und 500 Meter vom bewohnten Gebiet entfernt und weist ein Gefälle von maximal 12 Prozent auf. Mit nur zwei Kilometern Länge ist sie relativ leicht und rasch umzusetzen!“ Bürger von Leithen wandten ein, dass durch die kurze Variante zwar die innerörtliche Belastung geringer würde, diese aber ein schönes Naherholungsgebiet durchschneidet, eine gewisse Feinstaubblastung erhalten bliebe und das Problem Zirlerberg damit keineswegs gelöst werde. Der ehemalige LH-Stv. Ernst Fili, der in Leithen wohnt, rief zur Vernunft auf: „Die Politik wird dort Geld investieren, wo sich die Leute einig sind. Die kleine Südvariante ist am einfachsten zu realisieren und wir sollten für diese Variante stimmen!“

BEDENKEN. Ein Bürger hatte eine eigene Planvariante mitgebracht: Sie sah eine 1,1 Kilometer lange Untertunnelung des Weilers vor. DI Molzer: „Wir haben auch diese Möglichkeit geprüft und sie wieder verworfen, da man für den Tunnel einen Lüftungsschacht und eine Feuerwehrzufahrt bräuchte. Diese kämen dann direkt in den Leithener Wiesen heraus. Außerdem sprechen die Kosten dagegen!“ Wirt Peter Scholl vom Gasthof Hirschen war eher gegen diese Variante: „Mein Gastronomiebetrieb lebt zu 50 Prozent von der Straße. Doch da wäre der Verlust noch zu verkraften, da das Gasthaus in einem ruhigen Ort auch eine Aufwertung erfahren würde. Als Landwirt, dessen Felder durch diese Variante aber am meisten beeinträchtigt werden, kann ich als Hauptbetroffener einem Straßenbau aber auf keinen Fall zustimmen. Wenn man diese Variante wählt, müsste man zumindest eine Unterflurtrasse andenken.“ Sein Vater Rudi meinte: „Die einzige wirkliche Lösung für das Zirlerbergproblem wäre, die Straße bis kurz vor Eigenhofen zu führen und sie dann durch den Berg hinter Seefeld zu führen. 

EINSTIMMIG. Nachdem alle Seiten klarstellten, dass es sich vorerst nur um einen Strich in der Landschaft und keineswegs um ein einreichfähiges Straßenprojekt handelt und die berechtigten Bürgerinteressen durchaus noch im Planungsprozess einfließen könnten, konnten die Gemeinderäte doch eine positive Grundstimmung aus der Ortsteilversammlung mitnehmen. Sie sprachen sich bei der jüngsten Gemeinderatssitzung einstimmig für die kurze Südvariante aus und beauftragten das Land mit den weiteren Planungsmaßnahmen. Bürgermeister Hiltpolt: „Ich möchte die Erwartungen, was den Umsetzungszeitraum betrifft, nicht zu rasch ansetzen!“ Vize-Bgm. Friedl Berger ergänzte: „Wir sollten keinesfalls den Zeitdruck erhöhen, sondern vor allem berechtigte Anrainerinteressen in die Planung einfließen lassen!“

Von Bernhard Rangger

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