Wir begleiten Menschen

Heidi Abfalter (l.) und Brigitte Weichselbraun gestalteten den Märchenabend im Pfarrstadl Breitenwang. RS-Foto: Kofelenz

Weltweit finden Veranstaltungen zum Welthospiztag statt

(sk) Zwei Wochen vor Allerheiligen, dem Gedenktag für die Verstorbenen, findet der Welthospiztag statt. Da stellt man sich die Frage, wer steht an unserer und an der Seite der Angehörigen, wenn es zu Ende geht? Ist man auf dem letzten Weg allein, umgeben von den Lieben und Freunden oder wird man von jemandem begleitet? Die ehrenamtlichen Mitglieder der Hospizgruppe kommen anonym und gehen anonym und sie begleiten Menschen. Am Welthospiztag wird an sie gedacht – weltweit – auch bei uns im Bezirk Reutte bei einem Märchenabend im Pfarrstadl.

Sabine Hosp ist Koordinatorin der Hospizgruppe in Reutte. In ihren einleitenden Worten spricht sie von „Aushalten, Zeitschenken und Begleiten“. Der Mensch steht im Mittelpunkt und es sei ein Geschenk, Menschen begleiten zu dürfen. Den Welthospiztag als solchen gibt es noch nicht sehr lange. Ausgehend von England, entstand in den 60er Jahren diese Bewegung mit dem ersten Hospiztag 1988. Nun finden in 90 Ländern auf der ganzen Welt rund 800 Veranstaltungen verschiedenster Art statt, so berichtete Geschäftsführer Werner Mühlbeck. Die Hospizbegleitung steht für Achtsamkeit, Zeithaben und die Anerkenntnis der Endlichkeit des Lebens. Die ehrenamtlich Tätigen werden in einer halbjährlich dauernden Ausbildung und einem Praktikum geschult, bevor sie ihren Dienst aufnehmen. Derzeit gibt es in Österreich rund 3000 Hospizbegleiter. „Es braucht Menschen überall, als Freund, zum Zuhören und um dem Menschsein ein Ansehen zu geben“, so Mühlbeck, denn die Sterbekultur sei im Sinken. Er stellt fest, dass man den Wert einer Gesellschaft am Umgang mit dem Menschen beim Lebensbeginn und seinem Ende erkenne.

Märchenabend.

Begleitet mit bewegenden und aufwühlenden Klängen der Harfe, gespielt von Heidi Abfalter, erzählte Brigitte Weichselbraun die Geschichte von Peronnik. Dieses Märchen entstand vor 1000 Jahren in frühchristlicher Zeit in der Bretagne. Thematik sind die Aufgaben, die das Leben für jeden bereithält, diese zu meistern und dabei stets den rechten Weg im Auge zu behalten. Der Tagelöhner Peronnik erfährt durch einen vorbeiziehenden Ritter von der goldenen Schale und der Lanze, aber auch von den Gefahren, die auf dem Weg dahin zu meistern sind. Beide Stücke befinden sich im Besitz des Zauberers auf seinem Schloss. Mit viel Geschick und List schlägt sich Peronnik tapfer auf seinem Weg und kommt am Ende in den Besitz der begehrten Dinge, die er jedoch dann mit der Menschheit teilt: Die goldene Schale, die Segen und Hilfe für die Menschen bringt und die Lanze, die stets den rechten Weg weist.
Hintergrund ist die in vielen Geschichten erzählte Gralssuche. Die Schale (der Gral) soll einst das Blut Christi aufgefangen haben. Die Lanze steht für die Verbundenheit von Himmel und Erde. Die zu bestehenden Gefahren, sieben an der Zahl, stehen für Angst, Kraft, Versuchung … also Herausforderungen, die das Leben so mit sich bringt. In der Bretagne war das Heidentum zu frühchristlicher Zeit sehr stark. Man versuchte, mit christlichen Symbolen, so wie sie in dieser Geschichte vorkommen, entgegenzuwirken.
Mit Dankesworten stellte Sabine Hosp abschließend ihre fleißigen Teammitglieder den Gästen vor. Auch dem Haus Ehrenberg, vertreten durch Leiter Alois Gratl, in dem die Hospizgruppe eine Heimstatt gefunden hat, gebührt großer Dank. Der Abend wurde in gemütlicher Runde mit einem Buffet abgerundet.

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