Weitere Zusatzrunde

Jetzt wurde ein fünftes Kraftwerks-Projekt an der Trisanna ins Spiel gebracht. RS-Foto: Tiefenbacher

KW Trisanna: Im Genehmigungspoker kein Ende in Sicht

Seit 2011 läuft nun der Poker um eine Genehmigung für ein Kraftwerk an der Trisanna im Paznaun. Es ist kein Ende in Sicht. Die Donau Chemie reichte jetzt ein Projekt ein. Nun sind fünf Projekte im Rennen.

Wenn mehrere Projekte an einem Fluss realisiert werden wollen, entscheidet ein Widerstreitverfahren, welches von den eingereichten Projekten zum Zug kommt. Die Krux an der Sache ist, dass bis zum Abschluss der mündlichen Verhandlung Projekte eingereicht werden können. Hinsichtlich des Kraftwerkes im Paznaun läuft ein Widerstreitverfahren am Tiroler Landesverwaltungsgericht in Innsbruck. Bisher waren vier Projekte im Rennen und es schien in die Schlussrunde (mündliche Verhandlung) zu gehen. Bisher bemühten sich die Paznaun-GmbH, bestehend aus den vier Talgemeinden des Paznauns und der Gebrüder Kofler GmbH aus Landeck, als auch die Gebrüder Haider GmbH aus Oberösterreich um die Nutzung der Wasserkraft der Trisanna zur Stromerzeugung. Von der Paznaun-GmbH liegt ein Projekt vor, die Gebrüder Haider schickten drei Projekte ins Rennen.

ÜBERRASCHUNGSCOUP. Nun wurde als Überraschungscoup von der Donau Chemie ein fünftes Projekt ins Spiel gebracht. Es handelt sich dabei um keinen Neubau. Man will die bestehende Wasserfassung vom Gföllhaus Richtung See hinaufverlegen, um die Fallhöhe zu vergrößern. Die neuen Maschinen würden im bestehenden Krafthaus in Wiesberg installiert werden. Das heißt: Das Widerstreitverfahren geht in eine weitere Zusatzrunde. „Damit ist das Verfahren wieder offen. Unsere Sachverständigen müssen nun auch das Projekt der Donau Chemie im Hinblick auf die Kriterien des Widerstreitverfahrens prüfen“, erklärte der zuständige Richter des Landesverwaltungsgerichts. Er rechnet damit, dass es eine Zeit dauern wird, bis die Stellungnahmen am Tisch liegen, obwohl er den Sachverständigen eine Frist von sechs Wochen setzte. „Wenn die Frist überzogen wird, kann ein Richter nichts machen. Insbesondere die Limnologen sind als Gutachter sehr stark eingespannt“, so der Richter.

ZWEITE ÜBERRASCHUNG. Die zweite Überraschung ist, dass sich die Donau Chemie die Gebrüder Haider aus Oberösterreich als Partner ins Boot holt. GF Reinhard Haider bestätigte zwar laufende Gespräche, Definitives könne er noch nicht sagen. GF Haider: „Aber ich gehe davon aus, dass man es ernst meint“. Zur Anregung von Anton Mattle, Geschäftsführer der Paznaun-GmbH, einen runden Tisch zwischen den Konkurrenten abzuhalten, meinte Haider: „Wir suchen immer das Gespräch, leider war die Paznaun GmbH mit den Gemeinden dafür nicht bereit. Durch ihre Haltung zögert sich das Widerstreit-
verfahren so lange hinaus. Das ist schade“. Anton Mattle lässt sich den schwarzen Peter nicht zuschieben: „Das Problem ist, dass immer wieder neue Projekte eingereicht werden. Die Paznaun GmbH hat nur ein Projekt eingereicht. Die Gebrüder Haider haben ein zweites und dann noch ein drittes Projekt nachgereicht. Sonst hätte das Landesverwaltungsgericht das Verfahren schon lange abschließen können. Jetzt wird es nochmals durch das neue Donau-Chemie-Projekt hinausgezögert“, betonte Mattle. Und apropos Gesprächsbereitschaft: „Wir haben mit den Gebrüder Haider verhandelt, aber ihre Forderungen hinsichtlich einer Beteiligung waren überzogen“.

GORDISCHEN KNOTEN LÖSEN. Was sich derzeit abspielt, ist aus Sicht von Anton Mattle unbefriedigend und verschwendet Zeit. „Das Verfahren kann nicht abgeschlossen werden, weil jeder Projekte einreicht. „Wir müssen den gordischen Knoten lösen, um eine Entscheidung herbeiführen zu können“, sagte Mattle. Er will in der nächsten Sitzung der Gesellschafter der Paznaun GmbH die Vorgehensweise in dieser Sache besprechen. Unter anderem wird Mattle die Abhaltung eines runden Tisch zwischen den Konkurrenten vorschlagen.

Von Herbert Tiefenbacher

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