Vom Bergbauernhof ins Volkskunstmuseum

Karl C. Berger ist Leiter des Volkskunstmuseums. Foto: TLM/Lackner

Direktor Karl C. Berger aus Flirsch im Portrait

 

von Markus Wechner

 

(mw) Er ist Leiter des Volkskunstmuseums in Innsbruck und gehört somit zu den wichtigsten Personen im Tiroler Kulturbetrieb. Karl C. Berger, aufgewachsen in Osttirol, entdeckte bereits früh seine Faszination für Geschichte und Kultur und widmete sich dem Studium der Volkskunde. Für dieses Portrait erzählte er über seine Kindheit, sein Studium und die Arbeit im Museum.

 

Karl C. Berger wohnt mit seiner Familie in Flirsch. Geboren in Lienz, wuchs er in Matrei in Osttirol auf einem einsamen Bergbauernhof auf. „Eine herrliche Spielwiese für Kinder“, erinnert sich Berger mit einem Lächeln an seine Kindheit zurück. Seine Schullaufbahn beendete er 1994 mit der Matura am Gymnasium Lienz. Im Anschluss nahm er das Studium der Volkskunde in Innsbruck auf, das er 2000 abschloss. Heute ist Karl C. Berger Leiter des Volkskunstmuseums in Innsbruck und somit im zentralen Geschehen des Tiroler Kulturbetriebs tätig.

„Mein Studium hat mich definitiv geprägt“. Aufgrund einer persönlichen Identitätssuche kam Karl C. Berger zum Studium der Volkskunde – heute unter dem Namen Europäische Ethnologie bekannt. In erster Linie brachten ihn die häuslichen Erzählungen von Familiengeschichten auf diese Idee. Gerade Aspekte wie Hofübernahmen und Schuldaufstellungen, die bereits 200 Jahre zurücklagen, faszinierten ihn. Auch Film und Fernsehen, wie beispielsweise die Serien „Es war einmal ein Mensch“ und „Colorado Saga“, inspirierten Karl C. Berger und weckten zusätzliches Interesse an der Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur. Als ziellos und verklärt romantisch bezeichnet der heutige Leiter des Volkskunstmuseums seine damalige Sichtweise auf die Vergangenheit. So kam es von der anfänglichen Identitätssuche zum Interesse und es stellten sich immer mehr weiterführende Fragen. „Mein Studium hat mich definitiv geprägt“, resümiert Berger heute. Nach dem Studienabschluss im Jahr 2000 begann er auf der Universität als Vertragsassistent zu arbeiten. Im Fach der Volkskunde stand damals ein Umbruch an, so konnte vieles ausprobiert und auch andere Sichtweisen verfolgt werden. Mit der Zeit war Berger mit seinem befristeten Vertrag jedoch nicht mehr hundertprozentig glücklich. „Dann kam der Punkt, an dem ich mir sagte, da sehe ich mich nicht mehr.“ Da sich Berger bereits seit längerer Zeit mit Museologie beschäftigt hatte und schon während seiner Zeit an der Universität in diese Richtung arbeitete, lag der Bereich Museum als Arbeitsfeld natürlich sehr nahe. „Mir war klar, dass das ein Thema ist, das mich interessieren könnte“, so Berger über die Arbeit im Museum.

Das Museum als Ort der Diskussion. Wie es das Schicksal wollte, wurde eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Volkskunstmuseum ausgeschrieben. Beim damaligen Ausschreibungstext und den Anforderungen war er zunächst skeptisch und glaubte nicht an eine mögliche Anstellung. „Nicht bewerben ist aber immer der Fehler“, so Berger. Das Vorstellungsgespräch war erfolgreich und so trat er am 15. Februar 2008 ins Volkskunstmuseum ein, um u.a. an der Neukonzeption des Museums mitzuwirken. Laut eigener Aussage war sich Karl C. Berger damals sicher, durch die Zeit an der Universität ein Experte im Bereich der Museologie zu sein. Schnell merkte er jedoch, dass er mit seinem damaligen Wissen auch bald an seine Grenzen stieß. Dies nahm er dann zum Anlass, sich intensiv mit seiner Arbeit auseinanderzusetzen und vieles dazuzulernen. „Ich musste mich in sehr viele Sachen einlesen und habe gemerkt, dass auch in unscheinbaren Objekten interessante Sachen stecken, über die man schreiben kann“, beschreibt Berger seine erste Zeit im Museum. Er durfte bei der eineinhalb Jahre andauernden Neugestaltung mitarbeiten und sich auch bei Ausstellungen intensiv einbringen. 2009 wurde dann das Museum wiedereröffnet. Karl C. Berger hat dem Volkskunstmuseum im letzten Jahrzehnt seinen Stempel aufgedrückt. So ist eine seiner zentralen Philosophien, das Museum weniger als Ort der Tatsachen, sondern vielmehr als Ort der Diskussion anzusehen – was sich auch merklich durch das Programm des Volkskunstmuseums zieht.

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