Was Milch alles kann

RUNDSCHAU-Anzeigenberaterin Susanne Wagner (2.v.l.) freute sich über einen Milchgeschenkskorb, den sie von Christian Angerer, Lisbeth Fritz, Florian Moosbrugger und Harald Kleiner (1., 3., 4. und 5. v.l.) bekam. RS-Foto: Müller

Zum Weltmilchtag wurde auf das Außerfern als Züchterregion mit Käsetradition aufmerksam gemacht

Der Weltmilchtag wird in über 30 Ländern der Welt begangen. In einem Grünlandbezirk wie dem Außerfern, spielt die Milchwirtschaft eine herausragende Rolle. 

Im Bezirk Reutte werden Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen und Schweine gehalten. Die Braunviehzucht, der der Hauptanteil zukommt, ist vereinsmäßig organisiert. Etwa 50 Betriebe haben sich der Mutterkuhhaltung mit verschiedenen Rassen verschrieben. Das Rückgrat der Außerferner Landwirtschaft bildet aber die Milchproduktion.
Neben diesem Zweig erfüllt die Landwirtschaft im Außerfern weitere vielfältige Funktionen. Dazu zählen die Produktion hochwertiger Lebensmittel genauso wie die Schaffung und Pflege von Erholungsräumen, Kulturlandschaften und Lebensgrundlagen.
In einer Region, die sich auch touristisch sehr gut entwickelt, öffnet sich für die Bauern, die regionale Produkte erwirtschaften, ein zusätzliches breites Spektrum, in dem unter anderem die Werbegemeinschaft „Urlaub auf dem Bauernhof“ ein Aspekt ist.
Die Bedingungen für die Landwirtschaft sind im Außerfern nicht einfach. Das Klima ist rau und es gibt reichlich Niederschlag. Die Wirtschaftsflächen liegen oft in schwer zugänglichen Regionen und erfordern großen Arbeitseinsatz.
Beinahe alle Betriebe des Bezirkes Reutte nehmen am Österreichischen Programm für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) teil. 20 Prozent der Betriebe wirtschaften biologisch.

Milch ist kostbar.

Auch die RUNDSCHAU in Reutte konnte sich bei einem Besuch zum Weltmilchtag von der Qualität der Milchprodukte überzeugen und erfuhr in interessanten Gesprächen viel Wissenswertes zum Thema Milchwirtschaft im Außerfern.
Bezirksbäuerin Lisbeth Fritz berichtet von 23 Ortsgruppen und 100 Direktvermarktern aller Kategorien – Milch- und Käseerzeugung, Anbau von Kräutern, Produktion von Fleisch und Wurst uvm. „All das ist nur mit vollem Einsatz und viel Herzblut aller Beteiligten möglich“, betont die Bezirksbäuerin. Der Fokus liegt absolut in der regionalen Vermarktung. „In letzter Zeit bemerken wir, dass vor allem auch Hotels immer mehr auf regionale Produkte zugreifen. Es wird sehr viel Wert auf Herkunft und Qualität gelegt“, führt Lisbeth Fritz dazu aus und merkt an, dass die regionalen Produkte unter anderem beim Bauernladen in Reutte zu beziehen sind. Auch der Lechweg, eines der touristischen Highlights des Außerferns, unterstützt alle Vermarkter, verstärkt aber jene, die am Lechweg liegen, wie den Bauernladen Häselgehr und die Käserei Sojer in Steeg.
Die Stimme für die Milchbauern erhob Florian Moosbrugger. Er kann mit einer beachtlichen Zahl, nämlich 9,5 Millionen Litern Milch, die pro Jahr im Bezirk Reutte produziert werden, aufwarten. Größtenteils werde silofreie Heumilch höchster Qualität (S-Klasse) hergestellt. Nur ein ganz geringer Anteil entfällt auf silolastige Milch, das heißt auf Milch, die von Kühen stammt, die auch Silofutter erhalten.
„Ganz besonders ist hier den Familienbetrieben zu danken. Bei ihnen steht die Tierliebe im Vordergrund. Sie arbeiten mit vollem Einsatz und nach bewährter Familientradition. In diesen Betrieben hat noch jede Kuh einen Namen. Nur so ist höchste Qualität möglich“, so Florian Moosbrugger.
Er nennt drei milchverarbeitende Betriebe im Bezirk – die Käserei Sojer in Steeg, die Bergkäserei Biedermann in Grän und die Wildberg-Käserei in Reutte. „Die 9,5 Millionen Liter jährlich produzierte Milch werden ausnahmslos im Bezirk zu Hartkäse, Topfen und anderen Spzialitäten verarbeitet“, führt Mossbrugger aus. Seit 2010 sei die Milchproduktion im Bezirk um 13 Prozent gestiegen. „Und das bei weniger Betrieben, die aber mehr Kühe halten“, erklärt Florian Moosbrugger dazu.

In der Hand der Konsumenten.

Harald Kleiner, Bezirksgeschäftsführer des Bauernbundes, betont, dass der Außerferner Konsument die Regionalität in der Hand hat. „Regionale Herstellung bedeutet kurze Wege. Die artgerechte Tierhaltung und Liebe zu den Tieren stehen im Vordergrund. Nur so ist höchste Qualität zu erzielen. Dass wir im Außerfern diesen Ansprüchen gerecht werden, zeigt sich darin, dass den Sommer über immer viele Tiere aus dem Inntal auf unsere Almen gebracht werden. Die Tiere werden hier unter besten Bedingungen gehalten, das Tierwohl ist großgeschrieben – dafür ist die hohe Qualität das Prädikat“, bricht er die Lanze für die heimische Landwirtschaft.
Christian Angerer, Obmann des Tiroler Maschinenrings und Vize-Bgm. von Breitenwang, erwähnt, dass die Neueröffnung des Reut-tener Bauernladens im Gebäude des ehemaligen Gasthauses „Glocke“ im Untermarkt für Anfang September geplant ist. „Aber nicht nur dort, sondern zum Beispiel auch direkt bei der Wildbergkäserei in Reutte sind regionale Produkte erhältlich. Jeder hat also die Möglichkeit, mit seinem Konsumverhalten die Regionalität zu unterstützen“, betont Christian Angerer beim Besuch im Büro der RUNDSCHAU.
25 Almen und Hütten in allen Regionen des Außerferns verarbeiten Milch. Über das weitverzweigte Wanderwegenetz sind sie den ganzen Sommer über erreichbar. So können Einheimische wie Gäste almfrische Außerferner Milchprodukte direkt vor Ort genießen und sich von der herausragenden Qualität überzeugen.