Viel Musik lag in der Ötztaler Luft

„John Blow“ – eine Marching Band im Taschenbuchformat mit ordentlichem Wumms dahinter. Als „Krachorchester“ mit einem Marsch auf der für zwölf Minuten gesperrten Ötztaler Bundesstraße eröffneten sie das Festival. RS-Foto: Hirsch

Ein Tag „mundARTgerechte“ Dialektmusik in Längenfeld

Bereits zum achten Mal stand Längenfeld einen Tag lang ganz im Zeichen der Dialektmusik. 24 Musikgruppen aus Österreich, Italien und Deutschland spielten an zwölf Schauplätzen. Beim kulinarisch musikalischen Marktplatz beim Gemeindeamt wurde Besonderes aus der Region präsentiert. Besonders Gutes, besonders Verrücktes, besonders Innovatives. Wie im letzten Jahr, war das Dialektmusikfestival in Längenfeld ein „Going Green Event“.

Von Friederike Hirsch

Bei strahlendem Wetter startete das Festival um 11.30 Uhr mit dem Flashmop „Krachorchester“. Dafür wurde die Ötztaler Bundesstraße für zwölf Minuten gesperrt und in eine Konzertbühne verwandelt. Musik statt Verkehrslärm, Tanzen statt Gas geben, Singen statt Rasen war die Devise. Mit dem Marsch von Hotel Rita zum Hotel Stern machten die Musikgruppe „John Blow“ und die Veranstalter auf den immer stärker werdenden Verkehr im Ötztal aufmerksam.

Das Festival

2010 wurde der Ötztaler Dialekt als immaterielles Kulturerbe auf die nationale Liste der Unesco aufgenommen. „Pro Vita Alpina“ und „Drauf Los“ blickten damals schon auf eine lange Geschichte in der Organisation und Durchführung von Musikveranstaltungen zurück. Ötztaler Dialekt und Musik, eine Verbindung, die in der Konzeption von „mundARTgerecht“ – Dialektmusik im Alpenland – mündete. Die Dialektmusik als solche aus dem Alpenland steht und stand von Anfang an im Vordergrund. Seit 2012 werden die Straßen und Lokale der Ötztaler Thermengemeinde Längenfeld zur Bühne für das Musikfestival. Dieses Jahr bespielten zwölf Musikgruppen aus Österreich, Italien und Deutschland die Lokale, Gastgärten und Wirtshäuser in Längenfeld. Die Vielfalt an Schauplätzen und an unterschiedlichen Musikgruppen gab die Möglichkeit, im Ort herumzuschlendern, sich zu treffen, zu ratschen, Ötztaler Schmankerln zu kosten und einfach einen feinen Tag mit guter Musik zu genießen.

24 Musikgruppen aus Österreich, Italien und Deutschland spielten an zwölf Schauplätzen. Die Vielfalt an Schauplätzen und an unterschiedlichen Musikgruppen gab die Möglichkeit, gutes Wetter, gutes Essen und gute Musik zu genießen. RS-Foto: Hirsch
Die Musik

Dialekt in der Musik muss nicht zwingend Schlager oder Volkstümliches heißen. „MundARTgerecht“ beweist dies jedes Jahr aufs Neue. Musik, die bunt und lebendig, waghalsig und laut, aufrichtig und unverfälscht, frech und frivol, mystisch und nachdenklich ist – das alles und mehr hörte man in Längenfeld. Der Bogen spannte sich von bekannten Zitherklängen bis hin zu elektrisch synthetischen Klanglandschaften. Ob Dreigesang und Stubenmusik oder Weltmusik auf Südtirolerisch – für jedes Ohr war etwas dabei. Es wurde über das Leben in Tirol, das Jungsein und Altwerden gesungen. Über das Ankommen und Abschiednehmen, über das Verlieren und Finden und über alles, was dazwischen liegt. Ambitionierte Texte, die im Dialekt geschrieben, direkt vom Ohr in das Herz gehen. „Denn schließlich ist es die Sprache, mit der man aufgewachsen ist und mit der man auch seine Gedanken schweifen lässt“, meint die Sängerin Verena Wagner. Sarkastische Zwischentöne, Satirisches und Kritisches und da und dort auch Politisches geben dem Dialektmusikfestival die besondere Würze. Warum man im Dialekt singt? Für Marlon Prantl und seine Band „TyRoll“ ist das ganz einfach erklärt: „Wir versuchen, den Kreis zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft musikalisch zu schließen. Traditionelles Volksmusikgut und Weltmusik verschmelzen.“ Musik ist eben die Sprache des Herzens, die überall auf der Welt verstanden wird, selbst wenn man den Text nicht versteht.

Musikalisch-Kulinarischer Marktplatz

„MundARTgerecht“ servierten drei typische Nordtiroler Winzer ihre edlen Tropfen aus. Weinbau Zoller-Saumwald aus Haiming, Wegbereiter des modernen, an höchster Qualität orientierten Tiroler Weinbaus. 2018 sind sie mit ihrem Salonwein „Chardonnay Kirchenriese“ an die Spitze der Österreichischen Winzer vorgestoßen. Ein richtiger Ötztaler Weinbauer, Markus Strigl aus Sautens, der unter anderem 88 beziehungsweise 89 Falstaff-Punkte für seine Weine einheimste und Thomas Böhm aus Imst, ein Tiroler „Kleinstwinzer“, der seit 2013 Weine in sehr geringen Mengen, aber qualitätsorientiert und mit viel Leidenschaft keltert. „Etztoler Original“ kreierten im Auftrag von „Pro Vita Alpina“ Zirbenkombucha, Holunderkombucha und Yak-Bratwurst und präsentierten die Schmankerln erstmals. Bei „Ypes Chokodesign“ konnte man duftende Schokolade auf Oblaten mit Blütenblättern und Hanfsamen genießen. Schnaps aus Sautens von Werner Hackl, Schönes aus Schafwolle von Joachim Regensburger und Gutes von Michael Wilhelm aus dem Windachtal rundeten die Besonderheiten aus der Region ab.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.