Volles Haus bei Klaus Wankmillers Vortrag zum römischen Straßenbau

Gebannt lauschten viele Besucher Klaus Wankmillers historisch-archäologischen Ausführungen. RS-Foto: Zeller

Viele Wege führen nach Rom – aber nicht alle.

Seit Ende Juni beherbergt das „Museum im Grünen Haus“ die Sonderausstellung „Entdeckt! Archäologie im Außerfern“. Als Teil des vielseitigen Rahmenprogramms der Ausstellung referierte Klaus Wankmiller am Donnerstag vor rappelvollem Haus über den historischen Straßenbau und dazugehörige archäologische Funde nördlich der Alpen und im Außerfern.

Von Jenni Zeller.

Wie Wankmiller ausführte, weisen Funde nahe Ehrwald schon auf eine vorrömische Altstraße aus der Eisenzeit hin. Der Ausbau des weitbekannten römischen Straßennetzes hierzulande erlebte seine Blütezeit erst nach dem Alpenfeldzug um 15 v. Chr., als die Römer über vierzig keltische Stämme vertrieben. Darunter waren auch die sogenannten Vindeliker, wortwörtlich die „Bewohner zwischen Wertach und Lech“. Nach ihrem Sieg ließen die Römer sich dauerhaft jenseits der Alpen nieder und gründeten hierzulande Städte, wie „Cambodunum“ (Kempten), „Augusta Vindelicum“ (Augsburg) oder „Foetes“ (Füssen). Um diese zu verbinden und lebenswichtige Handels- und Transportrouten zu schaffen, erbauten sie Straßen. Hochinteressante Relikte des antiken Handelsnetzes sind unter anderem zwei Schmucksteine aus dem Iran und aus Indien und rund 200 Silbermünzen, die bei Ehrenberg entdeckt wurden.

STRASSEN ALS ZEICHEN FÜR LEBEN UND TECHNIK.

Sehr ausgeklügelt waren die römischen Straßenbautechniken, so Klaus Wankmiller. Zur Geländevermessung und Straßenverlaufsbestimmung wurde die sogenannte Groma verwendet, eine Kombination aus Lot und Visierkreuz. Bei sumpfigem Gelände, etwa im Lermooser Becken, wussten sich die Römer mit Prügelwegen zu helfen, bei denen sie als Straßenfundament Baumstämme keilförmig anordneten. Zudem waren die Straßen breit und abfallend gebaut, damit Regenwasser abfließen konnte. Gepflasterte Straßen waren nur in Städten vorzufinden, die restlichen wurden in vier Stein- und Kies-Schichten erbaut. Überreste römischer Straßen finden sich noch heute bei Pinswang, Klais und im Forggensee; Belege zu Straßenstationen wurden in Breitenwang und Biberwier entdeckt.

DIE WEGE VON ROM BIS IN DIE NACHWELT.

Die berühmte Via Claudia Augusta hat um 46 oder 47 v. Chr. Kaiser Claudius erbauen lassen. Als die einzige römische Staatsstraße nördlich der Alpen galt sie als wichtige Verbindung zwischen der Adria und Süddeutschland. Der Verlauf antiker Straßen kann heute anhand von Fundstücken wie Pferdeschuhen oder Waffen und Meilensteinen, auf denen Bauherr und Meilenzahl vermerkt sind, grob nachgezeichnet werden. Bei der Via Claudia sind sich Historiker jedoch uneinig; laut einer Theorie soll sie nicht nur bis zur Donau, sondern bis nach Berlin geführt haben. Durch das Außerfern zumindest verlief sie vom Lermooser Becken über den Talkessel Reutte, Pinswang und den Kniepass bis nach Füssen. Neben der berühmten Via Claudia gab es aber noch andere Römerstraßen in unserer Region, wie die „Via Decia“, die von Zirl nach Augsburg führte. Derzeit finden Forschungen zum römischen Straßennetz im Ostallgäu statt, auf deren Ergebnisse Geschichts- und Archäologieinteressierte schon gespannt sein dürfen. Bis dahin sei erwähnt, dass der populäre Vortrag von Klaus Wankmiller am 11. September, um 19 Uhr, im „Grünen Haus“ wiederholt wird.

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