Verbindung, die entzweit

Der Projektverfechter der ersten Stunde Sepp Thöni (l.) kämpft unverdrossen für sein Zusammenschlussprojekt. RS-Foto: Tiefenbacher

Zusammenschluss Langtaufers-Kaunertal: Konflikt zwischen Gegnern und Befürwortern spitzt sich zu

 

In der Gemeinde Graun liegen die Nerven blank. In Sachen skitechnischer Zusammenschluss Langtaufers-Kaunertal kam es zum Meinungswandel bei Bgm. Dr. Heinrich Noggler. Seine ursprüngliche Zustimmung wandelte sich zu einer engagierten gegnerischen Haltung: Der Dorfchef tritt jetzt offen gegen das Projekt auf. Die Projektbefürworter, allen voran der Gemeindereferent und Langtauferer Hotelier Sepp Thöni, kämpfen unverdrossen weiter.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Dies wirkte sich insoferne aus, als es heuer in der Reschenseeregion den vielbesungenen Weihnachtsfrieden nicht gab. Missstimmung entstand z.B. am 14. Dezember. Die Projektbefürworter warfen Bgm. Noggler vor, er habe den Langlauf-Event „La Venosta“ im Langtauferer Tal dazu benutzt, um Stimmung gegen die Skiverbindung Langtaufers-Kaunertal zu machen. Eine Fortsetzung des Konflikts erfolgte im RAI-Mittagsmagazin. Einiges an Potenzial zur Entzweiung der Reschenseeregion barg die Gemeinderatssitzung in Graun am 23. Dezember und ein Zeitungsinterview von Bgm. Noggler am 10. Jänner. Und auch der Beschluss des Vorstandes des Tourismusvereins Ferienregion Reschensee Anfang Jänner („die Skiverbindung ins Kaunertal braucht es nicht“) trägt dazu bei.

 

KONTRA. Hier der Versuch einer Zusammenfassung der Auseinandersetzung rund um die geplante Skiverbindung ins Kaunertal: Bgm. Noggler erklärt öffentlich, dass er vom Lager der Befürworter in das der Gegner gewechselt sei, weil sich seit 2016, als die Machbarkeitsstudie vom Grauner Gemeinderat inklusive ihm abgesegnet wurde, die Voraussetzungen völlig geändert hätten. Nogglers Begründung: Die Fusion der beiden Skigebiete Haider Alm und Schöneben sei geglückt und mache sich positiv bemerkbar. Der Zusammenschluss Langtaufers-Kaunertal hingegen werde jetzt als Konkurrenz und nicht als Bereicherung erachtet. Außerdem sei von der Einbringerin des Projekts, der Oberländer Gletscherbahn AG, die Machbarkeitsstudie nachträglich eigenmächtig abgeändert worden. Diese habe, so Nogglers Vorwurf, die zentrale Abfahrtspiste (Karlesjochpiste) zurückgezogen und dadurch würde der Anbindung nur mehr eine Zubringerfunktion zum Nordtiroler Skigebiet zukommen. Wenn der Grauner Gemeinderat heute noch einmal entscheiden müsste, wäre es eher unwahrscheinlich, dass noch einmal eine Genehmigung seitens der Gemeinde zustande käme, argumentiert der Bürgermeister.

 

PRO. Der Projektverfechter der ersten Stunde, Sepp Thöni, kontert: „Das sind nur vorgeschobene Argumente, um seinen Meinungswandel rechtfertigen zu können. Es ist keine Änderung vorgenommen worden.“ Man habe der Landesregierung lediglich ein Angebot gemacht, eventuell auf die Karlesjochpiste zu verzichten, wenn ihr das die Entscheidung erleichtern würde. „Eine solche Vorgehensweise ist bei derartigen Verfahren üblich“, erklärt Thöni. Es sei auch schlichtweg falsch, dass die geplante Bahn von Melag aufs Karlesjoch ohne die Piste bis ins Tal nur mehr die Rolle als Zubringerfunktion haben wird. „Die Weißseejochpiste bleibt doch und über diese ist eine Abfahrt bis zur Mittelstation möglich. Ab der Mittelstation muss man auch in St. Valentin die Verbindungsbahn nehmen. Und das funktioniert dort gut. Sollte uns die Landesregierung alle Pisten genehmigen, wäre uns das natürlich lieber“, sagt Thöni. Er bemängelt in einem Atemzug, dass die Fusion der Skigebiete Haider Alm-Schöneben weder hinsichtlich einer Angebotsverbesserung („drei Lifte wurden abgebaut“) noch den Langtauferern etwas gebracht habe und betont, wie wichtig die Skiverbindung ins Kaunertal aus wirtschaftlichen Gründen für die Langtauferer ist. Thöni reagiert auch empört auf die Aussage von Bgm. Noggler, wonach in der Gemeinde Graun und im Gemeinderat die anfängliche Zustimmung zum Zusammenschluss Langtaufers-Kaunertal in zunehmende Skepsis gewichen sei. „Das stimmt nicht. Nur der Bürgermeister hat auf Druck der Skiliftgesellschaft in Schöneben seine Meinung geändert. Das diesbezügliche Meinungsbild der Bevölkerung und Gemeinderäte hat sich kaum verändert. Im Langtauferer Tal ist eine ganz große Mehrheit für den Zusammenschluss mit dem Kaunertal“, sagt Thöni.

 

 

Bissige Bemerkung

(aktiefi) Der Beschluss des Vorstandes des Tourismusvereins Ferienregion Reschensee Anfang Jänner 2020, in dem festgehalten wird, dass die Region die Skiverbindung ins Kaunertal nicht brauche und andere (touristische) Visionen für Langtaufers entwickelt werden sollen, wird von Sepp Thöni mit einer bissigen Bemerkung kommentiert: „Leider Gottes ist der Vorstand Schöneben-lastig.“ Was die Visionen anbelangt, so sagt Thöni, dass man im Langtauferer Tal bereits vor 40 Jahren mit alternativem nachhaltigen Tourismus begonnen habe.

 

Derzeitiger Verfahrensstand

(aktiefi) Das Genehmigungsverfahren für die Skischaukel Langtaufers-Kaunertal kommt recht schleppend voran. Wegen Befangenheitsverdacht gegenüber Expertenkommissionsmitgliedern mussten neue Gutachten erstellt werden. Das Problem betraf auch das sozioökonomische Gutachten über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Zusammenschlusses. Weil aber das neuerstellte Gutachten für einige Landesregierungsmitglieder nicht eindeutig genug war, wurde die Entscheidung erneut vertagt. Das war am 15. Oktober 2019. Es wurde ein drittes vertiefendes Gutachten in Auftrag gegeben. Auf dieses wird nun gewartet. Dann wird die Südtiroler Landesregierung entscheiden. Die Volksvertreter von Graun werden sich damit nicht mehr befassen. In einem Schreiben teilte nämlich Bgm. Noggler der Südtiroler Landesregierung kurz vor Weihnachten mit, dass der Gemeinderat Graun von einer erneuten Beschlussfassung wegen rechtlicher Unsicherheiten Abstand nimmt. Gleichzeitig wird die Landesregierung aufgefordert, so schnell wie möglich zu entscheiden.

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