Vereint dank Kritik außerhalb des Tales

Drei Geschäftsführer in einem Tal: Thomas Fleischhacker (Hochzeiger Bergbahnen), Gerhard Gstettner (Tourismusverband Pitztal) und Eberhard Schultes (Pitztaler Gletscherbahnen) (v.l.) RS-Foto: Matt

Vollversammlung des Tourismusverband Pitztal: Zusammenschluss bleibt Thema

Zwischen Optimierungsbemühungen und der Sehnsucht nach Expansion wandelte erneut die Vollversammlung des Tourismusverbandes Pitztal, dieses Jahr in Wenns. Dementsprechend positiv thematisiert wurde so freilich der angestrebte Gletscher-Zusammenschluss mit dem Ötztal. Für die kritische Sicht auf das Vorhaben zeigen die Redner wenig Verständnis – und greifen besonders Gerd Estermann als Petitionsgründer persönlich an.

Von Manuel Matt

Dass in den vergangenen Wochen und Monaten „so viel wie noch nie“ über das Pitztal berichtet worden ist, sei durchaus Positives abzugewinnen, findet der Pitztaler Tourismusverbandsobmann Rainer Schultes – zweifellos besorgniserregender sei hingegen der Rückgang der Bettenzahlen sowie die generelle Strukturschwäche im Tal. Somit schneide er gleich zu Beginn das „allbeherrschende Thema“ an, den Gletscherzusammenschluss. Seit der Erschließung des Skigebiets sei flächenmäßig nie erweitert worden, erinnert Schultes. Nun sei es an der Zeit dafür, weil für den Gast noch vor der Schneesicherheit die Größe des Skigebiets ausschlaggebend sei. Eine Genehmigung des Projekts wäre zudem zweifelsohne die „größte Wirtschaftsförderung für das Pitztal“, so der Obmann, wobei unverständlich sei, dass zwei Tiroler Unternehmern mit 130 Millionen Euro an Investitionswillen derart viele Hürden gestellt werden. „Einige Worte“ richtet Schultes anschließend an die Gegner des Projekts, allen voran an „diesen guten Freund“ Gerd Estermann, dem Schultes das Verbreiten von Lügen vorwirft. Estermann sei entgegen seinen Aussagen ein Gegner des Pitztals und „Pinocchio“. Seine Petition – mit mittlerweile etwa 150000 Unterschriften – habe „für uns keine Bedeutung“, betont Schultes. Als „Freunde“ bezeichnet der TVB-Obmann auch den Alpenverein, der sich ebenso gegen das Projekt stellt. „Sie fordern alles, wollen alles, sind gegen alles“ und würden zugleich keine Nächtigungsabgabe zahlen. Generell sei es „sicher nicht die Rettung der Alpen, wenn wir über ein paar Steine und Gletscher diskutieren. Das ist sicher nicht das große Thema, es wird nur zum großen Thema gemacht“, schließt Schultes und betont, dass das Pitztal wegen der Kritik näher zusammengerückt sei.

Die vier Bürgermeister im Pitztal: Walter Schöpf (Wenns), Josef Knabl (Arzl), Karl Raich (Jerzens) und Elmar Haid (Sankt Leonhard) (v.l.) RS-Foto: Matt
„An alles Gehalten“

„In aller Sachlichkeit“ angesichts der „viel zu heftigen“ Diskussionen stellte später auch Eberhard Schultes als Geschäftsführer der Pitztaler Gletscherbahnen den geplanten Zusammenschluss vor. Begleitet von Visualisierungen, erklärt Schultes die notwendigen Verbindungen und sieht ob der Luftlinie von zwei Kilometern zwischen beiden Gletschern „sicher nicht die letzten Alpenräume“ bedroht. „Wir haben uns an sämtliche Gesetze gehalten“, verspricht der Geschäftsführer. Momentan wird seitens der Behörden geprüft – „nicht mehr und nicht weniger“.

Kritisiert Petitionsgründer und Alpenverein: TVB-Obmann Rainer Schultes RS-Foto: Matt
Leistungsschau

Weite Teile des Abends gebühren dann aber freilich den Bemühungen der Mitarbeiter des Tourismusverbands. Sie selbst werden von TVB-Geschäftsführer Gerhard Gstettner auf die Bühne gebeten, um selbst zu erzählen – beispielsweise von besuchten Messen, der Betreuung internationaler Journalisten, geschaffenen Veranstaltungen, die Einführung der Sommercard, das professionelle Verfeinern des Auftritts in der digitalen Welt, der Betreuung des Wegenetzes und ganz allgemein von den Bemühungen im Ganzen, die letztlich den Gast ins Pitztal locken und zufrieden an eine Wiederkehr denken lassen sollen. Im Zehn-Jahres-Vergleich lässt sich übrigens eine Steigerung von zehn Prozent bei den Ankünften nachzeichnen, getrübt von minus drei Prozent bei den Nächtigung – wohl aufgrund der Größe des Skigebiets, vermutet Rainer Schultes. Dass sein Tourismusverband trotz reger Aktivität zu haushalten weiß, zeigt die Bilanzsumme von 1,7 Millionen Euro – und die Entlastung des Vorstands durch die Vollversammlung.