Wenn Stiere fliegen…

Die Red Bull Alpha Jet Piloten zeigten waghalsige Flugmanöver. Foto: Fotostudio Rene

Enormer Besucherandrang beim zweiten Sommeropening in der Klausearena

Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Frühlingstemperaturen fand am Donnerstag, dem 5. Mai, in der Ehrenberger Klause das Sommeropening der Naturpark Region Reutte statt. Wie bereits im Vorjahr lockte das Event zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland in den Bezirkshauptort. Das spektakuläre Highlight des Sommeropenings war die Red Bull Flugschow der Alpha Jet Piloten Philipp Haidbauer und Stefan Doblhammer. Neben den „Flying Bulls“ konnten aber auch alle anderen Gäste auf der highline179 einen „Blick mit Kick“ auf die Burgenwelt und den Reuttener Talkessel genießen. Das musikalische Rahmenprogramm wurde von der Bürgermusikkapelle Reutte und dem „Kofferorchester“ gestaltet.

Tausende Besucher strömten bei „fast schon kitschigem Postkartenwetter“, wie vielerorts mit einem zufriedenen Lächeln betont wurde, in die Ehrenberger Klause. Um 11 Uhr eröffnete die Bürgermusikkapelle mit dem obligatorischen Frühschoppen das Event und heizte den Besuchern ein, bevor dann am frühen Nachmittag die Flying Bulls Piloten Philipp Haidbauer und Stefan Doblhammer die Blicke gen Himmel zogen. Die beiden Piloten zeigten knapp 15 Minuten lang atemberaubende Flugmanöver, die von einem Red Bull Helikopter mit integrierter Kamera in spektakulären Bildern festgehalten wurde. Die Flugshow war aber nicht unumstritten, da sie keinen Bezug zu Reuttes Selbstverständnis als Naturparkregion herstelle, wie etwa Reuttes Bürgermeister erklärte. Trotz des verständlichen Einwandes waren alle Verantwortlichen vom Nutzen und der Anziehungskraft dieses Highlights überzeugt. „Man muss so eine Gelegenheit einfach nutzen!“, war sich beispielsweise Hermann Ruepp, Obmann des Tourismusverbands Reutte sicher. Am Nachmittag übernahmen dann die MusikerInnen vom „Kofferorchester“ das Szepter und sorgten mit Funk-, Disco- und Soulklängen für ausgelassene Stimmung. Neben diversen Gastronomieständen gaben einige Verkaufsstände und Entertainer einen Vorgeschmack auf die Ritterfestspiele. Vor allem die Kleinsten dürften sich über eine Hexe auf Stelzen, Marionettenspieler und Verkaufsstände mit Ritterutensilien gefreut haben.
Der Tourismusverband der Naturparkregion Reutte veranstaltete das Sommeropening als Startschuss der Wandersaison. Im Vorjahr galt die Veranstaltung mitunter als inoffizielle Eröffnung der highline179, die auch dieses Jahr wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Seit nunmehr eineinhalb Jahren ist die längste Fußgängerhängebrücke der Welt das neue Wahrzeichen der Marktgemeinde, wie auch BM Luis Oberer bei der Baudokumentation kommentierte: „Das Alleinstellungsmerkmal Reuttes war: viel Verkehr und Staus – und das wurde ausgetauscht gegen die highline179.“ Eigens für das Sommeropening wurden die Tickets für die highline vergünstigt an die Besucher abgegeben. In diesem Zusammenhang soll auch betont werden, dass highline-Investor Stefan Lochbihler vom vergünstigten Kaufpreis nochmals drei Euro für karitative Zwecke in der Region bereitstellt. Technisch Interessierte kamen jeweils zur vollen Stunde in der Arena ins Staunen, denn dort wurde im Kinoformat erstmals die komplette Baudokumentation zum Bau der highline179 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Außerferner Runimation Studios vermengten imposante Kameraaufnahmen mit technischen Daten zu einer gleichermaßen informativen als auch unterhaltsamen Dokumentation, die die Leistung aller am Bau Beteiligten nochmals unterstreicht. Erfreulich ist für den Tourismus in der Naturparkregion, dass die highline179 bis dato nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch in ihrer angedachten Rolle als Besuchermagnet den Erwartungen mehr als entspricht. Die Verantwortlichen wollten zwar keine genauen Zahlen hinsichtlich der bisherigen Besucherfrequentierung bekanntgeben, aber die inoffiziellen Zahlen besagen, dass im vergangenen Jahr mehr Tickets für die highline179 als für die Alpentherme Ehrenberg gelöst wurden und die hatte immerhin 181000 Kartenverkäufe. Die highline179 ist somit das Zugpferd und internationale Aushängeschild der Region. Vor allem der Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde ließ Reutte auf dem Radar der überregionalen Presse aufscheinen. Seit dem Bestehen der neuen Attraktion stiegen die Nächtigungen im Sommer um zehn und im Winter um 14 %, wusste Tourismusverband Obmann Hermann Ruepp zufrieden zu berichten. Das Mehr an Nächtigungen sei jedoch nicht nur der highline179 geschuldet, sondern gründe auch auf der guten Konstitution des Tourismusverbands und dessen Kooperationen mit der Gemeinde Reutte, der Burgenwelt und den vielen anderen touristischen Anziehungspunkten. So erfreuen sich etwa der Lechtaler Radwanderweg, die Wanderwege am Hahnenkamm und die Außerferner Seen immer größerer Beliebt- und Bekanntheit.
Einig waren sich Ruepp und Oberer unter anderem dahingehend, dass die jüngsten positiven Entwicklungen im Sektor Tourismus kein Grund seien sich auf den Lorbeeren auszuruhen – im Gegenteil. Ruepp forciert etwa eine Steigerung bei der Bettenauslastung, was er einerseits durch die entsprechende Vermarktung und Optimierung des bestehenden Freizeitangebots und andererseits durch weitere Innovationen zu erreichen sucht. Die Region sei stets im Prozess und weitere Attraktionen – wie etwa ein Schrägaufzug zur highline179 oder die Vollbeschneiung des Hahnenkamms würden bereits diskutiert, so Ruepp. Für Oberer hat der Bau des Schrägaufzugs keine Priorität. Ihn beschäftigt in erster Linie das Problem, wie man den BesucherInnen der highline179 einen Besuch in der Marktgemeinde schmackhaft machen könnte. „Mit dem City-Outlet-Center würden wir das wahrscheinlich hinkriegen“, meinte Oberer. Aber, ob und wenn ja, bis wann dieses Großprojekt wirklich in die Tat umgesetzt wird, ist noch nicht gesichert. Zuvor müssten in jedem Fall geeignete „Investoren mit einem langen Atem“ gefunden und Verkaufflächen lukriert werden. Und außerdem solle die bestehende Infrastruktur der Region ausgebaut werden. So wird etwa auf dem Areal der Textilwerke Reutte ein neues Hotel mit 120 Zimmern und 16 Residenzen errichtet werden. Oberer räumte dem Tourismus in Reutte eine wichtige Stellung ein. Der Tourismus sei neben dem Gewerbe/Handwerk und der Industrie eine der drei Säulen, auf denen die Wirtschaft des Bezirks aufbaue. Wozu das Gelände des Franziskanerklosters im Zentrum von Reutte künftig genutzt wird, sei noch nicht entschieden. Die weitere Nutzung der 6000m2 müsse wohl überlegt sein, denn „man kann viel richtig, aber auch viel falsch machen.“
Grundsätzlich zeigte sich Oberer mit der Entwicklung der Region äußerst zufrieden. Verbesserungs- beziehungsweise Ausbaubedarf gebe es aktuell in den Bereich Verkehr und betreutes Wohnen. Das Sommeropening wurde von den Besuchern sowie Veranstaltern und Sponsoren durchwegs positiv angenommen. Eine ebenfalls erfreuliche Nachricht hatte Ulrike Jäger vom Hilfsprojekt „Schulkinder Nepal“ zu vermelden. Die engagierte Außerfernerin war nur einen Tag zuvor von der offiziellen Einweihung einer durch das Projekt finanzierten Schule, Kranken- und Entbindungsstation in Nepal zurückgekehrt. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen betrieb sie einen eigenen Verkaufsstand beim Sommeropening, dessen kompletter Erlös in den Bau eines Waisenhauses in Nepal investiert wird. Jäger betonte, dass jede Spende dringend gebraucht werde und auch zu 100% ankomme. Spendenwillige erhalten unter www.schulkinder-nepal.at genauere Informationen.