Vom Hoffen auf ein Weihnachtsgeschenk

Im Bild, der TVB-Vorstand und -Aufsichtsrat: Gerhard Haid, Bruno Füruter, Othmar Walser, Rainer Schultes, Franz Staggl (hinten, v.l.), Joachim Eiter, Bernhard Füruter, Thomas Fleischhacker und Stefan Sailer (vorne, v.l.). RS-Foto: Matt

Jahreshauptversammlung des Tourismusverbandes Pitztal mit Obmann- und Vorstandswahlen

Beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt zeigte sich der Gemeindesaal Sankt Leonhard bei der Jahreshauptversammlung des Tourismusverbandes Pitztal am Mittwoch vergangener Woche. Neben Zahlen der vergangenen fünf Jahre, dem Fokus auf verstärktes Marketing und Neuwahlen war auch gleich zu Beginn die noch andauernde Skiwegsperre am Pitztaler Gletscher beherrschend, wenn auch in Nebensätzen.

Von Manuel Matt

Mit der behördlichen Sperre eines Skiwegs am Pitztaler Gletscher sei „etwas passiert, das wir absolut nicht gebrauchen konnten“, betont der Pitztaler Tourismusverband-Obmann Rainer Schultes nach seiner Begrüßung der Anwesenden. Ob die durchgeführten Arbeiten tatsächlich einer Umweltverträglichkeitsprüfung bedürfen oder nicht, sei strittig. Kritik übte Schultes an Alpenverein und WWF, die (Vergleichs-)Fotos an Medien übermitteltet hätten – nur eben nicht vom Zeitraum zwischen Mai und Juni, „denn da war kein Skiweg mehr vorhanden, weil der Gletscher abgeschmolzen war“. Gemeinsam mit Bürgermeistern, Wirtschaftskammer, Wirtschaftsbund und vielen Unternehmern sei jedenfalls „alles Mögliche“ unternommen worden, um bei Behörden und politischen Vertretern gegen die Sperre zu wirken – da aber derzeit ein rechtliches Verfahren laufe und es eine Einspruchsfrist gebe, konnte lediglich eine schnelle Bearbeitung erwirkt werden. Nun gelte die Hoffnung, dass keine Nichtregierungsorganisationen Einspruch erheben, so Schultes, der anschließend die eigentliche Jahreshauptversammlung mit dem ersten Tagesordnungspunkt einläutete.

Rückblick.

Kernstück jeder Jahreshauptversammlung ist der Rückblick auf die abgelaufene Periode, so auch im Pitztal. Zentrales Thema sei dabei die Kommunikation, das Marketing gewesen. Erreicht wurde dabei unter anderem ein gemeinsames Auftreten von TVB und Bergbahnen, den Schultes ebenso wie den Marken-Wahlspruch „Das Dach Tirols“ positiv bewertet. Die Funktionäre kümmerten sich in Arbeitsgruppen um die Destinationsentwicklung wie etwa Digitalisierung und Betreuung neuer Medien, Erlebnisinszenierung, Stärkung des Sommertourismus mit „Pitztaler Sommer Card“ im kommenden Jahr. Kommunikation spiele auch intern eine Rolle, etwa bei der Tourismusgesinnung im Tal, „die ja teilweise noch zu wünschen übrig lässt“, sagt Schultes. In Deutschland, dem größten Herkunftsmarkt, setzt das Pitztal auf eine Kooperation mit dem FC Augsburg, die auch Stadionwerbung inkludiert. Stolz wird ebenso auf erfolgreiche Veranstaltungsformate verwiesen, beispielsweise der Europacup der Behindertensportler, das Schneekompetenz unterstreichende Freeride-Format „Pitztal Wild Face“ und Laufveranstaltungen wie der 2018 ausverkaufte „Pitz Glacier Trail“. Generell gelte bei Events „Qualität vor Masse“, wie TVB-Geschäftsführer Gerhard Gstettner später betont. Das zeigt sich auch am Hochzeiger-Opening, wo seit Christina Stürmer auf „höherwertige Künstler“ gesetzt werde wie zuletzt „Revolverheld“.

Bilanz und Seidener Faden.

Freilich ebenso im Mittelpunkt standen die Kennzahlen der Saison 2017/2018, wobei der Tourismusverband mit einem Überschuss von 171.000 Euro bilanzierte. In Sachen Nächtigungen ist in der Region bei rund 1,04 Millionen ein Minus von einem Prozent zu verzeichnen. Härter traf es hingegen Sankt Leonhard mit einem Nächtigungsrückgang von rund 5,1 Prozent, was auf die Skiwegsperre zurückzuführen sei. Der gastgebende Bürgermeister von Sankt Leonhard, Elmar Haid, sprach dem Tourismusverband und seinen handelnden Personen ein Lob aus, die mit den vorhandenen Mitteln das Beste für das Tal herausholen würden. Mahnende Worte richtete Haid hingegen an Teile der Bevölkerung. Bei einer Millionen Nächtigungen könne niemand mehr sagen, dass im Pitztal nichts passiert, so Haid, der zugleich die Bedeutung der funktionierenden Landwirtschaft unterstreicht und Tourismusbetriebe aufruft, diese so erwirtschafteten Produkte auch ausgiebig zu nutzen. Lobende Worte fand Haid für Markus Mauracher („kompetenter Bursche“) vom Regionalwirtschaftlichen Programm Pitztal, dessen Mittel mittlerweile fast aufgebraucht und zumeist Unternehmern zugute kamen. Nach einem erfreuten Verweis auf das voraussichtlich im Herbst kommenden Jahres fertiggestellte Steinbockzentrum in seiner Gemeinde kam Haid auch auf die Gletschersperre zu sprechen und meinte: „Glücklich sind wir alle nicht“ und Einsprüche seien zu befürchten. Die Causa zeige aber auch den seidenen Faden, an dem das Pitztal hänge, was wiederum die Wichtigkeit des Zusammenschlusses mit Sölden unterstreiche. Ein dahingehendes Muss wäre aber eine an der Oberfläche gelegene Zubringerbahn, „sonst brauchen wir gar nicht weiter reden“, so Haid, denn ein Verlassen auf die Stollenbahn sei „riskant“. Wenig später ergriff auch Gletscherbahnen-Prokurist Reinhold Streng das Wort und erklärte die Hintergründe für das Vorgehen am Skiweg. Der Gletscher sei im Sommer in diesem Bereich stark zurückgegangen, was größere Arbeiten erforderlich gemacht habe. „Wir waren der Meinung, dass sind Erhaltungsmaßnahmen“, so Streng, aber es habe sich gezeigt, dass die Arbeiten naturschutzrechtlich zu bewilligen sind und „wir haben leider verabsäumt, die Bewilligungen zu beantragen“. Zusammen mit einem Geologen sei ein Sanierungskonzept ausgearbeitet worden, das noch heuer der zuständigen Bezirkshauptmannschaft vorgelegt werden soll, „um solchen Problemen in Zukunft vorzubeugen“, denn die Rückgänge betreffen das ganze Gebiet. „Aber vielleicht gibt’s einen Lichtblick“, „ein kleines Weihnachtsgeschenk“, dass eine zeitnahe Lösung betreffend der Skiwegsperre gefunden wird.

Wahlen.

Der Gang zur Wahlurne entfiel, da je Stimmgruppe nur ein Stimmvorschlag eingebracht worden war. Wiedergewählter Obmann ist Rainer Schultes, gleich bleiben auch die Stellvertreter Othmar Walser und Gerhard Haid. Ergänzende Vorstandsmitglieder sind Joachim Eiter, Franz Staggl, Bernhard Füruter und Stefan Sailer. Der Aufsichtsrat umfasst den wiedergewählten Vorsitzenden Bruno Füruter, seinen neuen Stellvertreter Thomas Fleischhacker sowie Reinhold Streng, Wilfried Rainer, Martin Schwarz, Andreas Lentsch, David Röck, Florian Neurauter, Carina Schöpf, Bürgermeister Josef Knabl (Arzl) und Bürgermeister Elmar Haid (Sankt Leonhard). Die beiden Bürgermeister Walter Schöpf (Wenns) und Karl Raich (Jerzens) sind mit Edwin Neuner ergänzende Mitglieder.