Verfahren abgeschlossen

Bald wird man wissen, wer das Wasser der Trisanna zur Stromerzeugung nutzen darf. RS-Foto: Tiefenbacher

Kraftwerk im Paznaun: Entscheidung noch vor Weihnachten

 

Am 23. Oktober führte das Landesverwaltungsgericht Tirol eine mündliche Verhandlung im Widerstreitverfahren für die Verleihung des Wasserrechts für ein Kraftwerk an der Trisanna durch. Der zuständige Richter Mag. Gerold Dünser hofft, noch vor Weihnachten seine Entscheidung verkünden zu können.

 

Von Herbert Tiefenbacher

 

Die Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH, in der die Paznauner Gemeinden See, Kappl, Ischgl und Galtür sowie die Gebrüder Kofler aus Landeck agieren, die Haider-Gruppe aus Oberösterreich und die Donau Chemie lieferten sich einen durchaus spannenden Wettlauf um die Genehmigung einer Wasserkraftanlage im Paznaun. Dieser ging bereits 2011 los. Dazwischen wurde versucht, durch Verhandlungen eine Konsenslösung zu erreichen. Auf ein gemeinsames Kraftwerk konnten sich die drei Bewerber aber letztlich nicht einigen. Nun wird in einem Widerstreitverfahren entschieden, wer das Trisanna-Kraftwerk bauen darf.

 

MÜNDLICHE VERHANDLUNG. Am Dienstag der Vorwoche fand eine mündliche Verhandlung beim Landesverwaltungsgericht Tirol in Innsbruck statt. Es ging vor allem um die drei Themenbereiche Ökologie, Energieausnutzung und Wasserrecht (welches Kraftwerk hat auf den Lauf und die Beschaffenheit des Gewässers den günstigsten Einfluss). Auf der einen Seite waren drei Projektwerber, die mit Unterstützung ihrer Teams (Juristen und Fachexperten) ihr Vorhaben durchzubringen versuchten. Auf der anderen Seite drei Amtssachverständige, die zahlreiche Gutachten erstellt und erste Befundungen durchgeführt hatten. Der Richter befragte die Projektwerber und ihre Experten sowie die für das Gericht tätigen Sachverständigen zu den einzelnen Themenbereichen. Nach fünfeinhalb Stunden, um 14.30 Uhr, war alles abgehandelt. Nun entscheidet Richter Gerold Dünser, welches Projekt zum Zug kommt. Von den ursprünglich fünf eingereichten Vorhaben wurden zwei ausgeschieden. Somit sind die Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH, die Haider-Gruppe und die Donau Chemie mit je einem Vorhaben im Rennen.

 

ENTSCHEIDUNG. Richter Dünser hofft, noch vor Weihnachten mit seinem Urteil fertig zu sein. Dabei ist vom Richter eine Abwägung verschiedener öffentlicher Interessen durchzuführen. Dazu zählen Naturschutz, Aufrechterhaltung der Hochwassersicherheit, vollständige wirtschaftliche Ausnutzung der in Anspruch genommenen Wasserkraft oder die Beeinträchtigung des ökologischen Zustandes des Gewässers. „Es wäre stark verfehlt zu sagen, dass es ein starkes und schwaches Interesse gibt“, betonte Richter Dünser.

 

CHANCENEINSCHÄTZUNG. DI Kurt Pachinger, Leiter des Werkes der Donau Chemie in Landeck, glaubt, dass es eine Entscheidung zwischen dem Vorhaben der Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH und dem Projekt der Donau Chemie ist. Seinem Gefühl nach hat die Kleinkraftwerks-Variante der Haider-Gruppe keine Chance. Die beiden anderen Vorhaben schätzt der Werksleiter für gleichwertig ein. „Es kommt darauf an, was der Richter höher bewertet: das öffentliche Interesse an effizienter Energienutzung oder jenes an der Ökologie“, erklärte Pachinger. Messe der Richter der Ökonomie ein höheres Gewicht bei als der Ökologie, habe die Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH mit ihrem Vorhaben die besseren Karten. Dieses Kraftwerk könne aus der zur Verfügung stehenden Wasserkraft mehr Energie erzeugen. „Aber es greift stärker in die Natur ein als unser Projekt“, betonte Werksleiter Kurt Pachinger. Anton Mattle, Geschäftsführer der Gemeinschaftskraftwerk Paznaun GmbH, und Reinhard Haider von der Haider-Gruppe nahmen keine Chanceneinschätzung vor. Mattle meinte, es sei völlig unmöglich, die Chancen einzuschätzen. Ähnlich äußerte sich Haider.

 

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