Win-win-Situation – Lehre in Mangelberufen

Lehrlinge in Mangelberufen: Der Dringlichkeitsantrag zu Asyl und Lehre bzw. die „Rot-Weiß-Rot-Karte“ soll die aktuelle Lose-lose- in eine Win-win-Situation verwandeln.Symbol-Foto: pixabay.com

VP-LA Cornelia Hagele und Georg Kaltschmid, Klubobmann-Stv. der Tiroler Grünen, fordern Rot-Weiß-Rot-Karte

Die Ferienzeit hat begonnen, die Sommersaison ist angelaufen und nach wie vor steht die Hotel- und Gastgewerbebranche vor den gleichen Problemen: Fachkräftemangel im Freizeit- und Tourismusbereich. Und dennoch wurden erst Ende Mai zwei junge, asylsuchende Männer – die eine Lehre in der Gastronomie absolvierten  – abgeschoben. Von derartigen Ereignissen bzw. Schicksalsschlägen sind natürlich auch andere Branchen betroffen. Einen Dringlichkeitsantrag zum Thema Lehre wurde erst kürzlich von Cornelia Hagele (VP-Abgeordnete) und Georg Kaltschmid (stv. Klubobmann der Tiroler Grünen) im Landtag eingebracht. Sie wollen Lehrlingen in Mangelberufen den zielstrebigen Abschluss ermöglichen und ihnen eine Perspektive durch die Rot-Weiß-Rot-Karte geben.

Sowohl der Telfer Abraham Okojie, als auch der in Leutasch lebende Tengis Amoyan mussten das Land Ende Mai verlassen. Beide waren dabei, eine Lehre in der Gastronomie und somit in einem Mangelberuf zu absolvieren. Mit ihnen wurden zwei gut integrierte Asylwerber vor Beendigung ihrer Ausbildung abgeschoben – die RUNDSCHAU berichtete. Ihr Schicksaal ist allerdings kein Einzelfall und das, obwohl die Liste von Unternehmen und Branchen, die unter akutem Fachkräftemangel leiden, immer länger wird.

DRINGLICHKEITSANTRAG ZU ASYL UND LEHRE. „Wir möchten Asylwerbern, die eine Lehre in einem Mangelberuf in Tirol beginnen oder bereits begonnen haben, die Möglichkeit geben, diese auch abzuschließen. Das ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern trägt auch zu einer erfolgreichen Integration bei. Damit wollen wir den Lehrlingen eine Perspektive ermöglichen und den ausbildenden Betrieben Sicherheit geben“, sind sich Hagele und Kaltschmid einig. Ermöglicht werden soll das nicht über eine Änderung des Asylgesetzes, sondern durch die Schaffung eines eigenen Aufenthaltstitels im Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz auf Bundesebene. „Damit ist gewähr-leistet, dass Asyl und der Aufenthalt zu Ausbildungszwecken voneinander getrennt bleiben“, so Hagele.

LEHRE IST KEIN SCHLUPFLOCH. Um auszuschließen, dass eine mögliche Abschiebung durch den Beginn einer Lehrausbildung umgangen wird, sieht der Vorschlag vor, dass zum Zeitpunkt des Ausbildungsbeginns noch kein negativer erstinstanzlicher Asylbescheid vorliegen darf. „Für uns ist klar, dass die Lehre kein Schlupfloch sein darf, um das Asylverfahren auszuhebeln. Wer aber die ehrliche Absicht hat sich einzubringen, sich zu integrieren und eine Ausbildung zu absolvieren, soll eine faire Chance bekommen“, unterstreicht Hagele die Intention des Antrags, der an die Bundesregierung gerichtet ist. Der Antrag sieht außerdem die Möglichkeit vor, dass nach erfolgreichem Abschluss der Lehre in einem Mangelberuf ein erleichterter Zugang zum Aufenthaltstitel „Rot-Weiß-Rot – Karte“ geprüft werden solle, um den erlernten Beruf auch weiterhin ausüben zu können.

MENSCHLICHE KOMPONENTE. Georg Kaltschmid, der sich seit Monaten für ein Ende der restriktiven Abschiebepolitik einsetzt, hebt die menschliche Komponente besonders hervor. „Seit Monaten erleben wir menschliche Dramen, die unter die Haut gehen und für viel Unmut und Unverständnis sorgen. Die Situation ist für die Betroffenen wie für den ganzen Betrieb extrem belastend. Immerhin geht es hier um die Zukunft eines Menschen“, so Kaltschmid. Folge die Bundesregierung dem Vorschlag, dann würden Menschlichkeit und Hausverstand wieder in die österreichische Asylpolitik einkehren, ist Kaltschmid überzeugt. „Die Menschen sind hier und wollen arbeiten und sich integrieren. Und die Unternehmen sind dringend auf der Suche nach Arbeitskräften. Machen wir aus der derzeitigen Lose-lose- eine Win-win-Situation“, appelliert Georg  Kaltschmid an den Bund.

Von Beatrice Hackl

VP-Abgeordnete Cornelia Hagele stellte Dringlichkeitsantrag.RS-Archiv: Schnöll

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