Wieder leben, lachen, lieben

Respekt für Frauen. Dafür setzen sich VP Bezirksleiterin Carmen Strigl-Petz, Vortragende und Labelgründerin Katrin Biber und NR Elisabeth Pfurtscheller (v.l.) ein. RS-Foto: Schretter

Katrin Biber fand nach dem Tod ihrer Schwester ihren Weg zurück ins Leben. Heute hilft sie vielen, die Hilfe brauchen

Wieder leben, lachen, lieben
Katrin Biber fand nach dem Tod ihrer Schwester ihren Weg zurück ins Leben. Heute hilft sie vielen, die Hilfe brauchen.

Carmen Strigl-Petz, Bezirksleiterin der VP-Frauen im Bezirk Reutte und NR Elisabeth Pfurtscheller luden am Montag, dem 5. November, zu einem Diskussionsabend mit Impulsvortrag von Katrin Biber unter dem Motto „respekt. für. frauen. egal wie. egal wo. egal wann“ in die Wirtschaftskammer Reutte ein.
Gewalt zeigt unterschiedliche Formen und viele Gesichter, Gewalt ist komplex und kein einfach zu behandelndes Thema. Mit diesen Worten leiten die beiden VP-Frauen den Abend ein. Frauen müssen solidarisch sein, so Elisabeth Pfurtscheller. „An diesem Abend steht Gewalt im Fokus. Nicht, um Angst zu schüren, sondern um Mut zu machen und zu zeigen, wo und wie Frauen und Mädchen Hilfe bekommen können“, gibt die Nationalrätin das Wort an Katrin Biber weiter.
Berührend, eindrucksvoll und motivierend gewährte Katrin Biber Einblick in ihr ganz persönliches Schicksal. 2013 wurde ihre Schwester Larissa ermordet. Katrins Leben wurde durch diesen Schicksalsschlag mit einem Mal in eine völlig andere Bahn geschleudert. Trauer, Wut, Verzweiflung, Angst – mit all diesen Gefühlen musste sie sich plötzlich auseinandersetzen. Mut zu fassen, den schweren Weg aus der Krise zu suchen und zu gehen, ist schwierig, anstrengend und niemals einfach. Katrin Biber hat ihn beschritten, mit einigen Hindernissen, erlebte Höhen, Tiefen und Erfolge. In ihrem Impulsvortrag zeigte sie ihre ganz persönliche Strategie.

Raum geben.

Trauer ist nie ein Einzelfall und hat immer auch mit Verlust zu tun. Trauer ist individuell, angstrengend, kraftraubend – nicht nur für den Trauernden, auch für all jene, die mit dem Trauernden umgehen müssen.
„Trauer hat in unserer Gesellschaft keinen Platz, Gefühle zeigen auch nicht“, so Katrin Biber. Sie habe sich der Herausforderung, die ihre ganz persönliche Trauer für sie bedeutete, gestellt und ihren Weg durch den Sport gefunden. „Wer trauert, sucht nach Lösungen.“ Katrin Biber gründete – weil sie erkannte, wie gut ihr Bewegung tut, ihr hilft ,ihr Leben wieder auf die Reihe zu bringen’, das Label „Seelensport“ und hilft damit vielen Trauernden und Ratsuchenden. Nähere Informationen darüber sind unter www.seelesport.at zu finden.
„Bewege deinen Körper und du bewegst deine Seele. Dieser Satz ist für mich Motto geworden. Das möchte ich gerne weitergeben.“
In ihrem Impulsvortrag machte Katrin Biber auch Mut, Trauer in all ihren Facetten anzunehmen. Als eine ihrer Kernbotschaften nannte sie: „Trauernde müssen für sich entscheiden dürfen, wann und wie sie an ihr früheres Leben, ihre Ziele wieder anknüpfen. Ziele können sich ändern. Wichtig ist, seinem Herzen zu folgen.“ Jenen, die an der Seite eines Trauernden stehen, gibt sie mit auf den Weg: „Trauer ist individuell. Daraus können durchaus extreme Konflikte entstehen. Der Trauerweg des Einzelnen bzw. Anderen muss akzeptiert und respektiert werden. Es gibt auch nicht dieses eine Trauerjahr, nach dem alles wieder gut sein muss. Genauso wichtig ist es aber, sich Hilfe zu holen und auf sich zu achten.“ „Dem anderen Stütze sein, indem man auf sich selbst achtet“, diesen Rat gibt Katrin Biber weiter.

Hilfe.

Welche Arten von Hilfe es gibt, und wie und wo diese Hilfe zu bekommen ist, dem war der zweite Teil des Abends gewidmet. Vier Fachleute stellten ihre Hilfsangebote vor.
Gabriele Schick vertrat den Verein „BASIS“. „BASIS“ ist eine Anlaufstelle für Fragen in Bezug auf Beruf und Familie und bietet psychosoziale Beratung. Gabriele Schick appelliert, „Gewalt zu Hause“ zu thematisieren. „Jede fünfte Frau in Österreich ist in ihrem Leben mindestens einmal mit häuslicher Gewalt konfrontiert. Das darf nicht totgeschwiegen werden.“
Caroline Harrer und Regina Weber sprachen für den Tiroler Kinderschutz. Hier finden minderjährige Personen (bis zum 18. Lebensjahr), die Gewalt ausgesetzt sind, Hilfe. „Wir unterstützen auch das Umfeld Betroffener, seien es Kindergärten, Schulen oder Bezugspersonen. Die Beratungen bei uns sind kostenlos, anonym und vertraulich. Zudem bieten wir auch Prozessbegleitung“, erklärt Regina Weber.
Eine neue Form von Gewalt passiert online. Schlagworte wie Cybermobbing oder Cyberstalking gewinnen immer mehr an bedrohlicher Bedeutung.
Julia Wolfschütz, vom „Info-Eck“-Jugendinfo Tirol steht hier mit Rat und Tat zur Seite. Sie gewährte Einblicke in diese neue Form von Gewalt. „Im Online-Bereich erhält Mobbing eine neue Dimension. Es stoppt nicht mehr vor den eigenen vier Wänden, passiert rund um die Uhr und zieht durch das Teilen der Hassbotschaften oder Mobbingtexte weite Kreise.“
Hans-Peter Seewald vom LKA Tirol nannte als wichtigen Punkt die Prävention. „Gewalt soll erst gar nicht passieren. Die meisten Fälle von Gewalt ereignen sich in den eigenen vier Wänden“, so Seewald. Oft sei diese Gewalt auch mit Abhängigkeiten verbunden. Besonders wichtig, so Seewald, ist es, bei Bedrohung deutlich Grenzen aufzuzeigen, im Notfall laut zu artikulieren, dass man bedroht wird und die Polizei zu rufen.
„Zur Zeit besteht wohl ein subjektives Unsicherheitsgefühl. Es passiert heute aber nicht mehr als früher. Aufklärung und Prävention sind zentrale Punkte“, so seine Kernaussage.

Großes Interesse.

Wie wichtig das Thema Gewalt ist und wie sehr es die Gesellschaft bewegt, zeigte der enorme Andrang beim Vortragsabend. Der Saal der Wirtschaftskammer Reutte war beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt.
Auch zwei Schuldirektoren waren mit Schülern der HAK/HLW und des BG/BRG Reutte gekommen.
Es ist in der Gesellschaft angekommen, dass Gewalt keinesfalls zu akzeptieren und totzuschweigen ist. Aufklärung und Prävention sind zentral. Hilfe suchen und Hilfe annehmen sind keine Zeichen von Schwäche. Es sind vielmehr Signale, dass Betroffene aufstehen, sich zur Wehr setzen und für sich und ihre Unversehrtheit kämpfen.

Wo und wie wird mir geholfen?

„BASIS – die Beratungsstelle für persönliche und berufliche Anliegen“ ist in der Planseestraße 6 in Reutte zu finden. Tel. +43 (0) 5627 72604, E-Mail: office@basis-beratung.net. Die Bürozeiten sind Montag bis Donnerstag, jeweils von 9 bis 12 Uhr.
Das Büro des „Kinderschutz Reutte“ ist im Innovationszentrum am Kohlplatz 7 in Pflach untergebracht. Tel. +43 (0= 5672 64510, E-Mail: reutte@kinderschutz-tirol.at, Homepage: www.kinder-jugend.tirol. Die Bürozeiten sind Montag und Mittwoch, von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, sowie Dienstag und Donnerstag, von 9 bis 13 Uhr. Termine nach telefonischer Vereinbarung.
Für Betroffene von Cybermobbing oder Cyberstalking stehen folgende Adressen für Tipps und Hilfe zur Verfügung: Saferinternet. at – Infos und Tipps zur sicheren und verantwortungsvollen Internet- und Handynutzung.
„147 Rat auf Draht“ – Notruf für Kinder, Jugendliche und Bezugspersonen. Rund um die Uhr, anonym und kostenlos – einfach 147 wählen und anrufen.
Internet Ombudsmann – er hilft kostenlos bei der Entfernung unerwünschter Fotos im Internet oder Fake-Accounts.
Stopline – anonyme Meldestelle gegen Kinderpornografie und Nationalsozialismus im Internet.