Vergurkter Gipfel

Liebe Freunde des vernetzten Denkens!

Unlängst war der Tag der Gurke. Im zeitlichen Umfeld der Huldigung der krummgrünen Feldfrucht fand auch ein vergurkter Transitgipfel in Südtirol statt. Was die beiden Ereignisse miteinander zu tun haben? Gurken werden wie andere Waren rund um den Erdball gekarrt. Das rechtlich hohe Gut des freien Warenverkehrs sichert uns die Freiheit, Gurken, Tomaten oder Radieschen nicht aus dem eigenen Garten, sondern aus Portugal, Bulgarien oder sonst irgendwo herbei zu holen. Statt Kartoffeln essen wir mitunter Pommes frites. Gesetzt und ausgegraben in Norddeutschland, frittiert in Süditalien und gegessen in aller Welt. Und daher fuhren unlängst Politiker und Beamte mit ihren Autos nach Norditalien, um zu beschließen, dass diese Fahrerei eingedämmt gehöre. Ein paar Wichtige ersparten sich den Diesel und den Benzin und schonten die Umwelt. Nachdem viel heiße Luft gesprochen war, verzichteten einige der Anwesenden auf die Unterschrift. Medial gab es viel Lärm um Nichts. Und je nach Inszenierung verlor trotzdem keiner sein Gesicht. Manche konnten das Nichtergebnis für sich sogar als Erfolg verkaufen. Es hätte anders kommen können. Statt des öffentlich groß aufgezogenen Gipfels hätte es im Stillen diplomatische Verhandlungen geben können. Und erst danach die Präsentation bescheidener Ergebnisse. So bleibt das, was Medien wollen. Streit. Zank. Kritik. Ruinierte Gesprächsbasis. Wir alle wissen längst: Der Verkehr verkehrt verkehrt – und wir sind alle gemeinsam daran schuld. Alle wollen wir hin- und her- und wegfahren. Doch das Drüberfahren mögen wir nicht. Es ist wie in der Medizin. Wir behandeln die Symptome, nicht die Krankheit. Und noch ist kein Licht am Ende des (Brenner-)Tunnels in Sicht. Übrigens: Ich würde Verpackungen von Lebensmitteln und anderen Gütern noch viel intensiver kennzeichnen. Zum Beispiel mit Aufschriften wie: Diese Tomate legte bis hierher 980 Kilometer zurück!

Meinhard Eiter

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