„Und hier kommt die Bergstation hin!“

Ein bahnbrechendes, waghalsiges Vorhaben hat vor 60 Jahren die Erfolgsgeschichte des beliebtesten Wintersportgebietes im Talkessel von Reutte eingeleitet. Foto: Chronik Reuttener Seilbahnen

Wie mit einem Regenschirm am Reuttener Hahnenkamm alles begann

Der Hahnenkamm in Höfen bei Reutte ist heute der bekannteste Wintersportplatz der Ferienregion Reutte. Doch, wer weiß, wie das Skigelände rund um die Höfener Alm ohne die Pioniertaten Ende der 1950er Jahre heute aussehen würde. Was mit einem Regenschirm als Peillatte begann, bietet heute Skivergnügen auf 16 Pistenkilometern in einer Höhe von 900 bis 1900 Metern.

Aus der Firmenchronik der Reut-tener Seilbahnen ist zu erfahren, dass es bereits nach Kriegsende 1945 Vorbereitungen zur Errichtung einer Gondelbahn auf den Hahnenkamm in Höfen gegeben hat. Die Zeiten waren schwierig und so dauerte es noch zehn Jahre, bis diese waghalsige Idee weiterverfolgt und schlussendliche umgesetzt werden konnte.

Geburtsstunde 1955. In einer Vollversammlung am 17. Juni 1955 veranlassten die Verkehrsvereine Reutte und Lechaschau die Bildung eines Gründungsausschusses, unter der Leitung von Notariatsanwärter Dr. Ernst Wolf.
Bei einer Streckenbegehung am 13. Juli 1955 kam nun besagter Regenschirm des Tischlermeisters Luis Hofer zum Einsatz. Der Regenschirm diente dem Streckenbegehungsteam um Seilbahnfachmann  DI Peyrl, Dr. Wolf, Architekt Jahoda, Hotelier Max Kerber und Tischlermeister Luis Hofer als Peillatte und markierte den Standpunkt oberhalb der Höfener Alm, an dem die Bergstation der Kabinenbahn errichtet wurde.

Gründung einer Aktiengesellschaft. Der Industrielle und Gründer des Metallwerks Plansee, Dr. Paul Schwarzkopf und sein Freund Enzio Foradori stellten das Grundkapital zur Verfügung und konnten 252 Aktionäre gewinnen, die sich mit einer Summe von 5,2 Millionen Schilling (= 0,38 Millionen Euro) am Projekt beteiligten. Die erste Gesellschafterversammlung der „Reuttener Bergbahn Aktiengesellschaft“ fand am 25. Mai 1956 im Hotel „Tirolerhof” in Reutte statt.

Kurze Bauzeit in drei Schichten. Bereits Ende Juli 1956 konnte dann unter Baumeis-ter Werner Storf im Drei-Schicht-Betrieb mit dem Bau begonnen werden. In weniger als zwölf Monaten waren die Zubringerstraße, Berg- und Talstation, Stromerschließung und die geamte technische Montage fertiggestellt. So konnte Ende Juni bereits der Probebetrieb aufgenommen werden.

60. Geburtstag. Am 28. Juli jährt sich heuer zum 60. Mal die feierliche Inbetriebnahme der Reuttener Bergbahn.
Die Bewirtung der Festgäste und des Publikums bei der Einweihung erfolgte durch Max Kerber in einer provisorischen Berghütte oberhalb der Bergstation.
In den vergangenen 60 Jahren hat sich viel getan am Hahnenkamm. Aus der einfachen Kabinenbahn der späten 50er Jahre ist eine moderne Achter-Einseilumlaufbahn geworden. Zusätzlich wird  das Skigebiet durch einen Höhenschlepplift und einen Vierer-Sessellift erschlossen.  Sommer wie Winter ist der Hahnenkamm heute auch ein beliebter Startplatz für Paragleiter.
Auch die Gastronomie hat sich weiterentwickelt und erfüllt die Ansprüche der Gäste in allen Jahreszeiten. Zu einer gelungenen Wanderung gehört eine Einkehr in einer Alm oder Hütte definitiv dazu.
Die Erstbegehung samt zweckentfremdeten Regenschirm vor 60 Jahren hat sich gelohnt. Wir Außerferner sind stolz auf unseren Hahnenkamm, mit dem fast jeder von uns einige Erinnerungen verbindet.