Wer versteckt sich hinter wem?

Ebenfalls im Publikum bei der Gemeinderatssitzung Haiming: Der Naturschutzbeauftragte des Bezirks Imst, Werner Schwarz (erste Reihe, 2.v.r.), und Gerd Estermann, Initiator der Unterschriftenaktion (zweite Reihe, 2.v.r). RS-Foto: Dorn

Haiminger Gemeinderat wartet Entscheidung von Silz und Kühtaier Bergbahnen ab

Solch großes Interesse an einer Gemeinderatssitzung wie an der jüngsten in Haiming gibt es nur äußerst selten. Zahlreiche Menschen sowie ein Kamerateam vom ARD wollten scheinbar unbedingt dabei sein, wenn Haiming nach der Gemeinde Oetz ihr Bekenntnis zum geplanten Bau der Skischaukel Hochoetz-Kühtai ablegt. Dazu kam es jedoch nicht, denn neun von acht Haiminger Gemeinderäten wollten vorher noch den Beschluss des Gemeinderats Silz und die offizielle Stellungnahme der Kühtaier Bergbahnen abwarten.

Von Agnes Dorn

Um die Nerven derer nicht übermäßig zu strapazieren, die einen der raren Stühle ergattern konnten, verlegte er die eigentlich als 21. Tagesordnungspunkt angesetzte Diskussion auf den Beginn der Sitzung und leitete diese selbst mit einer umfassenden Erörterung ein: Es hätte ein wahres Bombardement an E-Mails an alle Gemeinderäte gegeben, die neben der sachlichen Sorge um die Natur teilweise auch gehässige Postings enthielten, „wo man fast Angst haben muss, zu einer Gemeinderatssitzung zu gehen“, so Leitner. Die Unterschriftenaktion der Initiative von Gerd Estermann zum Schutz der Feldringer Böden erwähnte er ebenfalls und erklärte: „Die Unterschriften berühren mich so gut wie überhaupt nicht“, denn bis Kanada hätten da online Leute unterschrieben.

SILZ SOLL VORREITEN.

Auch die Verantwortung der Gemeinde Haiming als Substanzverwalter der Agrargemeinschaft Ochsengarten wollte der Dorfchef in dieser Causa nicht überbewertet wissen, denn nur zehn Prozent der benötigten Fläche wäre Haiminger Agrargemeinschaftsgrund, der Rest wäre auf Silzer Grund gelegen. Und die hätten nun noch vor Haiming zu entscheiden, ob man das Projekt wolle oder nicht, so Leitner: „Silz spielt den Ball kommod auf uns zu.“ Doch solange die Positionen vom Gemeinderat Silz, von den Kühtaier Bergbahnen und der Agrargemeinschaft Feldringer Böden nicht klar seien, wolle auch er mit seiner Fraktion keine Stellungnahme abgeben. „Das ist wie bei einem Fußballspiel, wo unsere Mannschaft keine Chance hat zu gewinnen“, zog Leitner einen Vergleich und stellte gleich klar: „Ich will auch kein Spiel anpfeifen. Ich will nicht der Prügelknabe sein.“ So forderte er eine klare Stellungnahme der genannten Akteure sowie eine schriftliche Garantie, dass es ausschließlich einen Winterbetrieb geben wird und neben der Klärung der Gültigkeit von Regiocard und Freizeitticket auch die Versicherung, den Schutz der Feldringer Böden in irgendeiner Form zu gewährleisten.

PRIVATGÄRTEN.

Substanzverwalter Hubert Leitner ließ verlautbaren, dass er zwar bereits im Juli oder August durch die Bergbahnen von dem Plan erfahren hätte, bis zum 7. November aber dann nichts mehr gehört habe, außer dass die geplante Variante doch nicht verwirklicht werden könnte. Nachdem er auf telefonische Anfrage zwar erklärt hatte, in der Sache weder dafür noch dagegen zu sein, klang er bei der Gemeinderatssitzung dann doch recht angetan: „Meiner Meinung nach ist die Almbewirtschaftung kein Honigschlecken und für viele Almen sind solche Projekte ein Segen.“ Dass ihn die Debatte über die „enteigneten“ Gründe der Agrargemeinschaft ärgert, artikulierte er deutlich: „Ein alter Bauer hat einmal zu mir gesagt: ,Das ist unser Privatgrund und komplett andere reden darüber. Wir können auch nicht über Privatgärten bestimmen‘“.

OPPOSITION DAGEGEN.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich zumindest bei den Vertretern der Opposition, dass diese das geplante Projekt ablehnen: GV Matthias Mair von der Neuen Liste betonte, dass das Naherholungsgebiet akut und unwiederbringlich gefährdet wäre und GR Bernhard Zolitsch von der Liste AFG forderte eine Entscheidung, „ohne sich hinter jemandem zu verstecken“. Seine Liste hatte sich wie auch die Haiminger Grünen schon im Vorfeld gegen das Projekt ausgesprochen. „Andere verstecken sich hinter uns“, warf Leitner den Ball an die Silzer weiter, die sich zumindest in dieser Sitzung nicht artikulieren konnten. Die Grüne Gemeinderätin Petra Hofmann forderte eine Volksbefragung, konnte aber mit ihrem Antrag, den Leitner zugleich mit seinem Antrag auf Vertagung der Entscheidung und drei weiteren Anträgen gegeneinander zur Disposition stellte, nur sechs Stimmen gewinnen. GV Stephan Kuprian von der Bürgerliste wollte zumindest die Bürger von Ochsengarten mitreden lassen und auch Vizebürgermeister Christian Köfler von der Allgemeinen Liste sprach sich dafür aus, im Vorfeld einer Entscheidung herauszufinden, wie in Ochsengarten und Marlstein die Stimmung sei. Ob eine solche Teilbefragung der Bevölkerung Teil des Fragenkatalogs sein wird, wird sich indes wohl erst in einer weiteren Sitzung am Samstagvormittag weisen, die diesmal wohl unter Ausschluss der gesamten Öffentlichkeit stattfinden wird.

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