Voll auf die Elf!

Wolfgang Winkler, die Vizepräsidentin der Tiroler Wirtschaftskammer, Barbara Thaler und Christian Strigl gaben den Ring frei (v.l.). RS-Foto: Wagner

Mit einem lauten Gongschlag wurde die vierte Wirtschaftsmeile eröffnet

Geschäftiges Treiben am ehemaligen RTW-Gelände, jetzt Areal der LinzTextil, kündigte es während der vergangenen Tage an: es tut sich was! In Rekordzeit wurde das Riesenzelt, das vom 4. bis zum 6. Mai Heimat der Messeaussteller war, aufgestellt.

Am Freitag, dem 4. Mai, war es dann endlich soweit. Die nunmehr vierte Außerferner Wirtschaftsmeile, wurde – an einem neuen Standort – eröffnet.
Fanfarenklänge eines Bläserquintetts, besetzt mit Lehrern der Landesmusikschule Reutte-Außerfern, lockten geladene Gäste und erste Messebesucher zum Boxring, der das Zentrum des Messezeltes bildete.
Christian Strigl, Obmann der Wirtschaftskammer Reutte, betrat als Erster den Ring. „Boxen ist ein Kampfsport. Jeder Boxer trachtet, möglichst viele Treffer für sich zu verbuchen. Hier bei uns in Reutte treten bei der Wirtschaftsmeile über 100 Boxer aus dem Außerfern und dem angrenzenden Allgäu an. Nicht um sich gegenseitig k.o. zu schlagen, sondern um ihre Schlagkraft, ihren Kampfgeist und ihre Produkte mit Nachdruck zu präsentieren“, so Christian Strigl, der zahlreiche Ehrengäste bei der Eröffnungsfeier der Wirtschaftsmeile begrüßen konnte.
Reutte veranstaltet die größte Regionalmesse Tirols. Im Unterschied zu einem wirklichen Boxkampf im sportlichen Sinne, bei dem es Profis und Amateure gibt, seien hier im Reuttener Wirtschaftsmeilen-Boxring aber ausschließlich Profis zu sehen. „Es ist eine echte Freude zu sehen, wie toll und überzeugend sich die Aussteller hier bei uns präsentieren“, fährt Strigl fort.
Er zählt Aussteller aus dem Sektor Innenausbau, dem Bauneben- und dem Baugewerbe ebenso auf wie jene aus den Sparten Handel, Handwerk  und der Autobranche. Auch die Industrie war auf der Meile vertreten.

Guter Standort.

Strigl hob bei seiner Ansprache auch die besondere Rolle des Bezirkes Reut-te als Wirtschaftsstandort hervor. Es sei schon etwas besonders Bemerkenswertes, dass der Bezirk die niedrigste Arbeitslosenrate und die höchste Bruttowertschöpfung des gesamten Bundeslandes zeige.
„Wir kämpfen hier schon in einer ganz hohen Liga. Wenn wir aber noch eine höhere technische Ausbildung hier bei uns im Bezirk anbieten können, dann erreichen wir ganz leicht die Schwergewichtsklasse“, ist Christian Strigl überzeugt und übergab das Wort an den Obmann des Werbe- und Ausstellungsvereins der Bezirksmesse Reutte,  an Wolfgang „knock out“ Winkler.
Wolfgang Winkler betonte noch einmal, dass die Entscheidung für den Standort am Linz Textil-Areal eine ganz bewusste war. „Wir waren jetzt bereits drei Mal mit der Wirtschaftsmeile im Untermarkt – 2012, 2014 und 2016. Wir konnten dadurch auch dazu beitragen, dass sich im Untermarkt was tut. Der Untermarkt wurde wachgerüttelt. Man braucht nur an die kürzlich vorgelegten Pläne der Parkgestaltung denken. Das haben wir jetzt auch auf dem ehemaligen RTW-Areal vor. Auch hier soll endlich etwas weitergehen. Mit der Wirtschaftsmeile können wir einen Impuls in die richtige Richtung setzen. Unser Motto war ,Alle unter einem Dach’. Dafür wurde hier ein 3000m2 Zelt – das größte, das jemals im Außerfern gestanden hat – in Rekordzeit aufgestellt. Wir sind damit in aller Munde, die Rückmeldungen sind durchwegs positiv“, so Wolfgang Winkler.
Dass in Reutte auch über den Tellerrand hinaus gedacht wird, zeigt, dass RE 1-TV während aller drei Messetage live aus dem Zelt sendet. „Wir sind global präsent“, freut sich der Messeobmann und weist abschließend auf das vielfältige Rahmenprogramm hin.

Eine HTL muss her.

Standortbürgermeister Alois Oberer zollt bei seiner Begrüßung Respekt und Anerkennung. Auch er ist überzeugt, mit dem neuen Standort einen Volltreffer gelandet zu haben, wenngleich er sich mit dem Boxring etwas schwer tut. „Ich bin gegen jede Form von Gewalt. Allerdings kann der Boxring auch als Synonym für eine innovative Idee gelten. Einen Schaukampf mit dem Obmann der Kaufmannschaft Christian Senn habe ich trotzdem abgelehnt“, so Oberer.
Eine funktionierende Wirtschaft nennt er ein Hauptanliegen der Gemeinde, auch außerhalb der Messezeiten. Was von Gemeindeseite dazu beigetragen werden könne, werde auch getan. Als Schlagworte bringt Oberer einmal mehr die Zentrumsbelebung und die Geschäftsbelegung von 95 Prozent ins Spiel. Damit würde die Gemeinde Reutte die Wirtschaft fördern.
Ein Anliegen ist ihm die Ansiedelung einer HTL mit dem Cluster Digitalisierungstechnologie und betont, dass es ganz im Sinne des Landeshauptmannes sei, so einen Schulzweig eventuell schon im Schuljahr 2019/2020 realisieren zu können. Der Facharbeitermangel und die Hürden der Bürokratie bringen die Wirtschaft zum Stöhnen, ist Oberer überzeugt. Er, der 30 Jahre lang Arbeitnehmervertreter war, sieht einen geplanten 12-Stunden-Arbeitstag durchaus kritisch, eine Flexibilisierung der Arbeitszeit aber als wünschenswert.
„Die Marke Reutte muss inhaltlich gefüllt werden”, schließt Alois Oberer seine Rede ab.

Bundesregierung auf Seite der Arbeitnehmer.

Die offiziellen Grußworte des Landes Tirol überbrachte BR Elisabeth Pfurtscheller. „Unser Bezirk ist mit seiner tollen Wirtschaftsleistung und seiner quasi nicht bestehenden Arbeitslosigkeit über die Grenzen hinaus bekannt. Herausforderungen – wie den wachsenden Facharbeitermangel – gehen wir an. Wir achten darauf, dass die Region attraktiv bleibt. Was wir brauchen, ist eine HTL, eine verbesserte Infrastruktur, den weiteren Ausbau des Breitbandinternets und eine verbesserte Anbindung an den Zentralraum“, so Liesi Pfurtscheller. Bezüglich des 12-Stunden-Arbeitstages sichert sie einen sorgsamen Umgang der Bundesregierung mit dem Thema zu. „Die Bundesregierung achtet sehr wohl auf die Interessen der Arbeitnehmer. Einen 12-Stunden-Arbeitstag gibt es nur in Absprache und bei entsprechendem Entgelt.“
Barbara Thaler, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Tirol, zeigt sich vom Boxring beeindruckt und geht in ihren Worten auf den immerwährenden Kampf um den Wirtschaftsstandort Tirol ein. Es sei nicht immer leicht, denn – wie schon von den Vorrednern ausgeführt – werden einem viele bürokratische Hürden aufgehalst.
In den Regionen werde sehr viel Wertschöpfung erwirtschaftet, daher sind die Regionen zu stärken. Für Barbara Thaler ist etwa die Digitalisierung keineswegs der negative Gegenpol zur Regionalität. Vielmehr ermöglichen neue Technologien eine einfachere Übertragung von Know-how in die Regionen. Da der Fachkräftemangel alle trifft, betont Barbara Thaler, dass sie absolut für eine HTL in Reutte ist und sie sich nach Kräften für einen positiven Abschluss in dieser Sache einsetzen wird.
„Die Messe hier in Reutte zeigt, wie Regionalität funktioniert. Hier wird die Schlagkraft eines ganzen Bezirkes eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, schließt Barbara Thaler ab, greift zum Gong und läutet symbolisch die erste Runde der vierten Wirtschaftsmeile in Reutte ein.