Wildermieminger Gemeinderat zerbröckelt

Eine trügerische Idylle: In der Wildermieminger Dorfpolitik kracht es derzeit ganz gewaltig. RS.Fotos: Schnöll

Liste „Gemeinsam aktiv für Wildermieming“ erhebt gegen Dorfchef Stocker schwere Vorwürfe und warf das Handtuch

Der Wildermieminger Gemeinderat ist nun tatsächlich von elf auf sieben Mandatare geschrumpft. Nachdem die vier Gemeinderäte der Liste „Gemeinsam aktiv für Wildermieming“ in der April-Gemeinderatssitzung ihren Rücktritt angekündigt haben (die RUNDSCHAU berichtete), haben nun auch die 18 auf der Liste hinter den vier Mandataren gereihten Personen schriftlich auf ihr Mandat verzichtet. Listenführer Andreas Stoll wirft in einer Aussendung Bürgermeister Klaus Stocker schwere Verfehlungen in der Dorfpolitik vor, die der Dorfchef abschmettert.

In der Aussendung der Liste „Gemeinsam aktiv für Wildermieming“ heißt es wörtlich: „Wie erwartet hat Bürgermeister Klaus Stocker mit keinem der verbleibenden Mitglieder der Fraktion das Gespräch gesucht. Unter anderem aus diesem Grund haben alle verbleibenden Mitglieder der Fraktion ‚Gemeinsam aktiv für Wildermieming‘ ihren Verzicht auf das Amt im Gemeinderat erklärt. Bereits in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 19. April 2018 haben vier Gemeinderäte ihren Rücktritt verkündet. Bürgermeister Stocker bleibt seiner bisherigen Linie treu und versucht, unter anderem durch ein Rundschreiben an die Bevölkerung, mit weiteren fragwürdigen und falschen Behauptungen diese zu täuschen. Der Rücktritt aller Listenmitglieder lässt sich nicht auf Meinungsverschiedenheiten beim Schul- und Kindergartenneubau reduzieren, vielmehr sind es eine Vielzahl von Verfehlungen, welche ausreichend mit Fakten belegt werden können, die zu diesem Schritt geführt haben. Einen Baubescheid auf Freiland ohne entsprechende Widmung auszustellen oder das unautorisierte Ändern von Vertragsinhalten sowie die Zeichnung von Dienstbarkeitsverträgen ohne Ermächtigung durch den Gemeinderat sind nur wenige von vielen dieser genannten Beweggründe. Eine Volksbefragung zum geplanten Schul- und Kindergartenneubau, so wie auch die jährlich gesetzlich verpflichtenden öffentlichen Gemeindeversammlungen lehnt Bürgermeister Stocker ebenfalls ab. Jegliche Diskussion in der Öffentlichkeit wird bewusst gemieden, um sich keinen kritischen Fragen stellen zu müssen. Es sollte jedem zu denken geben, wenn 22 engagierte Menschen keine andere Möglichkeit sehen, als auf das Amt im Gemeinderat zu verzichten und damit dem Bürgermeister das Vertrauen zu entziehen!“

BÜRGERMEISTER WEHRT SICHT MIT RUNDSCHREIBEN.   Bürgermeister Klaus Stocker erklärt gegenüber der RUNDSCHAU, dass die Vorwürfe gegen ihn „so nicht stimmen“. Stocker: „Für die Liste ‚Gemeinsam aktiv‘ gibt es überhaupt keinen Grund davonzuspringen. Der Vorwurf, dass ich mich weigere eine Gemeindeversammlung abzuhalten, stimmt übergaupt nicht. Ende Mai vergangenen Jahres habe ich eine Gemeindeversammlung abgehalten, bei der auch der geplante Schul- und Kindergartenneubau vorgestellt und diskutiert wurde. Was bitte, soll ich zu verstecken haben?“ Der Bürgermeister hat inzwischen seinerseits ein Rundschreiben an die Wildermieminger Haushalte verfasst. Darin heißt es unter anderem: „Wenn behauptet wird, dass die Zusammenarbeit im Gemeinderat in keiner Weise vertrauensvoll und wertschätzend war, kann dies bestenfalls als subjektive Empfindung eingestuft werden. Ich bin stets bestrebt, alle Informationen und Unterlagen allen Fraktionen zur Verfügung zu stellen. Wenn allerdings vorbereitete Unterlagen nicht abgeholt werden, sehe ich mich nicht verpflichtet. Die Fraktion ‚Wildermieming kann mehr – fair für alle‘ unter Listenführer Matthias Fink wird das gerne bestätigen!“ Die wesentlichsten Punkte, die die Liste „Gemeinsam aktiv für Wildermieming“ nicht mittragen könne, seien die Neuerrichtung des Kindergartens und die Sanierung der Volksschule. „Dabei haben wir 2016 in einem überaus demokratischen Prozess den so genannten Kindergartenausschuss nominiert. Im ersten Schritt erstellte eine engagierte Gruppe, in welcher auch Mitglieder der Liste ‚Gemeinsam aktiv für Wildermieming‘ federführend mitgearbeitet haben, eine Bedarfserhebung und eine quantitative Auswertung mit Prognose. In dieser kam klar zum Ausdruck, dass die Notwendigkeit einer Erweiterung der Kinderbetreuungseinrichtungen gegeben ist. Die Kehrtwende um 180 Grad von Andreas Stoll und dessen Listenmitgliedern ist mir unverständlich!“

Bürgermeister Klaus Stocker wehrt die Angriffe gegen ihn ab. RS-Foto: Archiv/Schnöll