Weltmeister und kürzester Olympiasieger aller Zeiten

Skilegende Karl Schranz feiert am 18. November seinen 80. Geburtstag. RS-Foto: Zangerl

Karl Schranz feiert am 18. November seinen 80. Geburtstag

 

Skilegende Karl Schranz feiert am 18. November seinen 80. -Geburtstag – pünktlich zu diesem Jubiläum gewährt der St.Antoner sehr persönliche Einblicke in sein Leben vor, -während und nach dem Skisport …

 

Von Elisabeth Zangerl

 

Dreifacher Weltmeister, zweifacher Gesamtweltcupsieger und einer der erfolgreichsten Skirennläufer Österreichs – die sportliche Bilanz der St. Antoner Skilegende kann sich sehen lassen. Der 80. Geburtstag am 18. November bietet eine Gelegenheit zurückzublicken. „Aufgewachsen bin ich in einer Familie mit fünf Kindern, wir haben immer zusammengehalten. Besonders als 1946 unser Haus komplett abgebrannt ist – wir hatten nichts mehr, abgesehen von der Kleidung, die wir am Leib getragen haben. Das war bitter, zuerst sind wir bei meinem Onkel untergekommen, später dann sind wir ins Musikhaus gezogen“, erinnert sich Schranz an diese dunkelsten Zeiten seiner Kindheit. „Das alles hat mich motiviert, weiterzumachen“, ist die Antwort auf die Frage seines Umgangs mit persönlichen Tiefschlägen, wie es neben diesem noch weitere gab. Doch vorerst zum Positiven: Schon sehr früh ist im jungen Karl Schranz der Wunsch gereift, Skifahrer zu werden: „Den Wunsch hatte ich immer, jedoch war mir damals nicht bewusst, dass man damit erfolgreich sein kann und wirklich Geld verdient.“ Idole wie Egon Schöpf oder Edi Mall haben den Wunsch nach einer Rennkarriere verstärkt. „Wir hatten die Bergbahnen, auch regelmäßige Rennen wurden in St. Anton ausgetragen“, ergänzt Schranz. Schmunzelnd meint er: „Irgendwann habe ich dann gespürt, dass ich besser bin als die anderen.“

 

ZUR EISENBAHN. Anfangs hatten die Eltern einen anderen Beruf für ihn vorgesehen: „Bei uns ging einfach jeder zur Eisenbahn – daran habe ich aber nie ernsthaft gedacht“, erzählt Schranz, „durch Leistung konnte ich sie schließlich davon überzeugen.“ Höhepunkte erlebte die Skilegende vom Arlberg genügend – den Gesamtweltcup gewann er zweimal: „Vermutlich hätte ich ihn drei- oder viermal gewonnen, während meiner zehn erfolgreichsten Jahre gab es keinen Weltcup“ (er wurde erst 1967 eingeführt). Einen „schönsten Sieg“ gibt es für Karl Schranz nach wie vor nicht: „Jeder Sieg ist in irgendeiner Form der schönste.“ Ein Sieg bei den Olympischen Spielen blieb dem dreifachen Weltmeister und zweifachen Gesamtweltcupsieger verwehrt, wenn dies auch nicht ganz stimmt: „Ich war definitiv der kürzeste Olympiasieger, den es je gegeben hat“, erklärt der Jubilar lächelnd – 1968 in Grenoble wurde Karl Schranz nachträglich disqualifiziert. 1964 erreichte Schranz trotz Grippe eine Silbermedaille bei Olympischen Spielen in Innsbruck, er erinnert sich: „Damals bin ich zu Fuß zum Start hinauf gegangen, der Hintergedanke war, die Grippeviren wegzuschwitzen.“ Nach dem Ausschluss von den Olympischen Spielen von Sapporo 1972 kamen Karl Schranz viele Sympathien zu: „Das sehe ich noch heute als Ungerechtigkeit. Damals wurde ich in Wien vor 200000 bis 300000 Menschen empfangen“, erinnert sich Schranz 46 Jahre später an diesen rührenden Zuspruch – auch in Innsbruck und seiner Heimatgemeinde wurde er gebührend und würdig empfangen. „Abgesehen von einem Präsidenten hat sich bisher jeder Präsident (Anm. d. Red.: IOC-Präsident) bei mir dafür entschuldigt“, führt Schranz aus.

 

GLÜCKLICHE EHE. Privat hatte Karl Schranz wesentlich mehr Glück – seit 1981 ist er mit Gattin Evelyn verheiratet, das Paar hat drei Töchter: „Wir haben uns zuvor ein paar Mal gesehen, dann längere Zeit nicht. Erst dann haben wir uns in Wien wieder getroffen“, erinnert sich Schranz an die Kennenlernphase und erzählt schmunzelnd: „Wenn ich in ihrer Gegenwart und in der ihrer Schwester eine Zeitung gelesen habe, haben sie das nicht gern gesehen.“ Dennoch ist aus den beiden ein Paar geworden, Karl Schranz erlebte eine glückliche Ehe: „Ich bin sehr zufrieden, wir haben eine gute Ehe, in der jeder seine Freiheiten hat.“ Karl Schranz hat sich aber auch abseits der Skipiste einen Namen gemacht, auch hat er einmal Filmluft geschnuppert: „Das mit der Schauspielerei hab ich dem Toni (Anm. d. Red.: Toni Sailer) überlassen – ich habe selbst immer gesagt, dass ich kein Schauspieler bin“, erzählt Schranz.

 

„RECHNE NICHT MIT PUTIN“. Karl Schranz gilt auch als „Vater der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft 2001“ in St. Anton – auch wenn er in St. Anton viel Missgunst erfahren musste: „Nun – ich hätte alles hinwerfen können, aber ich wollte den Neidhammeln beweisen, dass man was machen kann und habe meine Verbindungen überall hin hierfür genutzt“, sagt er über sein Engagement. „Bei dieser Weltmeisterschaft hat einfach so viel zusammengepasst, das musste etwas werden“, sagt er. Dass er Wladimir Putin, wie vielfach angenommen, bei der Alpinen Skiweltmeisterschaft in St. Anton kennen gelernt hat, verneint er: „Wir waren vorher schon Ski fahren – ein früherer russischer olympischer Präsident wollte mich ihm vorstellen … Wir haben dann eine Freundschaft geschlossen, wir mögen uns einfach und ich kann ihm auch alles sagen“, verrät Schranz. Ob sein Freund Wladimir Putin bei der großen offiziellen Geburtstagsfeier am 7. Dezember anwesend sein wird, steht in den Sternen: „Ich rechne nicht mit ihm, ich kann es mir nicht vorstellen, dass er kommt. Aber eine Einladung bekommt er natürlich“, verrät Schranz. Nachsatz: „Sein Besuch bei der Kneissl-Hochzeit wurde von der Öffentlichkeit sehr negativ behandelt – daher rechne ich nicht damit, dass er kommt.“

 

AUSZEICHNUNGEN BEIM OPERNBALL. Bisher wurden Karl Schranz unzählige Auszeichnungen zuteil, doch gibt es eine, die ihm besonders viel bedeutet? „Das ist schwer zu sagen – ich habe einmal von Wladimir Putin eine hohe russische Auszeichnung bekommen, auch einige österreichische – diese Auszeichnungen kann man dann alle beim Opernball tragen“, schmunzelt Karl Schranz. Und wie schätzt die Skilegende die Entwicklung St. Antons ein? „St. Anton wird sich, solange wir Schnee haben, weiter entwickeln – die Arlberger Bergbahnen tun viel, unsere Bahnen sind die ziemlich besten, die es auf der Welt gibt“, lobt Schranz, bedauert aber zugleich die negative Volksbefragung anlässlich einer Olympia-Bewerbung: „Ich weiß nicht, wer daran schuld ist, es ist eine kombinierte Schuld vermutlich.“

 

Ein Einblick in einen Teil seiner Medaillen- und Pokalsammlung: Unter anderem wurde Karl Schranz dreifacher Weltmeister und zweifacher Gesamtweltcupsieger. RS-Foto: Zangerl

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