„Wir können Mutmacher sein“

Zum ersten Mal als Präsidentin am Rednerpult: Sonja Ledl-Rossmann. Foto: Land Tirol

Sonja Ledl-Rossmanns erste Rede als Tiroler Landtagspräsidentin

Eine Wänglerin an der Spitze der Tiroler Volksvertreter: Das dürfte völlig zu Recht in die Annalen des Außerfern eingehen. Der Dienstag vor Ostern war der große Tag für Sonja Ledl-Rossmann. Nachdem sie schon dem Bundesrat in Wien präsidiert hatte, wählten sie die Abgeordneten des Landtags zu Innsbruck in dieses hohe Amt.

Zum ersten Mal als Präsidentin am Rednerpult: Sonja Ledl-Rossmann. Foto: Land Tirol

Für die ÖVP-Abgeordnete war es zugleich eine Rückkehr an ihren ers-
ten politischen Wirkungsort: 2008 war sie zum ersten Mal in den Landtag eingezogen und dann, nach einer Wahlperiode, in den Bundesrat nach Wien gewechselt.
Mit nur 43 Jahren in eine Position zu gelangen, deren wichtigste Basis das Vertrauen und der Respekt aus allen Fraktionen ist, stellt wahrlich keine Selbstverständlichkeit dar: Ihre Vorgänger Alois Lugger und Helmut Mader waren schon 53, als sie dieses Amt antraten, Herwig van Staa gar 71.
Den Dank an just diesen stellte Sonja Ledl-Rossmann an den Beginn ihrer Antrittsrede: Der habe „unerlässlich motivierte und fachlich stets imponierende Arbeit für die Menschen in unserem Land“ geleistet und vorgelebt, wie Verantwortungsgefühl, Verlässlichkeit und persönliche Überzeugungen positiv wirken könnten – und zwar als Politiker und als Mensch.

Von Demut und Res-pekt.

Dem Blick zurück folgte der Blick nach vorne. Bei der Vorbereitung auf diese Sitzung sei ihr klar geworden, warum an Tagen wie diesen so oft von Demut und Respekt die Rede sei, bekannte Sonja Ledl-Rossmann: „Es wird einem bewusst, was in unsere Hände gegeben wurde und welche Wirkung unser Handeln hat.“
Die 36 Abgeordneten sah sie quasi als Spiegelbild der Menschen Ti-
rols – und zudem deren Hoffnungen, Wünsche, Bedürfnisse und Ängste. Die Volksvertreter könnten „in einer Zeit, in der Tirol allen Grund dazu hat, die kommenden Aufgaben auch weiterhin positiv und konstruktiv anzugehen“, Antreiber und Mutmacher sein.
Gerade für die Jugend vermöchten die Abgeordnete mit einer Kultur des Problemlösens, des Diskutierens und des Umgangs miteinander ein Vorbild zu sein: „Dieses gemeinsame Verständnis, das schon bisher gepflegt wurde, soll auch in Zukunft unsere Arbeit prägen.” Tirol stehe schließlich nicht deswegen so gut da, weil Angst, Neid und Pessimismus zur Lebensart dort zählten, sondern weil so viel Energie und Potential in diesem Land stecke: „Und weil wir nie darauf vergessen haben, das zu schützen, was uns wichtig ist.“ Nämlich Solidarität, Stabilität und das Streben nach Freiheit und persönlicher Entfaltung.
Auch darüber solle der Tiroler Landtag seine schützende Hand halten, und zwar unter diesen Vorzeichen: „Wir sollten uns nicht zu wichtig nehmen und stattdessen das für das Land Wichtige tun.“ Und man solle den Menschen nicht sagen, wohin sie gehen sollen, sondern ihnen ein guter Begleiter auf ihren Wegen sein. Die Landtagspräsidentin: „Wir sollten vor allem ein Ort kraftvoller Taten, nicht nur starker Worte sein.“
Es gelte, wie schon in der Vergangenheit alles Mögliche zu tun, „um die Menschen noch näher an uns zu bringen, statt gegenseitige Entfremdung zu fördern.“
Ihr großes Ziel sei es, das Parlament weiterhin als bürgernahen Landtag und offenes Landhaus erlebbar zu machen.
Und Sonja Ledl-Rossmann schloss mit einem Versprechen: „Ich will diese Aufgabe verantwortungsvoll, verbindend und bedacht ausüben. Und vor allem auch mit großer Freude.“

Von Jürgen Gerrmann

 

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