Unterschriftenaktion wegen junger Asylwerber

21 asylwerbende Jugendliche sollen in der ehemaligen "Heinrich-Jakoby-Schule" rund um die Uhr betreut werden. Nicht alle MarktgemeindebürgerInnen können sich damit abfinden. RS-Foto: Schnöll

21 junge Asylwerber sollen in ehemalige „Heinrich-Jakoby-Schule Telfs“ einziehen – keine Asylunterkünfte bei Pettnau

21 asylwerbende Jugendliche sollen in der ehemaligen „Heinrich-Jakoby-Schule“ in der Telfer Bahnhofsstraße untergebracht und dort an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr betreut werden. Nicht alle MarktgemeindebürgerInnen sind damit einverstanden – und auch fünf Oppositionsfraktionen haben nun Widerstand angekündigt und eine Unterschriftenaktion gestartet. Bürgermeister Christian Härting glaubt, dass mit der Aktion „politisches Kleingeld gemünzt werden soll“. Der RUNDSCHAU wurde inzwischen auch bekannt, dass die Pläne für Asylquartiere am Hinterberg in Telfs und neben der A12-Autobahnraststätte „Rosenberger“ bei Pettnau vom Tisch sind.

Die Begeisterung der Gemeindeführung über die Pläne der „ibis acam Bildungs GmbH“, im Gebäude der ehemaligen „Heinrich-Jacoby-Schule“ in der Telfer Bahnhofsstraße eine Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge zu errichten, scheint von der Telfer Bevölkerung nicht vorbehaltlos mitgetragen zu werden. Die Gemeinderatsfraktionen „Telfs Neu“, FPÖ, ÖVP, SPÖ und die Bürgerliste Klieber wollen mit der Unterschriftenaktion parteiübergreifend den Widerstand der besorgten BürgerInnen und UnternehmerInnen bündeln und den Verantwortlichen zur Kenntnis zu bringen. Die Initiatoren halten diesbezüglich aber fest, dass es ihnen nicht darum geht, Flüchtlinge komplett abzulehnen, vielmehr ginge es um zwei Punkte, die dieses Asylprojekt problematisch erscheinen ließen. „Einer davon ist der Standort. Die Gemeinde bemüht sich seit Jahren darum, den Ortskern für Geschäftsleute und deren Kunden wieder attraktiv zu gestalten, der in diesem Sinne implementierte Monatsmarkt und die Parkplatzerweiterung scheinen gerade erste Früchte zu tragen. Hier wäre eine Flüchtlingsunterkunft in unmittelbarer Nähe ein herber Rückschlag. Der zweite Kritikpunkt betrifft die Auswahl der Bewohner. In der bereits bestehenden Flüchtlingsunterkunft in Telfs leben bereits rund 70 Asylbewerber, fast ausschließlich junge Männer. Im Sinne der Gerechtigkeit wäre es doch angebracht, eine Unterbringung für Frauen, Frauen mit Kindern oder zumindest Familien zu reservieren. Eine weitere Unterbringung von jungen Männern wird gerade für Telfs und seine sozialen Strukturen als durchaus problembehaftet gesehen“, erklärt zum Beispiel GR Sepp Köll („Telfs Neu“). Unterschreiben können übrigens alle Interessierten bei den genannten Fraktionen und im Studio Bodyart in der Bahnhofstraße 5.

Bürgermeister Christian Härting glaubt nicht, dass man vor 21 jungen Menschen, die an 365 Tagen rund um die Uhr von sechs Vollzeit- und drei Teilzeitbeschäftigten betreut werden, Angst haben muss. Er glaubt vielmehr, dass die Oppositionsfraktionen mit der Unterschriftenaktion „politisches Kleingeld münzen wollen“ und stellt den wirtschaflichen Bedenken entgegen, dass sich die ehemalige „Heinrich-Jacoby-Schule“ nicht in der ersten Häuserreihe der Bahnhofstraße, sondern in einem Hinterhof befindet. Zudem betont der Marktgemeindechef, dass mit den 70 Flüchtlingen, die in Telfs derzeit untergebracht sind, die 1,5-Prozent-Quote auf die Einwohnerzahl noch längst nicht erfüllt ist. „Ich kann die Argumente für die Unterschriftenaktion nicht nachvollziehen. Die Bürgerinnen und Bürger sollen mit der Thematik aber nicht überfordert werden, deshalb gibt es am 17. August um 19 Uhr im ersten Stock des Hotel Hohe Munde einen Informationsabend, bei dem Bedenken ausgeräumt und Ängste genommen werden sollen“, so der Telfer Bürgermeister.

Noch vor wenigen Wochen war auch eine weitere Asylwerberunterkunft im Telfer Ortsteil Hinterberg im Gespräch. „Der Eigentümer des Gebäudes hat sich inzwischen allerdings anders entschieden, er wird das Haus nun doch nicht zur Verfügung stellen“, berichtet Härting. Wie die RUNDSCHAU in Erfahrung bringen konnte, existierten auch Pläne für ein größeres Asyllager im Bereich der Autobahnraststätte Rosenberger bei Pettnau. Dieses Projekt wurde nun allerdings verworfen, weil das dafür vorgesehene Grundstück an eine Firma verkauft wurde. Bürgermeister Martin Schwaninger: „Derzeit haben wir keine andere Möglichkeit, in unseren Gemeinde Asylwerber aufzunehmen, wir diskutieren im Gemeiderat aber darüber!“