Wie geht es mit dem Kloster in Reutte weiter?

Dekan Franz Neuner sieht im Zusammenspiel von Gastronomie und Spiritualität viel Positives. RS-Foto: Schretter

Alle warten auf ein Angebot der Franziskaner

2014 war ein Schicksalsjahr für Reutte. Mit der Abberufung der Franziskaner aus dem Klos-ter Reutte ging eine 400-jährige Geschichte zu Ende. Die Gründung des Franziskanerklosters geht auf den Stifter Erzherzog Leopold V. und seine Gemahlin Claudia von Medici im Jahre 1628 zurück. 

Nun steht das Kloster seit vier Jahren leer. Sehr zum Leidwesen der Gemeinde und großer Teile der Bevölkerung. Viele Jahre prägten die Franziskanerpatres das Bild der Marktgemeinde, gehörten mit dazu, waren liebgewonnener Teil der Reut-tener Identität. Was geblieben ist, ist eine mitten im Ortszentrum gelegene Klosteranlage mit Innenhof und großem Klostergarten. Dieses Areal nicht ungenutzt liegen zu lassen, ist ein großes Anliegen der Gemeindeführung und der Reuttener.

Vorleistungen.
Wie geht es mit dem Reuttener Franziskanerkloster weiter? Die Frage, die vielen unter den Nägeln brennt, soll hoffentlich bald beantwortet werden können.
Foto: GMT Geodäsie & Messtechnik

Dass die Marktgemeinde bereits in Vorleistung gegangen ist, unterstreicht die Dringlichkeit. Um 18 000 Euro wurde auf Gemeindekosten die gesamte Klosteranlage vermessen. Für eine Potenzialstudie, die auch eine Interviewreihe und eine Fragebogenerhebung beeinhaltet, stellte die Marktgemeinde weitere 42 300 Euro bereit. Bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, dem 21. Juni, wurden die Ergebnisse dieser Studie präsentiert. Die Studie spricht eine deutliche Sprache: das Kloster soll wieder eine Rolle im Leben der Marktgemeinde spielen. Eine Nutzung für Gastronomie und Spirituelles steht ganz oben auf der Wunschliste. Weiters informierte Bgm. Alois Oberer, dass Bischof Hermann Glettler bei seinem Besuch in Reutte die Nachnutzung des Klosterareals zur Chefsache erklärte. Beeindruckt habe sich Bischof Glettler von der Vorarbeit, die Reutte bereits mit viel Herzblut geleistet hat, gezeigt.
Jetzt hat sich zusätzlich die Möglichkeit des Erwerbs des Klosterareals durch die Marktgmeinde eröffnet. Auf ein entsprechendes Angebot durch die Franziskaner wird allerdings noch gewartet.

Bekenntnis zur Vergangenheit.

Auch Dekan Franz Neuner, der bei der Gemeinderatssitzung anwesend war, erklärt: „Wir sind jetzt auf die Entscheidung der Franziskaner angewiesen. Die Erklärung zur Chefsache durch Bischof Glettler zeigt aber, dass auch er großes Interesse an einer Lösung der Klosterfrage hat und es ihm wichtig ist, auch die Spiritualität zu erhalten. Die Pfarre Sankt Anna braucht Räumlichkeiten, die ein modernes pfarrliches Leben weiter möglich machen. Auf die Spuren einer 400-jährigen Vergangenheit muss geachtet werden, sonst hat die Marktgemeinde keine Zukunft.“ Gastronomie und Spiritualität passen auch für Dekan Neuner gut zusammen. „Bischof Hermann hat einen guten Draht zum Provinzial. Die beiden kennen einander schon lange. Ich denke schon, dass dies ein gutes Vorzeichen ist“, gibt sich Franz Neuner optimistisch.

Für Bgm. Alois Oberer heißt es abwarten, bis die Franziskaner ein Angebot machen. RS-Foto: Schretter

Bgm. Alois Oberer zeigt ebenfalls vorsichtigen Optimismus: „Die Marktgemeinde steht im Moment an. Zum einen, weil Bischof Glettler die Causa Franziskanerkloster zur Chefsache erklärt hat, zum anderen, weil die Franziskaner noch kein Angebot an uns gerichtet haben. Wir warten jetzt, bis die Franziskaner kommen und Vorschläge bringen.“