Wie ein lächelnder Seiltänzer über dem Abgrund

Flinke Finger und eine Stimme zum Dahinschmelzen: Rita Goller. RS-Foto: Matt

Umjubelte „Jazzknödel“-Premiere für das Rita Goller Trio im Gasthof Hirschen in Imst

Köstliches wurde jüngst wieder beim „Jazzknödel“ im Gasthof Hirschen aufgetischt: Als Trio präsentierten Rita Goller, Christian Unsinn und Henri Siegl feinste Jazz-Standards und hörenswerte Neuinterpretationen vor thematischem Hintergrund.

Von Manuel Matt

Auch wenn das Oberland in vielerlei Hinsicht als musikalisch gesegnetes Plätzchen gelten darf, dürfte es dennoch nicht viele heimische Trios im Jazzbereich geben, die binnen einer einzigen Instrumentalpassage die Raumtemparatur um gefühlte fünf Grad ansteigen lassen. Gewiss ein seltener Genuss für den Zuhörer, aber scheinbar ein Leichtes für die Tiroler Pianistin und Sängerin Rita Goller, die mit Christian Unsinn am Schlagzeug und Henri Siegl an der Bassgitarre jüngst ein virtuoses Trio ins Leben rief.

Von Schwermut und Leichtigkeit.

Schnelle Wechsel und generelle Wandlungsfähigkeit machen den Jazz für sie erst so richtig reizvoll, verriet Rita Goller freimütig nach den ersten Begrüßungsworten – und ließ ihren Worten sogleich klingende Taten folgen. Das gefühlvoll dargebrachte Eröffnungsstück „Somewhere over the Rainbow“ ließ derweil den inhaltlichen Bogen erahnen: „Das Gefühl, am Abgrund zu stehen – und trotzdem ist alles wurscht“, umschreibt die Fronfrau lächelnd. Da die Landschaft unserer Seele aber nicht nur von dunklen Schluchten durchzogen ist, wurde mit Augenzwinkern auch Erheiterndes kredenzt – wie etwa der deutsche Schlager „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ aus den 20er Jahren. Schon etwas älter ist dagegen „Rondo alla Turca“ von Wolfgang Amadeus Mozart, dem das Trio mit der halsbrecherischen „Goller-Turca“ die Ehre erwies – und zwar gleich zweimal, bat das Publikum doch gegen Ende um neuerlichen Nachschlag.

Fast schon Pause.

Der Termin für den letzten „Jazzknödel“ vor der Sommerpause steht übrigens auch schon fest – am 14. Juni lockt das Undermarket Jazz Quartett.