Was lange währt, wird jetzt doch gut

2018 ist der Charakter des Hauses erhalten geblieben. Eine Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes ist notwendig und wird 2019 in Angriff genommen. RS-Foto: Schretter

Das Dengelhaus im Ortszentrum von Reutte wird saniert

Es ist wohl eines der schönsten Gebäude im Ortszentrum von Reutte – das Dengelhaus im Obermarkt 3. Seit 1955 befindet sich das Dengelhaus im Besitz der Marktgemeinde und ist laut testamentarischem Beschluss für einen kulturellen Zweck zu verwenden.

Auch am Dengelhaus nagte der Zahn der Zeit, der Glanz vergangener Tage begann trüb zu werden. Über Jahre zog sich hin, was längst fällig war. Bei der Gemeinderatssitzung vom 12. November wurde nun endgültig die Sanierung des Dengelhauses beschlossen.

Einst Gasthof.

1704 wurde das Haus des Handelsfaktors Johann Ammann in seiner jetzigen Bauform errichtet. Der prachtvoll ausgestattete Besitz ging am Ende des 18. Jahrhunderts in den Besitz der adeligen Familie Strelle von Löwenberg und Strahlenburg über. Diese ursprünglich aus Berwang stammende Familie setzte die Tradition des Hauses fort. Ihre Mitglieder waren Großhandelsunternehmer, Bierbrauer und Wirte – unter dem Namen „Zum schwarzen Bären“ führten sie das Haus als Gasthof. Vom damaligen Reichtum zeugen heute noch die üppige Fassadenmalerei, die schmiedeeisernen Fensterkörbe und Wasserspeier.

Das Dengel-Haus (Obermarkt 3) im Jahr 1900. Foto: Marktgemeinde Reutte

Die letzten direkten Nachkommen der Familie Strelle starben allerdings im Armenhaus, der umfangreiche Besitz wurde versteigert. Das Stammhaus kam so an Elisabeth Falger und in der Folge an Johann Sprenger aus Berwang. Philipp Sprenger übernahm das Haus und führte dort gemeinsam mit seiner Frau Viktoria (geb. Gutheinz) einen Viktualien- und Weingroßhandel. Beide hatten zwei Töchter, Martina und Amalia. Martina heiratete den Kaufmann Benedikt Federspiel aus Reschen und führte mit ihm das Geschäft weiter. Amalia heiratete den Landwirt Ignaz Dengel aus Elbigenalp. Ihr Sohn, Dr. Ignaz Dengel, erbte das Haus im Reuttener Obermarkt vom kinderlosen Ehepaar Federspiel.
Ignaz Dengel verfügte in seinem Testament, dass das Haus, sollte es keine direkten Nachkommen geben, in den Besitz der Marktgemeinde Reutte übergehen solle. Es sollte dann einem sozialen und kulturellen Zweck gewidmet werden. Ein wesentlicher Schritt zu dieser widmungsmäßigen Bestimmung des Hauses war 1984 die Einrichtung der Dengelgalerie im Gewölbe im Erdgeschoss. Die Restaurierung des Dengel-Hauses bewirkte die Umsiedelung der Galerie, die bald im Zeillerhaus im Untermarkt neue Räume beziehen wird.

Sanierung.

Die Sanierung des Dengel-Hauses wird vom Tiroler Friedenswerk, einer 100-prozentigen Tochter der Baugenossenschaft Frieden übernommen. Der entsprechende Baurechtsvertrag tritt mit 1. Jänner 2019 in Kraft und beläuft sich auf 55 Jahre. Nach Ablauf dieser 55 Jahre (2073) gehen die Anlagen wieder in das Eigentum der Marktgemeinde Reutte über. Für die Dauer der 55 Jahre mietet die Marktgemeinde den gesamten ersten Stock und den Bereich Trauungssaal, der in den Räumen der Galerie eingerichtet wird. Der Baurechtszins beträgt 7.859,60 Euro pro Jahr und ist wertgesichert. Eine Verkehrswertermittlung und Vertragsüberprüfung wurden vorgenommen.
Die Kosten für die Neugestaltung sind mit 2,5 Mio. Euro geplant. In ca. zwei Jahren soll das Haus behindertengerecht umgebaut und fertiggestellt sein.