Von rechtem Schrot und Korn

Die Familie Knittel rund um Familienoberhaupt Dorothea (vorne 4. v.l.) beweist viel unternehmerisches Geschick und die Bereitschaft zur Investition in die Zukunft. RS-Foto: Schretter

Das Café Knittel zeigt sich im neuen, zeitgemäßen Gewand

Der „Knittel-Bäck“ ist in Reutte für fast jeden ein Begriff, der unmittelbar mit der Marktgemeinde Reutte verbunden ist. Bäckerei und Café Knittel sind in Reutte eine Instituition. Jetzt hat die Unternehmerfamilie einen neuen Schritt gewagt und das Café neu eröffnet.

Nicht nur die Bäckerfamilie Knittel ist in Reutte eine fixe Größe, auc das Gebäude, in dem, Backstube, Laden und Café untergebracht sind, kann mit einer interessanten Historie aufwarten.
Architekt Armin Walch, der mit der Planung des Umbaus beauftragt war, bat den Reuttener Historiker und Marktarchivar Dr. Richard Lipp um Unterstützung. Wer, wenn nicht Richard Lipp, kennt in Reutte jedes Haus, hat Zugang zu alten Urkunden und Aufzeichnungen und ist prädestiniert, die Geschichte historischer Gebäude des Markts Reutte aufzuarbeiten. Bewiesen ist, dass das Haus schon vor 1777 bestanden hat. Eine Feuer- und Futterbehausung mit Krautgarten ist erwähnt. Damit verbunden war damals auch schon das Recht zu backen. Man weiß also, dass im Haus Obermarkt 29, schon vor 240 Jahren gebakcen wurde und von dort der Duft frischen Brotes duch die Gassen wehte.
1829 wird ein Bäcker Sebastian Wind genannt, der auch Bürgermeister der Marktgemeinde und ein findiger Kopf war. Laut Ratsprotokoll von 1833 kaufte er das ehemalige Gasthaus zum „Roten Ochsen“, übersiedelte diese Gaststätte vom Untermarkt in den Obermarkt und war im Haus der erste Gastronom.
1866 taucht erstmals der Name Knittel auf, Johann Georg Knittel meldete schließlich 1892 das Bäckergewerbe an. Die Gastwirtschaft „Roter Ochse“ bestand bis in die Zwischenkriegszeit, dann wurde in dieser Haushälfte die „Weinstube Turri“ eingerichtet. 2014 kaufte die Familie Knittel schließlich die Haushälfte, 2017 wurde der Entschluss gefasst, das Café vom ersten Stock ins Erdgeschoss zu verlegen. 2016 wurde mit der Planung begonnen. Die Verkauffsfläche beträgt jetzt 40 m2, das Café ist 100 m2 groß und verfügt auch über einen kleine Terrasse.
Für das Umbauprojekt gaben die Marktgemeinde Reutte, die Wirtschaftskammer und die REA (Regionalentwicklung Außerfern) Wirtschaftsförderungen. Dis zeigt, wie wichtig und wertvoll Bäckerei und Café sind. Mit der Ausführung der Umbauarbeiten wurde größtenteils heimische Firmen beauftragt. Lediglich der Ladenbau und die Errichtung der Terrasse lagen in Händen deutscher Firmen. Nach dem Umbau präsentiert sich das Haus modern, hell, kundenfreundlich und sehr gemütlich. Weil auch die Außenfassade saniert wurde, hat nicht nur das Gebäude, sondern auch das Zentrum von Reutte gewonnen.
Armin Walch lobte in seiner Ansprache besonders den Unternehmergeist der Familie Knittel. „Genau das ist das richtige Denken. Die Familie Knittel investiert in die Zukunft, sichert Arbeitsplätze und verwöhnt uns alle – in gewohnter Manier – mit süssen und deftigen Köstlichkeiten“.
Auch wenn es manchmal hektisch auf der Baustelle zugung, die Zuversicht hatte immer die Oberhand. Mit guter Laune und dem ein oder anderen Späßchen waren die Nerven schnell wieder beruhigt. Am 23. September konnten Café, Laden und Bäckerei schließlich eröffnet werden und seit 25. September ist auch für die Kunden die lanfge Wartezeit endlich vorbei.