„Viele sagen, jetzt ist es genug“

Gerd Estermann und seine Tochter Tina Estermann laden zur Podiumsdiskussion am 16. November. RS-Foto: Dorn

Über 6100 Unterschriften der Petition zum Schutz der Feldringer Böden

Begonnen hat alles vor zwei Monaten als private Initiative des Mötzers Gerd Estermann und seiner Tochter Tina, die gemeinsam eine Petition gegen den geplanten Zusammenschluss der Skigebiete Hochötz und Kühtai gestartet hatten. Seitdem konnten die beiden bereits über 6100 Unterschriften sammeln und aus der privaten Initiative hat sich eine Bürgerinitiative entwickelt, die nun zu einer Podiumsdiskussion mit Beteiligung von Vertretern beider Fraktionen lädt.

Von Agnes Dorn

„Ich war grün, lange bevor es die Grünen gegeben hat“, zeigt sich Gerd Estermann als überzeugter Naturschützer. Abseits jeder Parteipolitik hat er sich sowohl als Chemielehrer, als auch privat stets für die Zusammenhänge in der Natur interessiert und so manche Frevel an der Umwelt bemängelt. Im Oberland hat er sich in diesem Zusammenhang vor allem als Gründer des Vereins gegen den Bau des Tschirgant-Tunnels einen Namen gemacht, der bekanntlich bis heute noch Gegner und Befürworter stark polarisiert. Heute lässt Estermann da anderen das Wort, denn ein ganz anderes Projekt fordert ihn mehr als genug: Mit dem Start der Petition „Nein zur Zerstörung von Feldringer Böden und Schafjoch“ hat er die vorher der Bevölkerung nicht bekannten Pläne zum Zusammenschluss der beiden Skigebiete Hochoetz und Kühtai an die breite Öffentlichkeit gebracht und dadurch eine Welle an Widerstand ausgelöst, die von den Befürwortern wohl nicht in diesem Ausmaß erwartet worden war. Vergangene Woche hatten bereits knapp 6200 Menschen die Petition auf „mein.aufstehn.at“ unterzeichnet, darunter neben den vielen Oberländern auch zahlreiche Tiroler aus anderen Gegenden, die das Naherholungsgebiet auf den Feldringer Böden am Wochenende sehr schätzen würden, wie der Initiator erzählt.

Starker Partner.

„Thematisieren allein ist zu wenig, mobilisieren muss man“, freut sich der Initiator über die immer breiter werdende Unterstützung. Inzwischen haben neben den tausenden Privatpersonen auch die beiden großen Organisationen des Alpenvereins (mit 110000 Mitgliedern in Tirol) und der Naturfreunde (4500 Mitglieder) ihren Standpunkt geäußert und sich gegen das geplante Großprojekt ausgesprochen. Beide Vereine machen ihre ablehnende Haltung zur Skigebietserweiterung auch online jeweils auf ihrer Homepage kund und verweisen dort auf Estermanns Petition. Ebenfalls nicht allein ist der passionierte Naturschützer auch mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Aufweichung der Tiroler Seilbahngrundsätze 2005, die Ende dieses Jahres auslaufen und durch eine Neuauflage des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP) ersetzt werden soll: „Sie wollen eine Neuerschließung als Skigebietserweiterung tarnen“, fasst Estermann die Bedenken der Kritiker gegenüber den Plänen der Landesregierung zusammen.

Zeit zum Dialog.

Dass es irgendwann genug sei mit dem Ausbau der Lift- und Pistenkilometern, würde von immer mehr Menschen so gesehen, so Estermann, der sich über zahlreiche positive Rückmeldungen zu seinem Engagement freuen kann. Dass das Gebiet der Feldringer Böden und des Schafjochs mit seiner vielschichtigen Flora und Fauna als intaktes Naturjuwel im Herzen des Oberlands und gerade für Familien leicht erreichbares Naherholungsgebiet erhalten werden soll, sei immer mehr Menschen ein Anliegen, so Estermann, der die Befürworter des Großprojekts warnt: „Sonst gibt es im Oberland ein zweites Hainburg.“ Doch vorher finden sich die Kontrahenten noch zu einer Podiumsdiskussion zusammen, um ihre gegensätzlichen Standpunkte auf den Tisch zu bringen: Unter dem Titel „Braucht Tirol noch mehr Lifte und Pisten“ diskutieren am 16. November um 19.30 Uhr im Gemeindesaal Mötz der Tourismussprecher der ÖVP Mario Gerber, der Klubobmann der Grünen Gebi Mair, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bergbahnen Bürgermeister Hansjörg Falkner, Markus Welzl vom Österreichischen Alpenverein und Gerd Estermann als Sprecher der Bürgerinitiative unter der Moderation von Markus Sommersacher. In der ersten Publikumsreihe werden im erweiterten Podium weitere Involvierte, wie Grundbesitzer, Experten, Bürgermeister oder auch die Petitionsbetreuerin, Platz nehmen. Auch das Publikum ist eingeladen, mitzudiskutieren.

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