Verplatterung

Liebe Freunde des politischen Kasperltheaters!

Jede Religion hat ihre Feiertage. Bei Parteien sind das die Parteitage. In regelmäßigen Abständen schreibt das jeweilige Statut eine Versammlung der Mitglieder vor. Die Parteichefs zelebrieren diese Treffen wie die Hohepriester. Das Ritual sieht vor, die eigenen Thesen und Dogmen zu huldigen und die gegnerischen Programme samt deren Vertreter abzuwatschen. Ein solches Treffen war jüngst der Tiroler Parteitag der Blauen. FPÖ-Chef Markus Abwerzger schoss sich dabei auf den Häuptling des Landes ein, kreierte eine neue Wortschöpfung und warnte vor einer „Verplatterung“. Mit dem kämpferischen Nachsatz: Niemals mit Schwarz. Soweit, so schlecht. Denn in Wahrheit hätte der Führer der Rechtspartei bei der jüngsten Wahl nichts lieber getan, als sich mit Platter gemeinsam ins politische Bettchen zu legen. Das ist im Übrigen keine blaue Untugend. Dasselbe gilt für die Roten. Auch deren Neo-Vorsitzender Georg Dornauer würde lieber auf der Regierungsbank sitzen, als täglich nach Klamauksprüchen zu suchen, die potentielle Wähler als originelle Oppositionsrhetorik wahrnehmen. Dieses ewig gegen alles zu wettern ist ein Bohren an harten Brettern. Und geht auch uns Bürgern ziemlich auf die Nerven. Der Großteil der Wähler will, dass Politiker arbeiten. Und nicht streiten. Daher habe ich einen konkreten Wunsch: Zurück zum Proporz! Die Parteien sollen je nach Stärke anteilig mitregieren und ihre Klientel befriedigen. Den Grünen die Umwelt. Den Roten das Soziale. Den Blauen den Verkehr oder sonst etwas, wo sie es statt nur besser zu wissen, auch besser machen können. Auch für die Neos wird uns schon was Neues einfallen. Vielleicht Straßenbau mit Schwerpunkt Asphaltierung. Das hätte den Vorteil, dass die Regierenden nicht reflexartig alle Vorschläge der Opposition niederschmettern. Dieses Miteinander wäre eine Chance für gute Ideen. In Tirol quasi eine optimierte Verplatterung.

Meinhard Eiter