„Uraltes Zeugnis des Volksglaubens“

Sie setzen sich für die Renovierung der Ottilienkapelle ein: Die Bürgermeister Vinzenz Knapp (Höfen) und Christian Müller (Wängle), Dekan Franz Neuner, Paul Barbist (Vorsitzender des Pfarrkirchenrates Wängle/Höfen) sowie Lechaschaus Bürgermeister Hansjörg Fuchs (v.l.). RS-Foto: Gerrmann

Lechaschau, Wängle und Höfen wollen gemeinsam die Ottilienkapelle renovieren

 

Ein spiritueller Ort, der verbindet: Das ist die Ottilienkapelle auf dem Feld in der Nähe des Wanderparkplatzes zum Frauensee. Sie steht auf Markung Lechaschau, gehört aber zur Pfarrer Wängle/Höfen. Und alle Orte und Kirchengemeinden setzen sich nun für den Erhalt und die Renovierung des altehrwürdigen Gotteshauses ein.

Von Jürgen Gerrmann

Das machten Paul Barbist, Pfarr-ökonom und Vorsitzender des Pfarrkirchenrates der Pfarre Wängle, Dekan Franz Neuner sowie die Bürgermeister Hansjörg Fuchs (Lechaschau), Vinzenz Knapp (Höfen) und Christian Müller (Wängle) bei einem Pressegespräch im Gemeindeamt von Lechaschau deutlich. Der Termin dafür war mit Bedacht gewählt: Der 13. Dezember ist der Sterbetag der Heiligen Ottilie und damit auch deren Namenstag, wie Franz Neuner erklärte.

„Kirchliche Feste und Rituale verbinden auch die drei weltlichen Gemeinden“, unterstrich Paul Barbist dabei. Und daher freue er sich sehr, dass man dieses Projekt auch gemeinsam schultern wolle.

Dreiteilung der Kosten.

Auf 120 000 Euro schätzt das Bischöfliche Bauamt der Diözese Innsbruck die Kosten für die Maßnahme. Um die aufzubringen, ist eine Dreiteilung vorgesehen: Pfarre und Diözese zum einen, die weltlichen Gemeinden zum anderen und Bund und Land zum dritten sollen und wollen je 40 000 Euro aufbringen. Und in welchem zeitlichen Fenster möchte man fertig sein? „Die älteste urkundliche Erwähnung der Kapelle stammt aus dem Jahr 1620. Übernächstes Jahr können wir also das 400-jährige Bestehen feiern. Unser Ziel ist, dass die Kapelle zu Fonleichnam 2020 im neuen Glanz erstrahlt und auch wieder öffentlich zugänglich ist“, sagt Barbist. Für die, die sich das schon im Terminkalender vormerken wollen: das wäre also am Donnerstag, 11. Juni 2020.

Ort der Kraft.
Ein spiritueller Ort, der Menschen verbindet: Das ist schon seit Jahrhunderten die Ottilienkapelle zwischen Wängle und Lechaschau. Foto: Barbist

35 Kapellen gibt es im Seelsorgeraum Reutte, hat Dekan Franz Neuner gezählt: „Und die Ottilienkapelle ist eines der ältesten Zeugnisse des Volksglaubens.“ Sie liege direkt am Lechweg und knüpfe damit an ihre Vergangenheit als Wallfahrtsort an. Vielleicht könne die Renovierung ja auch eine Neubelebung dieses Ortes der Kraft und der stillen Einkehr  bewirken.

Auch kunsthistorisch sei das Kirchlein interessant – vor allem wegen des 1706 von Paul Zeiller geschaffenen Altarbildes, auf dem die Heilige als Äbtissin mit einem Buch mit zwei Augen (ihren Attributen) dargestellt sei. Er hoffe sehr, dass das, was die Vorfahren unter großen Mühen erbaut und nie hätten verfallen lassen, nicht nur als Denkmal erhalten werden könne, sondern auch als eine Art Appell unter dem Motto: „Komm zur Ruhe und denk mal nach!“

Decke blättert ab.

An seine Familiengeschichte kann Hansjörg Fuchs mit dieser Aktion anknüpfen: „In den 70er-Jahren hat mein Papa ebenfalls als Bürgermeis-ter schon einen Aufruf zur Hilfe bei der Renovierung gestartet. Und auch mein Onkel Ferdinand hat sich als Volksschuldirektor in Wängle dafür eingesetzt.“ Auch jetzt stehe der ganze Gemeinderat hinter diesem Projekt.

Fuchs blickte auch auf die lange und reiche Geschichte des Bauwerks, das 1620 erstmals in einer Klageschrift eines Pfarrers aufgetaucht sei. Schon damals sei die Rede von einer „sehr alten“ Kapelle gewesen. 1673 sei in einem weiteren Dokument deren Zustand als „sehr erbärmlich“ bezeichnet worden.

Das 19. Jahrhundert wiederum scheint die große Zeit der Ottilienkapelle gewesen zu sein: 1886 wurde von einer Vielzahl von Wallfahrern berichtet („auch aus Bayern“), und 1893 wurde das alte Kirchlein dann „um mindestens das Doppelte“ (so Fuchs) erweitert.

Die Spendenaktion in der 1970er-Jahren habe freilich einen eher „kümmerlichen Ertrag“ gebracht, aber die Gemeinde sei dennoch ihrer Verantwortung gerecht geworden. Und die bislang letzte Renovierung liegt genau 20 Jahre zurück. Der Bürgermeister: „Aber jetzt muss dringend was getan werden. Die Decke an der Wetterseite blättert schon ab.“

Schon die erste Aktion.

„Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel rund um Kirche und Widum investiert“, erinnert dann Wängles Gemeindeoberhaupt Christian Müller. Aber es sei gut, nun auch das alte Kulturdenkmal Ottilienkapelle zu erhalten: „Wenn man das gemeinsam stemmt, dann ist das leichter.“ In der Bevölkerung habe es zwar Diskussionen gegeben, berichtete Höfens Bürgermeister Vinzenz Knapp, aber eigentlich keine Probleme: „Und selbstverständlich war auch der Gemeinderat dabei.“ Und auch für ihn gelte: „Ich bin begeistert von dem Projekt. Und habe wie alle Bürger eine Riesenfreude an dem Kirchlein.“ In Höfen hat es übrigens schon die erste Aktion zugunsten des Vorhabens gegeben: Was der Adventsbasar finanziell erbracht habe, stehe aber noch nicht genau fest.

Wie man helfen kann.

Die 40 000 Euro Eigenmittel aufzubringen, werde für die Pfarre nicht einfach, ist sich auch Franz Neuner bewusst: „Aber unsere Vorfahren mussten noch mehr schultern.“

Und vielleicht fänden sich ja auch Handwerker, die sich für dieses Projekt begeistern ließen und ihre Arbeit als Spende einbrächten.

Wer mit Geld helfen möchte, kann dies über ein Spendenkonto der Pfarre St. Martin mit der Nummer AT31 3699 0000 0900 5760 tun. Verwendungszweck: Renovierung Ottilienkapelle.

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