Weibliche Sturmtiefs

Liebe Freunde starker Winde!

In Zeiten des allseits debattierten Klimawandels geht die einst so beliebte tägliche Diskussion rund ums Wetter beinahe unter. Dieser Tage erlebten wir diesbezüglich eine wahrlich erfrischende Wende. Quer über Europa wehte ein ziemlich raues Lüfterl. Das Sturmtief mit dem Namen Sabine fegte über unsere Landschaft und sorgte da und dort sogar für verheerende Verwüstungen. Wir hatten Regen statt Schnee. Überhöhte Temperaturen. Und doch sehr kühl anmutende, orkanartige Windverfrachtungen. Geschieht so etwas überraschend anderes, bemüht unsereins heutzutage den allwissenden Dr. Google. Mich interessierte, warum Sturmtiefs weiblich sind. Die Antwort ist einfach. Seit 1954 vergibt das Berliner Institut für Meteorologie für Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wetter auf unserem Kontinent beeinflussen, Namen. Ursprünglich waren die Tiefs weiblich, die Hochs männlich. Dies wurde jedoch 1998 aus Gründen der Diskriminierung geändert. Jetzt ist das Schlechtwetter an geraden Jahren weiblich und an ungeraden männlich. Heuer hat es halt die Damen erwischt. Und das gleich mehrfach. Speziell in Deutschland. Dort hat ein Politgewitter in Thüringen die Parteienlandschaft gehörig durcheinander gewirbelt. Das konzertierte Wegblasen der Linken durch eine Allianz mit den Ultra-Rechten hat die Mitte-Partei der CSU regelrecht in Seenot gebracht. Deren Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat jedenfalls mittlerweile die Segel gestrichen. Sie wird weder Kanzlerin werden noch Parteivorsitzende bleiben. Vielleicht aber Namensgeberin für einen Orkan. Windnamen kann man nämlich als Patenschaft für Hoch- und Tiefdruckwirbel kaufen. Ein Tief kostet 199 Euro plus Mehrwertsteuer. So könnte Annegret billig in Erinnerung bleiben.

Meinhard Eiter